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Grundlagen

ISO richtig einstellen – wie viel Rauschen ist vertretbar?

Der einzige der drei Belichtungswerte, der nichts gestaltet. Er kauft Licht, und er bezahlt es mit Bildqualität.

Einstieg5 Min.·Vitali Skidan·
ISO 6400 aus der Hand. Das Rauschen ist da, aber das Bild gibt es überhaupt nur deshalb.
ƒ/2.8 · 1/1500 s · ISO 6400 · 49 mm (74 mm KB)ISO 6400 aus der Hand. Das Rauschen ist da, aber das Bild gibt es überhaupt nur deshalb.

Der ISO-Wert bestimmt, wie empfindlich der Sensor auf Licht reagiert. Das ist technisch nicht ganz sauber erklärt, aber verständlich – und die wirklich korrekte Erklärung wollt ihr nicht lesen.

Merkt euch einfach: Je höher die ISO-Zahl, desto mehr Lichtinformation zeichnet der Sensor auf. Die Blende könnte also geschlossener sein oder die Belichtungszeit kürzer.

Der Haken

Dummerweise hat der ISO-Wert keinerlei gestalterischen Effekt, den man einsetzen könnte. Blende und Verschlusszeit verändern beide das Bild – Schärfentiefe die eine, Bewegung die andere. Der ISO verändert nur eines, und zwar zum Schlechteren: das Bildrauschen.

Je höher der Wert, desto körniger wird das Bild. Besonders betroffen sind die dunklen Stellen. Bis zu einem gewissen Punkt stört das nicht weiter.

Moderne Kameras sind außerdem recht gut darin, dieses Rauschen wieder herauszurechnen – bei JPEG-Aufnahmen passiert das automatisch. Nur geht das immer auf Kosten der Schärfe. Die Bilder wirken dann leicht verwaschen, und man hat das eine Problem gegen ein anderes getauscht.

Wo bei eurer Kamera die Grenze liegt, ab der die Fotos unansehnlich werden, müsst ihr selbst herausfinden. Dabei spielt auch die Sensorgröße eine Rolle: Je größer der Sensor, desto später tritt das Rauschen auf. Und die Kameras werden proportional zur Sensorgröße teurer.

Warum überhaupt gerauscht wird

Der Grund ist unangenehm einfach: Licht kommt nicht als gleichmäßiger Strom an, sondern in Portionen. Auf einen hell beleuchteten Bildpunkt fallen in derselben Zeit sehr viele davon, auf einen dunklen wenige – und wo wenige ankommen, fällt die zufällige Schwankung ins Gewicht. Genau das seht ihr als Körnung.

Daraus folgen zwei Dinge, die man sich merken sollte.

Der ISO-Wert erzeugt das Rauschen nicht. Er verstärkt nur, was der Sensor ohnehin aufgezeichnet hat – und verstärkt dabei die Schwankung mit. Die eigentliche Ursache ist zu wenig Licht.

Deshalb rauscht dasselbe Bild bei ISO 3200 im Sonnenlicht anders als bei ISO 3200 nachts. Nicht die Zahl entscheidet, sondern wie viel Licht auf den Sensor gefallen ist. Wer hell belichtet und die ISO hochdreht, bekommt ein saubereres Bild als wer dunkel belichtet und später aufhellt.

Wo die Grenze liegt

Zahlen dazu sind heikel, weil jede Kamera anders ist und weil es davon abhängt, wie groß das Bild am Ende zu sehen ist. Als grobe Orientierung, ab wann ich bei Vollformat anfange, genauer hinzusehen:

ISOworan man es merkt
bis 800nichts zu sehen, auch bei voller Vergrößerung nicht
1600–3200Körnung in dunklen Flächen, im Druck unauffällig
6400sichtbar, Farben in den Schatten werden fleckig
darübereine Entscheidung, kein Automatismus – das Bild muss es wert sein

Bei APS-C liegt jede Zeile etwa eine Stufe tiefer, bei Micro Four Thirds zwei.

Eine Eigenheit, die kaum jemand kennt: Viele Sensoren haben nicht eine, sondern zwei Grundempfindlichkeiten. Ab einem bestimmten Wert – je nach Modell irgendwo zwischen ISO 400 und 1600 – schaltet die Kamera intern auf eine zweite Verstärkerstufe um, und das Rauschen fällt dort ab, statt zu steigen. Wer viel im Dunkeln fotografiert, sollte diesen Punkt für seine Kamera kennen: Er steht in den Messungen der einschlägigen Testseiten, und ein Bild knapp darüber ist sauberer als eines knapp darunter.

