
„Tierfotografie“ fasst drei Dinge zusammen, die in der Praxis wenig miteinander zu tun haben: das eigene Tier zu Hause, ein Tier hinter Glas oder Gitter, und ein Tier, das nichts von euch wissen will.
Die Technik ist ähnlich. Die Schwierigkeit ist jedes Mal eine andere.
Was in allen drei Fällen gilt
Scharfe Augen. Bei einem Tier gilt dasselbe wie beim Menschen: Sind die Augen unscharf, ist das Bild verloren, egal wie gut der Rest sitzt. Die Augenerkennung moderner Kameras funktioniert bei Hunden, Katzen und Vögeln inzwischen gut – mehr dazu unter Autofokus-Modi.
Auf Augenhöhe. Ein Bild von oben auf einen Hund zeigt einen Rücken. Auf Augenhöhe zeigt es ein Gegenüber. Bei kleinen Tieren heißt das: auf den Boden legen.
Kurze Zeiten. Tiere bewegen sich schneller, als man erwartet, und meist im falschen Moment. 1/500 Sekunde ist die untere Grenze für ein ruhiges Tier, 1/1000 für ein aufmerksames, 1/2000 für ein rennendes.
Das eigene Tier
Die Schwierigkeit ist nicht das Tier, sondern das Licht. Wohnzimmer sind dunkel, und der eingebaute Blitz macht aus jedem Hund ein Tier mit leuchtenden Augen.
Der Ablauf, der zuverlässig funktioniert:
- Ans Fenster. Ein großes Fenster ist die beste Lichtquelle, die ihr zu Hause habt. Das Tier seitlich dazu, nicht mit dem Rücken davor.
- Deckenlicht aus. Sonst mischen sich zwei Lichtfarben, und die Haut oder das Fell bekommen einen Stich – siehe Weißabgleich.
- Offene Blende. ƒ/1.8 bis ƒ/2.8. Das bringt Licht und trennt das Tier vom Wohnzimmerhintergrund.
- Auf den Boden. Immer.
- Warten statt rufen. Wer ruft, bekommt ein aufmerksames Tier, das in die Kamera starrt. Wer wartet, bekommt das Tier, wie es ist.
Ein zweiter Mensch, der das Tier beschäftigt, ist bei Hunden mehr wert als jedes Zubehör.
Mehr dazu unter Haustiere fotografieren.
Im Zoo
Hier ist das Problem sichtbar: Gitter, Glas, Beton, Publikum.
Gitter verschwinden lassen. Das geht wirklich, und es ist der nützlichste Trick des ganzen Genres. Voraussetzung: möglichst nah an das Gitter heran – die Frontlinse fast dagegen –, lange Brennweite, offene Blende, und das Tier weit dahinter. Das Gitter liegt dann so weit außerhalb der Schärfe, dass es sich zu einem gleichmäßigen Schleier auflöst.
Nicht funktionieren wird es, wenn Sonne direkt auf das Gitter fällt oder wenn das Tier unmittelbar dahinter steht.
Durch Scheiben fotografieren. Objektiv direkt an das Glas, am besten mit einer Gummi-Streulichtblende. Sonst spiegelt sich der ganze Raum. Ein Polfilter hilft nur schräg zur Scheibe, und schräg gibt es die stärksten Spiegelungen.
Den Hintergrund ausschließen. Beton, Absperrungen, ein Kiosk – sie machen aus einem Tierbild ein Zoobild. Ein enger Ausschnitt oder eine tiefe Perspektive gegen Bäume oder Himmel löst das meiste.
Und eine Ehrlichkeit gehört dazu: Ein Zoobild, das so tut, als sei es in freier Wildbahn entstanden, ist eine kleine Lüge. Wer es veröffentlicht, sollte dazuschreiben, wo es entstand.
Das Wildtier
Hier geht es weniger um Technik als um Verhalten und Zeit. Das steht ausführlich unter Naturfotografie – die wichtigsten Punkte in Kürze:
- Dämmerung, nicht Mittag.
- Immer dieselbe Stelle, immer wieder.
- Abstand halten. Ändert das Tier sein Verhalten, seid ihr zu nah.
- Kein Füttern, kein Anlocken, keine Nester.
Einstellungen, die man vorbereiten kann
Tiere warten nicht. Deshalb lohnt es sich, die Kamera vorher einzustellen und nicht im Moment des Geschehens zu suchen.
| Haustier drinnen | Zoo | Wildtier | |
|---|---|---|---|
| Modus | A / Av | A / Av | M mit Auto-ISO |
| Blende | ƒ/1.8–2.8 | offen | offen bis ƒ/5.6 |
| Zeit | ab 1/250 s | ab 1/500 s | ab 1/1000 s |
| ISO | automatisch, Grenze hoch | automatisch | automatisch |
| Autofokus | Nachführung, Augenerkennung | Nachführung | Nachführung |
| Antrieb | Einzelbild | Serie | Serie |
Die Kombination aus manuellem Modus und automatischem ISO ist bei Tieren besonders praktisch: Ihr legt Zeit und Blende fest – die beiden Werte, die über das Bild entscheiden – und die Kamera regelt die Helligkeit.
Was ein Tierbild von einem Tierfoto unterscheidet
Ein Tier, das etwas tut. Ein Blick, der irgendwohin geht. Eine Beziehung im Bild – zwei Tiere, ein Tier und ein Mensch, ein Tier und sein Ort.
Das reine Belegfoto – Tier steht, schaut in die Kamera, formatfüllend – hat jeder. Es wird auch durch ein besseres Objektiv nicht interessanter.
Übung
Fotografiert euer eigenes Tier oder eines aus der Nachbarschaft an einem Nachmittag zwanzig Minuten lang, aber nur aus einer einzigen Höhe: mit dem Kinn auf dem Boden.
Das ist unbequem und sieht albern aus. Die Bilder werden trotzdem besser als alles, was ihr im Stehen bekommt.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
Hochzeitsfotografie auf skidan.deFotokurse