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Fotografie-Arten

Produktfotografie: verkaufsfähige Bilder ohne Studio

Ein Fenster, ein Stück Karton und eine Stunde Zeit reichen für Bilder, die in jedem Shop bestehen. Der Aufwand steckt in der Sorgfalt, nicht in der Ausrüstung.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·
Gleichmäßiges weiches Licht, offene Blende, ruhiger Grund – dasselbe Rezept wie am Fenstertisch.
ƒ/1.8 · 1/1000 s · ISO 100 · 35 mmGleichmäßiges weiches Licht, offene Blende, ruhiger Grund – dasselbe Rezept wie am Fenstertisch.

Produktfotografie ist die Disziplin mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis. Das Motiv läuft nicht weg, beschwert sich nicht und sieht immer gleich aus. Wenn ein Bild nicht funktioniert, könnt ihr es beliebig oft wiederholen.

Was gebraucht wird, ist erstaunlich wenig – und was fehlt, ist meistens Sorgfalt statt Technik.

Der Aufbau am Fenster

Für die meisten Produkte reicht das hier:

  1. Ein Tisch neben einem Fenster, in das keine direkte Sonne fällt.
  2. Ein weißer Karton oder Bogen Papier, hinter und unter dem Produkt in einem sanften Bogen – das ergibt einen Hintergrund ohne sichtbare Kante.
  3. Ein zweiter weißer Karton gegenüber dem Fenster als Reflektor.
  4. Ein Stativ, damit alle Bilder einer Serie identisch sind.

Das war es. Wer öfter fotografiert, kauft irgendwann eine Lichtzeltbox für wenig Geld – sie macht dasselbe, nur bequemer.

Die Einstellungen

Blende ƒ/8 bis ƒ/11. Anders als beim Portrait wollt ihr hier Schärfe von vorne bis hinten. Ein Produkt, dessen Rückseite unscharf ist, wirkt nicht edel, sondern fehlerhaft.

ISO auf den niedrigsten Wert, Zeit egal – das Stativ erledigt das.

Manueller Fokus oder Einzelfokus. Und danach nicht mehr anfassen.

Weißabgleich fest, nicht auf Automatik. Bei einer Serie muss jedes Bild dieselbe Farbe haben.

Fernauslöser oder Selbstauslöser, damit die Kamera nicht wackelt.

Ein Detail, das viele übersehen: Fotografiert auf Produkthöhe, nicht von oben. Ein Objekt von schräg oben sieht aus wie auf dem Küchentisch. Auf Augenhöhe des Produkts sieht es aus wie in einem Katalog.

Das häufigste Problem: Reflexe

Alles, was glänzt – Glas, Metall, lackiertes Holz, Verpackungsfolie – spiegelt die Umgebung. Und die Umgebung ist meistens ein Zimmer mit Fenstern, Lampen und einem Fotografen darin.

Was hilft:

  • Die Lichtquelle vergrößern. Ein großes, weiches Licht spiegelt sich als gleichmäßige Fläche statt als kleiner heller Punkt. Ein Bettlaken vor dem Fenster wirkt Wunder.
  • Den Winkel ändern. Reflexe wandern, das Produkt nicht. Ein paar Zentimeter zur Seite lösen oft das ganze Problem.
  • Einen Polfilter. Er nimmt Reflexionen von nicht-metallischen Oberflächen und ist bei Verpackungen und lackierten Flächen erstaunlich wirksam.
  • Sich selbst wegräumen. Bei stark spiegelnden Objekten steht ihr im Bild. Ein Stück schwarzer Karton mit einem Loch für das Objektiv löst das.
Kurz gefasst Große weiche Lichtquelle, Blende zu, Stativ, feste Einstellungen. Und dann Zeit auf die Reflexe verwenden – dort entscheidet sich, ob es professionell aussieht.

Weiß freistellen

Für Shops ist oft ein reinweißer Hintergrund gefordert. Der Fehler ist, das erst am Rechner lösen zu wollen.

Besser gleich bei der Aufnahme: Wenn der Hintergrundkarton deutlich heller belichtet ist als das Produkt – etwa eine bis zwei Blendenstufen –, läuft er von selbst weiß aus. Das erreicht man, indem man den Abstand zwischen Produkt und Hintergrund vergrößert und den Hintergrund zusätzlich Licht abbekommen lässt.

Was am Rechner bleibt, ist Feinarbeit statt Ausschneiden. Siehe Freistellen.

Vorsicht bei weißen Produkten auf Weiß: Dort braucht ihr eine sichtbare Kante, sonst verschwindet das Produkt. Ein leichter Schatten oder ein dunkler Reflektor an einer Seite löst das.

Was ein Produktbild verkaufsfähig macht

Technisch saubere Bilder sind die Voraussetzung, nicht das Ziel. Was Käufer tatsächlich sehen wollen:

Alle Seiten. Vorne, hinten, Detail, Anschlüsse, Unterseite. Eine Serie schlägt ein perfektes Einzelbild.

Größenverhältnis. Ein Gegenstand ohne Bezug ist ohne Größe. Eine Hand, ein bekanntes Objekt daneben, oder ein Bild in Benutzung.

Details, die Qualität zeigen. Die Naht, das Material, die Verarbeitung. Dafür lohnt sich eine Nahaufnahme.

Konsistenz. Bei mehreren Produkten müssen alle Bilder gleich aussehen – gleicher Winkel, gleiche Größe im Rahmen, gleiche Farbe. Das ist der Grund für Stativ und feste Einstellungen.

Das Farbproblem

Wenn ein Käufer einen blauen Pullover bestellt und ein türkisfarbener ankommt, gibt es eine Rücksendung. Farbtreue ist bei Produktfotografie kein Schönheitsthema, sondern ein wirtschaftliches.

Was hilft:

  • Weißabgleich über eine Graukarte setzen, nicht nach Gefühl.
  • Einen kalibrierten Monitor benutzen – siehe Monitor kalibrieren.
  • Eine Farbkarte mit ins erste Bild legen und sie später wegschneiden. So lässt sich jederzeit nachprüfen, ob die Farbe stimmt.

Übung

Sucht euch einen einzelnen Gegenstand – eine Tasse, eine Uhr, eine Flasche.

Baut den Fensteraufbau von oben auf und macht fünf Bilder: von vorne, von schräg, ein Detail, eines mit Hand für die Größe, und eines, bei dem der Hintergrund reinweiß ausläuft.

Danach schaut euch die fünf an und fragt euch, ob ihr das Ding auf Basis dieser Bilder kaufen würdet. Was fehlt, ist genau das, was ihr beim nächsten Mal mitfotografiert.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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