Kurz gefasst Ein höherer ISO verschafft euch Spielraum bei Blende und Verschlusszeit. Er bezahlt diesen Spielraum mit Bildqualität – und mit nichts sonst.

Wie man ihn in der Praxis setzt

Daraus folgt eine einfache Regel: Der ISO ist der letzte Wert, den ihr anfasst. Stellt ihn so niedrig ein, wie es das Licht erlaubt, und erhöht ihn erst, wenn Blende und Zeit allein nicht mehr reichen.

Konkret heißt das:

  1. Blende nach der gewünschten Schärfentiefe wählen.
  2. Prüfen, welche Belichtungszeit dabei herauskommt. Als Faustregel gilt: Die Zeit sollte mindestens so kurz sein wie der Kehrwert der Brennweite – bei 50 mm also 1/50 s, bei 200 mm 1/200 s.
  3. Wird die Zeit länger als das, erst dann den ISO erhöhen.

Ein rauschendes, aber scharfes Bild ist fast immer besser als ein sauberes, aber verwackeltes. Rauschen kann man später noch mildern; Verwacklung nicht.

Wie sich das über die ganze Blendenreihe verhält, zeigt diese Leiter: Erst wandert das Licht in die Zeit, und erst wenn die aus der Hand nicht mehr sicher ist, springt die Empfindlichkeit.

BlendeZeitISOwas sich im Bild ändert
ƒ/1,41/1000100Hintergrund löst sich auf
ƒ/21/500100Hintergrund löst sich auf
ƒ/2,81/250100ausgeglichen
ƒ/41/125100Ausgangswert
ƒ/5,61/60100ausgeglichen
ƒ/81/60200vorn und hinten scharf
ƒ/111/60400scharf durchgezeichnet, dafür sichtbares Rauschen
ƒ/161/60800scharf durchgezeichnet, dafür sichtbares Rauschen
ƒ/221/601600scharf durchgezeichnet, dafür sichtbares Rauschen
Von ƒ/5,6 an ist die Zeit am Anschlag – ab dort zahlt die ISO-Zahl die Rechnung. Genau so entscheidet auch die Automatik.

Die ISO-Automatik richtig einstellen

Die meisten Kameras bieten eine ISO-Automatik mit Obergrenze. Das ist der beste Kompromiss für den Alltag: Ihr sagt der Kamera, bis wohin sie gehen darf, und sie bleibt darunter, solange es geht.

Der Wert, den fast alle übersehen, steht im selben Menü: die kürzeste Zeit, ab der die Automatik den ISO anheben soll. Ohne sie lässt euch die Kamera in 1/15 Sekunde laufen, bevor sie den ISO anfasst – und dann ist das Bild sauber und unscharf. Drei Einstellungen, die im Alltag tragen:

SituationObergrenzeMindestzeit
Landschaft, Stativ400egal
Kinder, Feier, drinnen64001/125 s
Bühne, Tanzfläche128001/250 s

Sucht euch diese beiden Werte einmal in Ruhe, und ihr müsst den ISO danach monatelang nicht mehr anfassen.

Zwei Irrtümer

„Ich belichte lieber dunkel und helle später auf." Das ist derselbe Handel, nur mit weniger Kontrolle: Aufhellen verstärkt genau die Schatten, in denen das Rauschen sitzt. Wer die Wahl hat, belichtet lieber gleich hell genug – siehe Histogramm lesen.

„Rauschen kann man ja wegrechnen." Bis zu einem gewissen Grad ja, und die Programme sind darin inzwischen erstaunlich gut. Was sie nicht zurückholen können, ist Zeichnung, die nie aufgezeichnet wurde. Feines Haar, Stoffstruktur, Laub in der Ferne – das wird glatt, und glatt sieht schlechter aus als körnig. Mehr dazu unter Rauschreduzierung.

Übung

Dunkelt einen Raum ab und macht Kunstlicht an. Fotografiert eine Person, die sich bewegt – jemand, der einen Arm hebt, ein Kind, das läuft.

Versucht zuerst, bei ISO 100 ein Bild ohne Bewegungsunschärfe zu bekommen. Das wird nicht gelingen. Erhöht dann schrittweise, bis die Bewegung eingefroren ist, und schaut euch an, welchen Preis ihr dafür bezahlt habt.

Genau dieser Punkt – der höchste ISO, den ihr für dieses Bild noch akzeptabel findet – ist die Grenze, die ihr in der ISO-Automatik eintragen solltet.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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