Sportfotografie ist die Disziplin, in der die Technik am wenigsten verzeiht. Bei einem Portrait könnt ihr noch einmal auslösen. Beim entscheidenden Tor nicht.
Die gute Nachricht: Es sind wenige Einstellungen, und sie ändern sich während des Spiels kaum. Wer sie einmal richtig gesetzt hat, kann sich auf das konzentrieren, worauf es wirklich ankommt.
Die Einstellungen
Modus S beziehungsweise Tv. Ihr gebt die Zeit vor, die Kamera rechnet die Blende. Die Zeit ist hier die Entscheidung, nicht die Schärfentiefe.
Verschlusszeit:
| Sportart | Zeit |
|---|---|
| Laufen, Radfahren | 1/500 s |
| Fußball, Handball, Basketball | 1/800 bis 1/1000 s |
| Tennis, Eishockey, Motorsport | 1/1000 s und kürzer |
| Mitzieher (Auto, Radfahrer) | 1/60 bis 1/125 s |
ISO-Automatik mit Obergrenze. In der Halle oder abends unter Flutlicht wird die Blende schnell nicht mehr reichen. Lasst die Kamera den ISO nachziehen und setzt die Obergrenze dort, wo eure Bilder noch brauchbar sind. Ein rauschendes scharfes Bild schlägt ein sauberes verwackeltes.
Autofokus auf AF-C (Nikon, Sony) beziehungsweise AI Servo (Canon), also kontinuierlich. Die Kamera stellt permanent nach, solange der Auslöser halb gedrückt ist. Bei AF-S bleibt der Fokus stehen, und der Sportler läuft aus der Schärfeebene – siehe Autofokus-Modi.
Serienbild an. Aber nicht als Gießkanne, dazu gleich mehr.
Die Messfeldsteuerung ist wichtiger als der Modus
Der AF-Modus regelt, wie die Kamera fokussiert. Die Messfeldsteuerung regelt, worauf.
Für Sport funktioniert eine Gruppe von Feldern in der Mitte oder ein verschiebbarer Punkt am besten. Die vollautomatische Feldwahl über das ganze Bild sucht sich regelmäßig den falschen Spieler – oder den Schiedsrichter.
Wer eine Kamera mit Motiverkennung hat, sollte sie ausprobieren. Bei aktuellen Modellen erkennt sie Menschen und teils sogar Ballsportarten zuverlässig genug, um darauf zu vertrauen.
Serienbild ist kein Ersatz für Timing
Der häufigste Anfängerfehler: den Auslöser gedrückt halten und hoffen.
Das Problem daran ist nicht der Speicherplatz, sondern der Pufferspeicher. Nach zwei bis vier Sekunden Dauerfeuer ist er voll, die Kamera wird langsam – und zwar meistens genau dann, wenn es interessant wird.
Besser: kurze Serien von drei bis fünf Bildern, ausgelöst kurz vor dem erwarteten Moment. Das setzt voraus, dass ihr das Spiel lest.
Das Spiel lesen
Hier liegt der eigentliche Unterschied zwischen brauchbaren und guten Sportbildern, und er hat mit der Kamera nichts zu tun.
Wer den Sport kennt, weiß, wo gleich etwas passiert. Beim Fußball: nicht dem Ball folgen, sondern dahin schauen, wo er gleich sein wird. Beim Weitsprung: nicht der Anlauf, sondern der Absprung. Beim Turnen: der Moment der maximalen Auslenkung, kurz bevor die Bewegung umkehrt.
Deshalb gilt: Fotografiert einen Sport, den ihr versteht. Wer die Regeln nicht kennt, wird immer eine halbe Sekunde zu spät sein.
Wo man steht
Der Standpunkt entscheidet fast so viel wie das Timing.
Tief gehen. Aus der Hocke oder liegend wirken Sportler größer und dynamischer, und der Hintergrund wird ruhiger – statt Werbebanden bekommt ihr Himmel oder Tribüne im Unscharfen.
Gegen einen ruhigen Hintergrund arbeiten. Sucht euch die Seite des Feldes, hinter der weniger los ist.
Das Licht im Rücken. Bei Außensport ist die Sonnenseite die brauchbarere. Gegenlicht kann schön sein, macht den Autofokus aber langsamer.
Nah dran, wo es erlaubt ist. Bei Amateursport steht man oft direkt am Feld – das ist ein Vorteil, den Profifotografen in Stadien nicht haben.
Der Mitzieher
Die einzige Technik, bei der lange Zeiten gewollt sind: Ihr zieht die Kamera mit gleicher Geschwindigkeit mit dem Motiv mit und löst währenddessen aus. Das Motiv bleibt scharf, der Hintergrund verwischt.
Beim Motorsport ist das Auto dann scharf, die Räder aber unscharf – und genau das erzeugt den Eindruck von Tempo, den ein bei 1/2000 eingefrorenes Auto nie hat, weil es dort wie geparkt aussieht.
Übungsweise: 1/60 s, mitziehen, weiter mitziehen auch nach dem Auslösen. Von zwanzig Versuchen wird einer sitzen. Das ist normal.
Ohne Teleobjektiv anfangen
Ein 400-mm-Objektiv ist teuer. Für den Anfang braucht ihr keines.
Sportarten, die auch mit 50 bis 135 mm funktionieren: Turnen, Kampfsport, Klettern, Schwimmen, Leichtathletik im Wurf- und Sprungbereich, jeder Amateursport, an dessen Feldrand man stehen darf.
Und ein Tipp, der oft übersehen wird: Die Bilder neben dem Spiel sind oft die besseren. Der Jubel, die Enttäuschung, der Trainer an der Seitenlinie, die Bank. Dafür braucht ihr kein Tele – und diese Bilder erzählen mehr als der zwanzigste Zweikampf.
Übung
Geht zu einem Amateurspiel eines Sports, den ihr versteht.
Erste Halbzeit: Fotografiert wie üblich, dem Ball hinterher.
Zweite Halbzeit: Fotografiert nicht den Ball. Schaut dahin, wo er gleich sein wird, und löst kurz vorher aus.
Der Unterschied zwischen den beiden Hälften ist der ganze Sprung, den dieses Genre verlangt.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
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