
Bevor die Kamera Blende und Zeit ausrechnen kann, muss sie wissen, wie hell es ist. Dafür misst sie das Licht – aber sie kann nicht das ganze Bild gleich gewichten, denn dann wäre jedes Motiv mit hellem Himmel unterbelichtet.
Welchen Ausschnitt sie ansieht, bestimmt die Messmethode. Fast alle Kameras bieten dieselben vier.
Matrix oder Mehrfeld
Die Standardeinstellung der meisten Kameras. Sie errechnet aus dem gesamten Bildbereich die optimale Belichtung: Die Helligkeit wird über das ganze Bild berücksichtigt und daraus ein Mittelwert gebildet.
Dieser Modus empfiehlt sich für Situationen, in denen die Motive weitgehend gleichmäßig beleuchtet sind – Landschaftsaufnahmen etwa, oder Motive ohne großen Kontrast zum Hintergrund.
Wo sie versagt: bei harten Kontrasten. Und Gegenlicht bringt sie zuverlässig an ihre Grenzen.
Mittenbetont
Auch Integralmessung genannt. Das ist die Methode, die schon bei analogen Kameras zum Einsatz kam, und sie ist recht universell.
Wie bei der Mehrfeldmessung geht das gesamte Bild in die Rechnung ein. Der Unterschied: Der Bildmitte wird deutlich mehr Gewicht gegeben. Das hilft vor allem bei Schnappschüssen, bei denen das Motiv genau in der Mitte sitzt.
Wofür sonst: Architektur und andere größere Motive bei Tageslicht – Autos, Personen, Gebäude.
Selektiv
Beachtet nur einen kleinen Teil des Fotos, etwa 8 bis 10 Prozent des Sucherbereichs. Diese Methode arbeitet besonders schnell und ist damit häufig das Mittel der Wahl in der Sportfotografie.
Auch für Gegenlicht ist sie geeignet, und bei Objekten mit starken Kontrasten führt sie oft zu besser belichteten Bildern.
Der Haken: Bei Verwendung des Einzelfokus muss das Objekt erst korrekt gemessen werden, bevor man den Ausschnitt verschiebt.
Spot
Arbeitet wie die selektive Messung, nur enger: Die gemessene Fläche erstreckt sich über 3 bis 5 Prozent des Bildbereichs.
Gerade bei kleinen Objekten mit harten Kontrasten, bei Gegenlicht auf Konzertbühnen oder nächtlichen Skylines spielt die Spotmessung ihre Vorteile aus. Auch im Sport ist sie geeignet.
Sie ist leider nicht in allen Kamerasystemen vorhanden. Wer sie nicht hat, kommt mit der Selektivmessung wenigstens in die Richtung.
Der eigentliche Punkt
Alle vier Methoden gehen von derselben Annahme aus: Das, was sie messen, soll mittelgrau werden. Fotografiert ihr eine weiße Wand, macht die Kamera sie grau. Fotografiert ihr eine schwarze Katze, macht sie die auch grau.
Deshalb ist die Wahl der Messmethode im Kern die Frage: Welcher Teil des Bildes soll richtig belichtet sein? Bei einem Portrait im Gegenlicht ist das das Gesicht – nicht der Himmel dahinter. Messt ihr auf das Gesicht, wird der Himmel ausgefressen. Das ist kein Fehler, sondern die Entscheidung.
Wenn beides nicht geht, weil der Kontrast zu groß ist, habt ihr drei Möglichkeiten: den Aufhellblitz, einen Reflektor – oder einen anderen Standpunkt.
Die Belichtungskorrektur – der eigentliche Regler
Die Messmethode zu wechseln ist umständlich. Für den Alltag gibt es ein schnelleres Werkzeug, und es sitzt bei den meisten Kameras auf einem eigenen Rad: die Belichtungskorrektur, meist mit +/− beschriftet.
Sie sagt der Kamera nichts anderes als: „Deine Messung ist richtig, aber ich will es heller" – oder dunkler. In jedem Automatikmodus, also P, A und S.
Weil die Kamera alles zu Mittelgrau macht, folgen daraus zwei Fälle, die man sich für immer merken kann:
| Was im Bild überwiegt | Korrektur | warum |
|---|---|---|
| Schnee, weiße Wand, heller Sand, Nebel | +1 bis +2 | sonst wird das Weiß grau |
| Bühne, Nacht, dunkler Anzug, schwarzer Hintergrund | −1 bis −2 | sonst wird das Schwarz grau und das Gesicht ausgefressen |
Das ist keine Feinheit für Fortgeschrittene: Es ist der Unterschied zwischen grauem und weißem Schnee, und er ist mit einem Daumen erledigt.
Und einmal zurückdrehen nicht vergessen. Die Korrektur bleibt stehen, auch nach dem Ausschalten. Es gibt kaum einen Fotografen, der nicht schon einen halben Tag lang mit −1,7 fotografiert hat, weil er es abends auf der Tanzfläche eingestellt hatte.
Was die Kamera nicht wissen kann
Keine Messmethode weiß, was auf dem Bild wichtig ist. Sie kennt nur Helligkeiten. Deshalb ist die Kontrolle nach dem Auslösen nicht das Bild auf dem Display – dessen Helligkeit hängt davon ab, wie hell es um euch herum ist – sondern das Histogramm.
Wenn ihr euch bei einer Szene nicht sicher seid und sie nicht wiederholbar ist, macht drei Bilder: eines nach der Messung, eines eine Stufe heller, eines eine Stufe dunkler. Viele Kameras haben dafür eine automatische Belichtungsreihe. Auf der Speicherkarte kostet das nichts; die verpasste Szene kostet alles.
Übung
Fotografiert eine Person mit dem Licht im Rücken der Person, also gegen die Lichtquelle. Wählt einen beliebigen Modus außer M.
Macht das Bild zuerst mit Mehrfeldmessung. Die Person wird zu dunkel sein.
Wechselt dann auf Spot oder selektiv und messt auf das Gesicht. Vergleicht die beiden Bilder – und schaut, was mit dem Hintergrund passiert ist.
Genau diese Abwägung trefft ihr in Zukunft bei jedem Gegenlicht.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
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