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Grundlagen

M, A, S, P – welcher Kameramodus wann?

Vier Buchstaben auf dem Rad, und keiner davon heißt richtig oder falsch. Sie unterscheiden sich nur darin, welche Entscheidung ihr abgebt.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Das Ziel dieses Blogs ist nicht, dass ihr nie wieder eine Automatik benutzt. Es ist, dass ihr die Wahl habt, welche ihr benutzt – und dafür muss man wissen, was die vier Buchstaben eigentlich unterscheidet.

Sie unterscheiden sich in genau einer Frage: Welche der drei Größen des Belichtungsdreiecks gebt ihr vor, und welche rechnet die Kamera?

ModusIhr wähltDie Kamera rechnet
Pnichts davonBlende und Zeit
A / Avdie Blendedie Zeit
S / Tvdie Zeitdie Blende
Mallesnichts

Den ISO könnt ihr in allen vier Modi getrennt vorgeben oder der Automatik überlassen.

P – Programmautomatik

Ein vollautomatischer Modus. Im Vergleich zum reinen Auto-Programm habt ihr aber ein paar nützliche Möglichkeiten: Ihr könnt den Blitz manuell steuern oder den ISO vorgeben beziehungsweise nach oben begrenzen. Die Kamera errechnet dann die restlichen Werte.

Wofür: Schnappschüsse, wenn man nicht lange nachdenken will oder kann.

A oder Av – Blendenvorwahl

„A“ steht für Aperture Priority, auf Deutsch Blendenvorwahl. Ihr gebt die gewünschte Blende vor, die Kamera errechnet die passende Belichtungszeit.

Das ist der Modus, in dem die meisten Bilder entstehen – weil die Schärfentiefe die Entscheidung ist, die man am häufigsten treffen will. Je kleiner der eingestellte Blendenwert, desto offener die Blende und desto kleiner der scharfe Bereich.

Die Gefahr: Die Zeiten können in einen Bereich rutschen, in dem die Bilder verwackeln. Habt also immer ein Auge darauf, welche Zeit die Kamera wählt. Wird sie zu lang, braucht ihr ein Stativ, einen Blitz – oder ihr erhöht den ISO, mit dem bekannten Preis.

Wofür: Portraits, Architektur, Makro, Tabletop, Stillleben, aber auch Landschaft.

S oder Tv – Verschlussvorwahl

„S“ steht für Shutter Priority. Ihr stellt die Belichtungszeit ein, die Kamera wählt die passende Blende.

Damit bestimmt ihr, wie Bewegung im Bild festgehalten wird. Lange Zeiten führen zu verwischten und – gewollt – unscharfen Abbildungen bewegter Motive, sehr kurze frieren die Bewegung ein.

Wofür: Sport vor allem. Kurze Zeiten frieren Fußballer knackscharf ein. Beim Motorsport neigt man zu etwas längeren Zeiten und zieht die Kamera mit dem Fahrzeug mit – das Auto wird scharf, die Räder unscharf.

M – manuell

„M“ ist eigentlich kein Belichtungsprogramm im engeren Sinne. Hier bestimmt ihr als Fotograf alle Einstellungen selbst: Blende, ISO und Zeit.

BlendeZeitISOwas sich im Bild ändert
ƒ/1,41/1000100Hintergrund löst sich auf
ƒ/21/500100Hintergrund löst sich auf
ƒ/2,81/250100ausgeglichen
ƒ/41/125100Ausgangswert
ƒ/5,61/60100ausgeglichen
ƒ/81/60200vorn und hinten scharf
ƒ/111/60400scharf durchgezeichnet, dafür sichtbares Rauschen
ƒ/161/60800scharf durchgezeichnet, dafür sichtbares Rauschen
ƒ/221/601600scharf durchgezeichnet, dafür sichtbares Rauschen
In M wählt ihr die Zeile selbst. Die Kamera schlägt keine vor – sie zeigt nur an, ob ihr auf der Leiter steht oder daneben.

Dieser Modus eignet sich nicht, um mal eben einen Schnappschuss zu machen. Es sei denn, man hat wirklich viel Erfahrung – und selbst dann wird oft die Zeit knapp.

Wofür: Ich selbst nutze ihn gerne bei Nachtaufnahmen. Ich stelle den ISO so niedrig wie möglich ein, wähle eine Blende und spiele dann mit der Zeit, bis mir das Ergebnis gefällt. In diesem Modus braucht ihr meistens etwas mehr Zeit, besonders am Anfang.

Der zweite Fall für M ist konstantes Licht: im Studio, oder wenn ihr eine Serie von Bildern mit exakt gleicher Belichtung braucht. Jede Automatik würde dort von Bild zu Bild leicht anders entscheiden.

Kurz gefasst Kommt es auf die Schärfentiefe an, nehmt A. Kommt es auf die Bewegung an, nehmt S. Braucht ihr über mehrere Bilder hinweg dieselbe Belichtung, nehmt M. P ist für den Moment, in dem keines davon zählt.

Warum die Vollautomatik das nicht kann

Fotografiert ihr ein Motiv in Bewegung, weiß die Kamera nicht, ob man die Bewegung sehen soll oder ob ihr sie einfrieren wollt. Sie weiß auch nicht, wie viel Schärfentiefe ihr braucht.

Ihr fotografiert ein Portrait und danach eine Gruppe: Beim Portrait wollt ihr wahrscheinlich einen verschwommenen Hintergrund, bei der Gruppe sollen alle scharf sein. Vielleicht wollt ihr aber auch eine einzelne Person aus der Gruppe durch Unschärfe freistellen.

Eine Automatik zu sein ist nicht einfach – und sie wird häufig nicht das Ergebnis liefern, das ihr im Kopf hattet.

Übung

Stellt auf A. Fotografiert dasselbe Motiv bei Offenblende und bei ƒ/11, und achtet darauf, welche Zeit die Kamera jeweils wählt. Ihr seht das Dreieck bei der Arbeit.

Stellt dann auf S und macht dasselbe mit zwei sehr verschiedenen Zeiten. Beobachtet, wie die Blende hinterherzieht – und wann sie nicht mehr kann, weil das Objektiv am Anschlag ist. Genau an diesem Punkt braucht ihr den ISO.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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