
Es gibt zwei Fragen, die ihr am Autofokus einstellt, und sie werden ständig verwechselt.
Die erste lautet: Soll er einmal scharfstellen oder ständig nachführen? Die zweite: Wo im Bild soll er scharfstellen? Das sind zwei getrennte Einstellungen, und fast jeder Fehlschuss geht darauf zurück, dass eine von beiden nicht zur Situation passt.
Einmal oder ständig
Einzelautofokus heißt bei Nikon und Sony AF-S, bei Canon One-Shot. Die Kamera stellt scharf, meldet das mit einem Piepen, und dann steht die Schärfe. Bewegt sich das Motiv danach, bleibt sie da, wo sie war.
Das ist richtig für alles, was steht: Landschaft, Architektur, ein Portrait von jemandem, der sich nicht bewegt, Produktfotos.
Nachführautofokus heißt AF-C oder AI Servo. Solange der Auslöser halb gedrückt bleibt, korrigiert die Kamera fortlaufend. Sie weiß dabei nicht, was ihr wollt – sie folgt dem, was unter dem aktiven Feld liegt.
Das ist richtig für alles, was sich bewegt: Kinder, Sport, Tiere, eine Braut, die auf euch zuläuft.
Die meisten Kameras haben zusätzlich eine Automatik, die selbst umschaltet. Sie ist besser geworden, entscheidet aber im Zweifel falsch – und man merkt erst zu Hause, welchen Zweifel sie hatte.
Wo die Kamera hinsehen soll
Hier reicht die Spanne von einem einzelnen Punkt bis zur ganzen Bildfläche.
Einzelfeld. Ein kleines Feld, das ihr selbst setzt. Die genaueste Wahl und die richtige für alles Statische. Ihr bestimmt, worauf scharf gestellt wird, nicht die Kamera.
Feldgruppe oder Zone. Ein Bereich aus mehreren Feldern. Die Kamera sucht sich darin das nächstliegende Motiv. Der Kompromiss für Bewegung, die ungefähr vorhersehbar ist – ein Läufer auf der Bahn, ein Kind im Garten.
Vollautomatische Feldwahl. Die Kamera nimmt die ganze Fläche. Praktisch heißt das fast immer: Sie stellt auf das scharf, was am nächsten ist und am meisten Kontrast hat. Bei einem Portrait vor Gebüsch sind das die Zweige.
Augenerkennung. Die größte praktische Verbesserung der letzten Jahre. Die Kamera erkennt Gesichter und darin die Augen, oft auch bei Tieren und Vögeln. Wo sie funktioniert, ist sie jeder manuellen Feldwahl überlegen – bei Portraits mit offener Blende ist die Toleranz so klein, dass ein Feld auf der Nase schon zu weit vorn liegt.
Sie hat Grenzen: ein abgewandtes Gesicht, eine Brille mit Spiegelung, starkes Gegenlicht, ein Schleier vor dem Gesicht. Dann fällt sie auf das zurück, was sonst eingestellt ist – und das sollte etwas Sinnvolles sein.
Der Fehler, den fast alle machen
Scharfstellen in der Mitte, dann schwenken. Also: mittleres Feld auf das Auge, halb durchdrücken, Kamera schwenken, auslösen.
Bei ƒ/8 geht das gut. Bei ƒ/1.8 nicht.
Der Grund ist Geometrie. Beim Schwenken dreht sich die Kamera um ihre eigene Achse, und das Motiv wandert dabei auf einem Kreisbogen – es ist nach dem Schwenk ein Stück weiter entfernt als vorher. Bei 85 mm, ƒ/1.8 und zwei Metern Abstand beträgt die Schärfentiefe rund vier Zentimeter. Der Fehler ist größer als das.
Die Lösung ist einfach: das Feld dorthin setzen, wo die Schärfe hin soll. Dafür sind die Felder da. Mehr zum Zusammenhang unter Schärfentiefe.
Fokus auf den Daumen legen
Ein Griff, der viel ändert und den kaum jemand kennt: den Autofokus vom Auslöser trennen und auf eine Taste an der Rückseite legen (AF-ON oder AEL, in den Menüs meist unter „AF mit Auslöser: Aus“).
Danach macht der Daumen die Schärfe und der Zeigefinger das Bild. Der Vorteil:
- Ihr könnt einmal scharfstellen und beliebig oft auslösen, ohne dass die Kamera neu sucht – Einzelautofokus, wann immer ihr wollt.
- Ihr könnt den Daumen gedrückt halten und bekommt Nachführung – beides ohne Menü, im selben Modus.
- Ein Bild lässt sich nie mehr dadurch verpassen, dass die Kamera im falschen Moment neu fokussiert.
Es fühlt sich zwei Tage lang falsch an. Danach will man nicht zurück.
Wann der Autofokus scheitert
Er braucht Kontrast. Wo keiner ist, sucht er.
| Situation | was hilft |
|---|---|
| Weiße Wand, klarer Himmel, Nebel | auf eine Kante daneben stellen |
| Sehr wenig Licht | AF-Hilfslicht an, oder manuell |
| Regen, Schnee, Gitter vor dem Motiv | Einzelfeld, klein gesetzt |
| Scheibe zwischen Kamera und Motiv | ans Glas herangehen, sonst fokussiert er die Scheibe |
| Starkes Gegenlicht | die Hand als Blende vors Objektiv halten |
Und für Fälle, in denen er endgültig aufgibt: Der manuelle Ring ist nicht abgeschafft. Mit Fokuslupe und Kantenanhebung – im Menü meist „Focus Peaking“ – ist manuelles Scharfstellen an einer spiegellosen Kamera schneller und genauer, als es zu Filmzeiten je war.
Übung
Stellt jemanden zwei Meter vor euch, offene Blende, 50 mm oder länger.
Macht zwei Bilder: eines mit dem mittleren Feld auf dem Auge und anschließendem Schwenk, eines mit dem Feld direkt auf dem Auge im fertigen Bildausschnitt.
Vergleicht bei hundert Prozent. Der Unterschied ist der Grund, warum es die Feldwahl gibt.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
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