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Grundlagen

Die Blende verstehen – was ƒ/1.8 wirklich bedeutet

Der Ring im Objektiv steuert zwei Dinge gleichzeitig: wie hell das Bild wird und wie viel davon scharf ist. Und die Zahlen laufen verkehrt herum.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·
Dasselbe Motiv, dieselbe Blende, etwas weiter weg – schon ist mehr vom Hintergrund lesbar.
ƒ/2.8 · 1/250 s · ISO 2000 · 70 mm (105 mm KB)Dasselbe Motiv, dieselbe Blende, etwas weiter weg – schon ist mehr vom Hintergrund lesbar.

Die Blende ist ein Ring im Objektiv, der sich öffnen und schließen lässt. Stellt euch einen Wasserhahn vor, bei dem das Licht das Wasser ist: Je weiter er aufgedreht ist, desto mehr fließt in derselben Zeit hindurch.

Das ist die eine Hälfte. Die andere, wichtigere: Die Blende bestimmt gleichzeitig, wie viel vom Bild scharf wird. Deshalb ist sie der Regler, an dem die meisten zuerst drehen sollten.

ƒ/1,4
ƒ/2,8
ƒ/4
ƒ/8
ƒ/16
ƒ/22
offen · wenig Schärfentiefe · viel Lichtgeschlossen · viel Schärfentiefe · wenig Licht

Warum die Zahlen verkehrt herum laufen

Von einer Offenblende spricht man, je kleiner die Zahl ist. ƒ/1.4 ist also viel weiter geöffnet als ƒ/22. Das ist für Anfänger oft verwirrend, und es hilft, den Grund zu kennen: Die Zahl ist keine Größe, sondern ein Verhältnis – die Brennweite geteilt durch den Durchmesser der Öffnung. Steht eine 2 unter dem Bruchstrich, ist die Öffnung halb so groß wie die Brennweite. Bei 22 ist sie ein Zweiundzwanzigstel.

Ein Bruch mit größerem Nenner ergibt eine kleinere Zahl. Genau das passiert hier, nur schreibt man das ƒ und den Bruchstrich meistens nicht mit.

Die übliche Reihe sieht so aus:

BlendeÖffnungWirkung
ƒ/1.4 – ƒ/2.8weit offenwenig scharf, viel Licht
ƒ/4 – ƒ/8mittelder Alltagsbereich
ƒ/11 – ƒ/22geschlossenfast alles scharf, wenig Licht

Von einer Stufe zur nächsten halbiert oder verdoppelt sich die Lichtmenge. Was die Blende dabei wegnimmt, muss die Verschlusszeit oder der ISO wieder zugeben – das ist das Belichtungsdreieck.

Was die Blende mit der Schärfe macht

Neben der Helligkeit beeinflusst die Blende die sogenannte Schärfentiefe: den Bereich im Foto, der scharf dargestellt wird.

Man setzt sie gerne ein, um ein Motiv vom Hintergrund freizustellen. Das Motiv ist scharf abgebildet, der Hintergrund nur noch verschwommen zu sehen. Diesen unscharfen Bereich nennt man Bokeh, und es gibt viele Fotografen, die stehen maximal darauf. Besonders bei Portraits und Tieraufnahmen wird der Effekt gerne genutzt.

Je weiter die Blende geöffnet ist, desto schmaler wird der scharfe Bereich. Bei ƒ/1.4 und einem Portrait aus zwei Metern kann das so wenig sein, dass die Augen scharf sind und die Ohren schon nicht mehr.

Kurz gefasst Kleine Zahl = weit offen = wenig Schärfentiefe = viel Licht. Große Zahl = geschlossen = viel Schärfentiefe = wenig Licht.

Was ein lichtstarkes Objektiv kostet

Die kleinste erreichbare Blendenzahl steht auf jedem Objektiv. Je kleiner dieser Wert, desto teurer wird es – und zwar überproportional.

Steht dort ein einzelner Wert wie ƒ/1.8, handelt es sich um eine Festbrennweite. Stehen zwei da, etwa ƒ/3.5–5.6, ist es ein Zoom, und die Werte bedeuten: Bei der kleinsten Brennweite bekommt ihr ƒ/3.5, bei der größten nur noch ƒ/5.6. Je weiter ihr zoomt, desto lichtschwächer wird das Objektiv.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein 24–70 mm mit durchgehend ƒ/2.8 kostet selbst von einem Fremdhersteller schnell 800 Euro aufwärts. Eine 35-mm-Festbrennweite mit ƒ/1.8 gibt es für einen Bruchteil davon – und sie ist dabei noch fast eine Blendenstufe lichtstärker.

Wann braucht man das wirklich? Bei einem Familienfest in Innenräumen, wo nur Kunstlicht verfügbar ist, seid ihr mit einem ƒ/5.6-Zoom schnell an dem Punkt, wo das Bild entweder verrauscht ist, weil der ISO hochmuss, oder unscharf, weil die Verschlusszeit zu lang wird. Eine Blende mehr entscheidet dort zwischen brauchbarem Bild und keinem Bild.

In welchem Modus stellt man sie ein

Direkt einstellen könnt ihr die Blende in zwei Modi: M (manuell) und A beziehungsweise Av (Blendenvorwahl). Bei A gebt ihr die Blende vor und die Kamera rechnet die passende Belichtungszeit dazu – für die meisten Situationen ist das der richtige Weg.

Die Gefahr dabei: Die Kamera wählt womöglich eine Belichtungszeit, bei der die Bilder verwackeln. Habt also immer ein Auge darauf, welche Zeit sie nimmt. Wird sie zu lang, braucht ihr ein Stativ, einen Blitz oder einen höheren ISO.

Übung

Wählt für diese Aufgabe M oder A.

Sucht euch ein Motiv, bei dem ihr viel Schärfentiefe wollt – eine Landschaft, eine Gruppe, eine Häuserzeile. Macht ein Bild, bei dem von vorne bis hinten alles scharf ist.

Sucht euch dann ein Motiv, bei dem ihr wenig wollt – ein Portrait, eine Blume, ein Gegenstand auf einem unruhigen Tisch. Macht ein Bild, in dem nur dieses eine Ding scharf ist.

Und dann der eigentliche Punkt: Fotografiert dasselbe Motiv einmal bei Offenblende und einmal bei ƒ/11, und schaut euch an, was mit dem Hintergrund passiert. Nicht mit der Helligkeit – die gleicht die Kamera aus. Mit dem Hintergrund.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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