
Ein Gruppenfoto ist die Aufgabe, bei der die meisten scheitern – und zwar nicht an der Technik, sondern an der Organisation.
Zwanzig Menschen stehen zwei Minuten still. In dieser Zeit muss alles stimmen.
Die Rechnung mit den Augen
Ein Mensch blinzelt etwa alle vier Sekunden, ein Lidschlag dauert rund eine Drittelsekunde. Bei einer einzelnen Aufnahme liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Person gerade blinzelt, damit grob bei einem Zwanzigstel.
Bei zwanzig Personen ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle die Augen offen haben, entsprechend gering – bei einem einzigen Bild eher unter fünfzig Prozent.
Ein Trick, der gut funktioniert: „Alle Augen zu – und auf drei wieder auf.“ Danach zwei Sekunden Zeit, in denen niemand blinzelt.
Der Aufbau
In den Schatten oder unter einen Baum. Das Wichtigste. In der Sonne kneifen alle die Augen zusammen, und die Gesichter haben harte Schatten. Gleichmäßiger Schatten ist immer besser als Sonne.
Wenn es nur Sonne gibt: alle mit dem Rücken zur Sonne stellen und aufhellen, oder in den Schatten eines Gebäudes gehen.
Nicht zu breit. Eine Reihe aus zwanzig Personen zwingt euch weit zurück oder in ein sehr weites Objektiv. Beides ist ungünstig. Besser: mehrere Reihen, versetzt.
Gestaffelt statt gerade. Menschen in einer geraden Linie sehen aus wie eine Aufstellung. Ein leichter Bogen – die Außenstehenden etwas näher an der Kamera – wirkt natürlicher und hält alle im selben Schärfebereich.
Auf gleiche Höhe achten. Größere nach hinten oder außen, Kinder nach vorn, Sitzende in die erste Reihe. Wer Stufen, eine Treppe oder einen Hang nutzt, hat es leichter.
Lücken schließen. Bittet alle, näher zusammenzurücken, als es sich anfühlt. Zwischen den Personen soll kein Hintergrund durchscheinen – das ist der häufigste Unterschied zwischen einem professionellen und einem privaten Gruppenbild.
Auf die Füße achten. Wer sich leicht seitlich stellt, wirkt schlanker und die Gruppe wird schmaler.
Die Technik
| Wert | warum | |
|---|---|---|
| Blende | ƒ/5.6 bis ƒ/8 | alle Reihen scharf |
| Zeit | mindestens 1/250 s | jemand bewegt sich immer |
| ISO | so hoch wie nötig | lieber Rauschen als Unschärfe |
| Fokus | auf die erste Reihe oder die vorderste Person | die Schärfe reicht nach hinten weiter als nach vorn |
| Brennweite | 35 bis 70 mm | kürzer verzerrt die Außenstehenden |
Zur Schärfe: Der Schärfebereich reicht etwa ein Drittel vor und zwei Drittel hinter die Fokusebene. Bei mehreren Reihen also auf die zweite Reihe stellen, nicht auf die letzte.
Zur Brennweite: Bei einem Weitwinkel werden Personen am Bildrand gestreckt – Köpfe wirken oval, Körper breiter. Bei einer Gruppe ist das besonders unangenehm, weil es genau die trifft, die außen stehen. Ab 35 mm ist es unauffällig, ab 50 mm kein Thema mehr.
Die Ansage
Der Teil, der über den Erfolg entscheidet und der nichts mit Fotografie zu tun hat.
Laut sein. Zwanzig Menschen reden. Wer leise Anweisungen gibt, wird nicht gehört und verliert die Aufmerksamkeit.
Eine Person zuerst. Stellt die erste Person hin und baut die Gruppe um sie herum auf. Wer alle gleichzeitig dirigiert, dirigiert niemanden.
Namen benutzen, wenn ihr sie kennt. „Der Herr im blauen Hemd, bitte einen Schritt nach links“ funktioniert besser als „ganz links noch etwas“.
Ansagen, wo hingeschaut wird. „Alle bitte zu mir, auf das Objektiv.“ Sonst schaut die Hälfte auf ein Telefon, das jemand daneben hält.
Schnell sein. Nach drei Minuten ist die Geduld einer Gruppe erschöpft. Baut den Aufbau vorher, ohne Leute – Standpunkt, Belichtung, Fokus, alles fertig – und ruft sie erst dann zusammen.
Bei Hochzeiten
Der häufigste Anlass, und der mit dem größten Zeitdruck.
Eine Liste vorher. Mit dem Paar besprechen, welche Konstellationen gebraucht werden. Zehn bis fünfzehn sind realistisch, mehr sprengt jeden Zeitplan.
Eine Person aus der Familie einteilen, die die Leute zusammenruft. Sie kennt die Namen und weiß, wer wozu gehört. Das spart die Hälfte der Zeit.
Von groß nach klein. Erst alle, dann Familien, dann Kleingruppen. So können die Gruppen nach und nach gehen, statt zu warten.
Immer zwei bis drei Aufnahmen pro Konstellation.
Mehr zum Ablauf unter Hochzeitsfotografie.
Der Notausgang
Wenn trotz allem auf keinem Bild alle gut aussehen: Aus zwei Aufnahmen derselben Position lässt sich ein Kopf austauschen.
Voraussetzung ist, dass die Kamera nicht bewegt wurde – ein Grund mehr für ein Stativ bei großen Gruppen. In Photoshop oder GIMP: beide Bilder als Ebenen, Maske über den betreffenden Kopf.
Das ist bei privaten Bildern völlig in Ordnung. Bei dokumentarischen Aufnahmen nicht – siehe Pressefotografie.
Sehr große Gruppen
Ab etwa fünfzig Personen ändert sich die Aufgabe.
- Höhe suchen. Eine Leiter, ein Balkon, eine Treppe, ein Fenster im ersten Stock. Von oben lässt sich eine große Gruppe ordnen, von unten nicht.
- Anordnung statt Reihen. Auf einer Treppe, um einen Brunnen, in einem Halbkreis.
- Ein Megafon oder ein lauter Pfiff. Kein Scherz.
- Nach hinten arbeiten. Die hinteren Reihen zuerst aufstellen.
Übung
Fotografiert eine Gruppe von fünf Personen zweimal: einmal in einer geraden Reihe mit Abstand, einmal gestaffelt, eng zusammen und leicht im Bogen.
Der Unterschied zwischen beiden Bildern ist der ganze Artikel – und er kostet dreißig Sekunden Umstellzeit.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
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