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Grundlagen

Das Belichtungsdreieck: Blende, Zeit und ISO im Zusammenspiel

Drei Regler, die dasselbe tun und dabei drei verschiedene Bilder ergeben. Wer versteht, was sie einander abnehmen, hört auf zu raten.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·
Erster Tanz: ƒ/1.8, 1/125 s, ISO 6400. Alle drei Werte am Anschlag – mehr gibt die Situation nicht her.
ƒ/1.8 · 1/125 s · ISO 6400 · 85 mmErster Tanz: ƒ/1.8, 1/125 s, ISO 6400. Alle drei Werte am Anschlag – mehr gibt die Situation nicht her.

Ein charmant belichtetes Bild hat dunkle und helle Bereiche, die weder ins Weiße noch ins Schwarze abrutschen. Dazwischen liegen alle Farbtöne und Helligkeitsstufen, und zusammen ergeben sie ein kontrastreiches Bild.

Nur bieten viele Motive das gar nicht an. Manche haben schlicht keine hellen oder dunklen Bereiche. Andere bestehen aus beidem gleichzeitig – ein dunkler Wald, durch den der helle Himmel scheint. Das können die meisten Kameras nicht mehr in einem Bild unterbringen, und es entsteht eine Fehlbelichtung. Man muss sich dann entscheiden: Wald richtig belichtet und Himmel ausgefressen, oder Himmel richtig und Wald abgesoffen.

Worauf ich hinauswill, ist die Frage dahinter: Welche Größen bestimmen eigentlich die Belichtung eines Fotos? Genau genommen sind es drei.

Die drei Regler

Die Blende ist ein Ring im Objektiv, der sich öffnen und schließen lässt. Je weiter er geöffnet ist, desto mehr Licht kommt in derselben Zeit auf den Sensor. Nebenbei bestimmt sie, wie viel vom Bild scharf wird.

Die Verschlusszeit legt fest, wie lange Licht auf den Sensor fällt. Das reicht von einer Tausendstelsekunde bis zu mehreren Minuten. Nebenbei entscheidet sie, ob Bewegung eingefroren wird oder verwischt.

Der ISO-Wert bestimmt, wie empfindlich der Sensor auf das vorhandene Licht reagiert. Er ist der einzige der drei, der keinen gestalterischen Effekt hat – nur einen unerwünschten: Bildrauschen.

Diese drei bilden zusammen das Belichtungsdreieck.

Warum es ein Dreieck ist

Der entscheidende Punkt ist nicht, dass es drei Regler gibt. Er ist, dass sie sich gegenseitig ausgleichen.

BlendeZeitISOwas sich im Bild ändert
ƒ/1,41/1000100Hintergrund löst sich auf
ƒ/21/500100Hintergrund löst sich auf
ƒ/2,81/250100ausgeglichen
ƒ/41/125100Ausgangswert
ƒ/5,61/60100ausgeglichen
ƒ/81/60200vorn und hinten scharf
ƒ/111/60400scharf durchgezeichnet, dafür sichtbares Rauschen
ƒ/161/60800scharf durchgezeichnet, dafür sichtbares Rauschen
ƒ/221/601600scharf durchgezeichnet, dafür sichtbares Rauschen
Alle sechs Zeilen ergeben dasselbe Maß an Licht – Lichtwert 11.

Ein Beispielmotiv wäre mit diesen Werten richtig belichtet:

ISOBelichtungszeitBlende
1001/100 sƒ/8

Ändert man nun einen davon um eine Stufe – die Blende etwa auf ƒ/11 –, muss man einen der beiden anderen ebenfalls um eine Stufe verändern, um dieselbe Helligkeit zu bekommen. In diesem Fall die Belichtungszeit auf 1/50 s.

Am Ende stehen zwei richtig belichtete Fotos. Aber sie sehen nicht gleich aus: Durch die geschlossenere Blende ist beim zweiten mehr scharf. Genau diesen Effekt kann man gezielt einsetzen, sobald das Prinzip einmal sitzt.

Das ist der ganze Trick. Die Kamera fragt nicht, welches Bild du willst – sie rechnet nur, bis die Helligkeit stimmt. Welche der drei Stellschrauben sie dafür benutzt, ist ihr gleichgültig. Dir nicht.

Warum die Vollautomatik daran scheitert

Die Vollautomatik ermöglicht es, schnell ein Bild zu machen. Gelegentlich ist das sinnvoll. Der optimale Weg ist es nicht, und der Grund liegt genau hier.

Fotografierst du ein Motiv in Bewegung, weiß die Kamera nicht, ob man die Bewegung sehen soll oder ob du sie einfrieren willst. Sie weiß auch nicht, wie viel Schärfentiefe du brauchst. Du fotografierst ein Portrait und danach eine Gruppe: Beim Portrait willst du wahrscheinlich einen verschwommenen Hintergrund, bei der Gruppe sollen alle scharf sein. Vielleicht willst du aber auch eine einzelne Person aus der Gruppe durch Unschärfe freistellen.

Eine Automatik zu sein ist nicht einfach – und sie wird sehr häufig nicht das Ergebnis liefern, das du im Kopf hattest.

Kurz gefasst Die Belichtung besteht aus drei Größen: Blende, Verschlusszeit und ISO. Jede kann das ausgleichen, was eine andere weggenommen hat – aber jede hinterlässt dabei eine andere Spur im Bild.

Die Reihenfolge in der Praxis

Im Kurs empfehle ich, immer bei derselben Frage anzufangen: Was soll das Bild zeigen?

  1. Kommt es auf die Schärfentiefe an – Portrait, Freistellen, eine Gruppe, die durchgehend scharf sein soll –, dann setzt du zuerst die Blende und lässt die Kamera die Zeit rechnen. Das ist der Modus A beziehungsweise Av.
  2. Kommt es auf die Bewegung an – Sport, spielende Kinder, ein Wasserfall –, dann setzt du zuerst die Zeit. Das ist der Modus S beziehungsweise Tv.
  3. Den ISO stellst du so niedrig ein, wie es das Licht erlaubt, und erhöhst ihn erst, wenn Blende und Zeit allein nicht mehr reichen.

Der ISO ist bewusst der letzte in dieser Reihe. Er ist der einzige, der nichts gestaltet, sondern nur Qualität kostet.

Übung

Stell die Kamera auf den manuellen Modus. Wähle Blende ƒ/4, Verschlusszeit 1/250 s und ISO 100. Mach ein Bild – es wird mit ziemlicher Sicherheit zu hell oder zu dunkel sein.

Jetzt korrigiere, und zwar bewusst: Überlege dir vorher, welchen der drei Werte du anfasst und warum gerade den. Mach ein zweites Bild mit derselben Helligkeit, aber einem anderen Weg dorthin. Vergleicht sie nebeneinander.

Wenn ihr seht, warum sich die beiden Bilder unterscheiden, obwohl beide richtig belichtet sind, dann habt ihr das Dreieck verstanden.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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