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Grundlagen

Die ersten 30 Tage mit der neuen Kamera – ein Übungsplan

Wer alles auf einmal lernen will, lernt nichts. Vier Wochen mit je einer einzigen Aufgabe bringen mehr als ein Jahr Ausprobieren.

Einstieg3 Min.·Vitali Skidan·

Eine neue Kamera hat zweihundert Menüpunkte, und die Anleitung erklärt sie alle gleich wichtig. Das ist der Grund, warum so viele nach drei Wochen wieder auf Automatik stehen.

Dieser Plan macht es andersherum. Vier Wochen, je eine Sache. Nichts anderes. Alles, was nicht drankommt, bleibt auf Automatik – das ist ausdrücklich erlaubt.

Woche 1 – nur die Blende

Stellt die Kamera auf A beziehungsweise Av. ISO auf Automatik mit Obergrenze. Sonst nichts anfassen.

Eure einzige Aufgabe: Vor jedem Bild entscheiden, wie viel scharf sein soll. Viel Schärfentiefe oder wenig – und dann die Blende danach setzen.

  • Macht ein Portrait bei der offensten Blende, die euer Objektiv hergibt.
  • Macht dasselbe Portrait bei ƒ/11.
  • Macht eine Landschaft bei ƒ/8 und eine bei Offenblende.

Am Ende der Woche solltet ihr die Blendenzahl nennen können, bevor ihr das Bild macht. Mehr nicht.

Zum Nachlesen: Die Blende verstehen

Woche 2 – nur die Zeit

Umschalten auf S beziehungsweise Tv. Die Blende überlasst ihr jetzt der Kamera.

Aufgabe: Bewegung bewusst einfrieren oder zeigen.

  • Etwas Bewegtes bei 1/1000 s – eingefroren.
  • Dasselbe bei 1/30 s – verwischt.
  • Fließendes Wasser bei 1/500 s und bei 1/4 s. Für das zweite braucht ihr eine Auflage; eine Mauer genügt.

Und ein Test, der wehtut, aber viel bringt: Fotografiert bei 1/15 s aus der Hand und schaut euch die Bilder zu Hause in voller Größe an. Ihr werdet verstehen, warum die Faustregel existiert.

Zum Nachlesen: Verschlusszeit

Woche 3 – nur das Licht

Diese Woche gibt es keine neue Einstellung. Zurück auf A, und die ganze Aufmerksamkeit geht auf das Licht.

Vor jedem Bild drei Fragen: Woher kommt es? Hart oder weich? Warm oder kühl?

  • Fotografiert dieselbe Person morgens, mittags und eine Stunde vor Sonnenuntergang.
  • Fotografiert einmal mit dem Licht im Rücken der Person und einmal im Rücken der Kamera.
  • Sucht euch ein Nordfenster und macht dort ein Portrait ohne jedes andere Licht.

Diese Woche fühlt sich am wenigsten nach Fortschritt an und bringt am meisten.

Zum Nachlesen: Licht lesen lernen

Woche 4 – nur der Bildaufbau

Wieder keine neue Einstellung. Diesmal geht es um den Ausschnitt.

  • Zehn Bilder von einem einzigen Motiv, ohne den Ort zu wechseln. Jedes Mal genau eine Sache ändern.
  • Ein Bild, bei dem eine Linie zum Motiv führt.
  • Ein Bild aus der Froschperspektive und dasselbe aus der Vogelperspektive.
  • Ein Bild, bei dem etwas im Vordergrund einen Rahmen bildet.

Und bei jedem einzelnen: zwei Sekunden auf den Hintergrund schauen, bevor ihr auslöst.

Zum Nachlesen: Bildaufbau und Perspektive

Warum eine Sache pro Woche Wer Blende, Zeit, ISO, Licht und Bildaufbau gleichzeitig bedenkt, denkt bei keinem davon zu Ende – und drückt am Ende doch auf Automatik. Vier Dinge nacheinander sitzen nach einem Monat. Alle vier gleichzeitig sitzen nach einem Jahr nicht.

Was ihr danach könnt

Nach vier Wochen könnt ihr in A und S arbeiten, wisst, was der ISO kostet, seht Licht, bevor ihr die Kamera hebt, und räumt euren Hintergrund auf.

Das ist mehr, als die meisten Leute mit ihrer Kamera je erreichen – und es reicht für praktisch jede Alltagssituation.

Was danach kommt, ist Feinschliff: der manuelle Modus, die Messmethoden, der entfesselte Blitz, die Bildbearbeitung. Alles davon ist leichter, wenn die ersten vier Wochen sitzen.

Ein Rat zum Schluss

Macht die Übungen mit einem Motiv, das euch egal ist. Der eigene Sohn, die eigene Hochzeit, die einmalige Reise sind schlechte Übungsobjekte – dort will man Ergebnisse, nicht Erkenntnisse.

Übt an einer Kaffeetasse, an einem Baum vor der Tür, an einem geduldigen Freund. Und hebt euch die wichtigen Motive für den Tag auf, an dem ihr nicht mehr nachdenken müsst.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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