
Das eigene Tier ist das dankbarste Motiv, das man haben kann: Es ist da, es ist geduldig, und man kennt es.
Trotzdem sehen die meisten Haustierbilder gleich aus – von oben, in einem dunklen Wohnzimmer, mit einem Tier, das erwartungsvoll in die Kamera schaut.
Die drei Griffe, die alles ändern
1. Auf den Boden. Der wichtigste. Ein Bild von oben auf einen Hund zeigt einen Rücken und einen verkürzten Kopf. Auf Augenhöhe zeigt es ein Gegenüber.
Das heißt bei einer Katze: Bauch auf dem Boden, Ellbogen aufgestützt. Bei einem Meerschweinchen noch tiefer.
2. Ans Fenster. Wohnzimmer sind dunkel. Ein großes Fenster ist die beste Lichtquelle, die ihr habt. Das Tier seitlich dazu – nicht mit dem Rücken davor, sonst ist es eine Silhouette.
3. Offene Blende. ƒ/1.8 bis ƒ/2.8. Das bringt Licht und löst das Tier vom Wohnzimmerhintergrund mit Sofa, Kabel und Wäscheständer.
Die Technik
| Wert | warum | |
|---|---|---|
| Zeit | mindestens 1/250 s, bei Bewegung 1/1000 s | Tiere sind schneller als erwartet |
| Blende | ƒ/1.8 bis ƒ/2.8 | Licht und Freistellung |
| ISO | automatisch, Grenze hoch | siehe ISO |
| Autofokus | Nachführung mit Tieraugenerkennung | siehe Autofokus-Modi |
| Antrieb | Serie bei Bewegung, Einzelbild bei Ruhe | |
| Modus | M mit Auto-ISO | ihr legt Zeit und Blende fest |
Die Augenerkennung für Tiere ist in den letzten Jahren so gut geworden, dass sie bei Hunden und Katzen zuverlässig funktioniert. Sie ist der einzelne technische Fortschritt, der in diesem Bereich am meisten gebracht hat.
Scharfe Augen sind Pflicht. Bei ƒ/1.8 und einer Schnauze, die nach vorn zeigt, liegt die Nasenspitze schon außerhalb der Schärfe. Das ist in Ordnung – das Auge muss stimmen.
Die Aufmerksamkeit
Das eigentliche Problem: Ein Tier, das eine Kamera sieht, schaut sie an. Zwanzig Bilder mit demselben erwartungsvollen Blick.
Was hilft:
Ein zweiter Mensch. Er beschäftigt das Tier, ihr fotografiert. Das ist der wirksamste Griff überhaupt.
Geräusche sparsam einsetzen. Ein Quietschen, ein Pfeifen, ein Papierrascheln bringt Ohren nach vorn und einen aufmerksamen Blick – aber nur beim ersten und zweiten Mal. Danach ist das Tier abgestumpft.
Deshalb: Erst alles einstellen, dann das Geräusch machen. Nicht umgekehrt.
Leckerli hinter der Kamera. Erzeugt einen konzentrierten Blick direkt in das Objektiv. Sparsam, sonst wird der Hund unruhig.
Warten statt rufen. Die besten Bilder entstehen, wenn das Tier euch vergessen hat: beim Schlafen, beim Putzen, beim Aus-dem-Fenster-Schauen.
Der Hintergrund
Der häufigste Bildfehler bei Haustierbildern ist nicht das Tier, sondern das, was dahinter steht.
Zwei Wege:
Wegräumen. Bei einem geplanten Bild lohnt es sich, den Bereich hinter dem Tier freizuräumen.
Wegblenden. Offene Blende plus Abstand zum Hintergrund. Zwei Meter Abstand lassen ein Wohnzimmer verschwinden.
Draußen ist es einfacher: eine Wiese, ein Weg, ein Feld. Auf Augenhöhe fotografiert wird der Hintergrund automatisch weit weg und damit unscharf.
Draußen
Bewegung braucht kurze Zeiten. Ein rennender Hund bei 1/500 Sekunde ist verwischt. 1/1000 bis 1/2000 sind nötig.
Nachführautofokus mit Zone, nicht Einzelfeld – ein Einzelfeld auf einem rennenden Hund zu halten, gelingt selten.
Vorher positionieren. Stellt euch dorthin, wo der Hund vorbeikommen wird, und lasst ihn auf euch zulaufen. Hinterherlaufen führt zu nichts.
Die goldene Stunde. Warmes Licht in Fell ist ein eigener Effekt, besonders im Gegenlicht – die Härchen leuchten. Siehe Gegenlicht.
Dunkle und helle Tiere
Ein Punkt, der oft für Frust sorgt.
Ein schwarzer Hund wird von der Belichtungsmessung aufgehellt, bis er grau ist – und dabei verliert das Fell alle Zeichnung. Belichtungskorrektur nach unten, etwa −0,7 bis −1.
Eine weiße Katze wird abgedunkelt. Korrektur nach oben, +0,7 bis +1.
Und für beide gilt: seitliches Licht. Frontallicht macht dunkles Fell zu einer schwarzen Fläche und helles zu einer weißen. Erst Streiflicht zeigt die Struktur. Mehr unter Belichtungsmessung.
Kleintiere und Vögel
Hamster, Kaninchen, Meerschweinchen: in einem eingegrenzten Bereich am Fenster, auf einer neutralen Unterlage, mit jemandem, der aufpasst. Kurze Zeiten – sie sind schneller, als sie aussehen.
Vögel im Käfig: dieselbe Technik wie bei Gittern im Zoo – Objektiv dicht an das Gitter, offene Blende, Vogel weit dahinter. Dann verschwindet es. Siehe Tierfotografie.
Fische im Aquarium: Objektiv direkt an die Scheibe, Raumlicht aus, kein Blitz von vorn.
Übung
Fotografiert euer Tier zwanzig Minuten lang, ohne es ein einziges Mal anzusprechen.
Legt euch auf den Boden, wartet, und löst nur aus, wenn es etwas tut, das es ohnehin tun würde.
Diese Bilder werden anders sein als alle, die ihr bisher habt – und sie sind der Grund, warum in diesem Artikel Geduld vor Technik steht.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
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