Tipps und Tricks

Die Wirkung von Farben als psychologisches Stilmittel in der Fotografie

Unsere Welt und das nächste Umfeld unseres Alltags ist bunt und farbenfroh. Genau das sollte sich in der Fotografie widerspiegeln. Und damit diese im Endeffekt genauso dargestellt werden, wie sie auch mit unseren Sinnen wahrgenommen werden, muss in der Kamera der Weißabgleich richtig eingestellt werden. Denn auch wenn die Fotos später am PC in eine schwarz-weiß Bearbeitung umgesetzt werden, müssen vorher die Farben für die individuellen Grautöne exakt festgelegt werden. Weitere Optionen der Bildbearbeitung bietet das Farbmanagement. Doch die unterschiedlichen Colourtöne repräsentieren viel mehr als bloße Einstellungen. Denn sie alle haben eine ganz unterschiedliche psychologische Wirkung, die beim Fotografieren genutzt werden sollten.

Goethes Farbenkreis als Modell

Johann Wolfgang von Goethe hat sich viel mit der Farbenlehre beschäftigt und dabei auch Aussagen zur Wirkung von Farben festgehalten. Der Farbenkreis dient zu Symbolisierung des menschlichen Geistes- und Seelenlebens, nannte er sein Modell eines Farbenkreises, in dem er einzelnen Farben durchaus menschliche Eigenschaften zuwies. Eine erste Aufteilung sieht einen äußeren Ring vor, der einen inneren Ring umfasst. Für den äußeren steht rot bzw. gelbrot für die menschliche Vernunft, während gelb/grün für den menschlichen Verstand und grün/blau für die Sinnlichkeit steht. Letztendlich rundet blautrot/rot als Indikator für Phantasie den Kreis ab. Im inneren Ring geht es mehr um die Zuweisung bestimmter Eigenschaften für den jeweiligen Farbton. Dazu wird

  • rot dem Prädikat schön
  • gelbrot der Eigenschaft edel
  • gelb der Eigenschaft gut
  • grün der Nützlichkeit sowie
  • blau der Gemeinheit und
  • Blaurot der Unnötigkeit

zugeördnet. Wem die Lektüre der Farbenlehre von Goethe zu aufwändig ist, der findet viele weitere interessante Lektüre, die sich mit der Wirkung und der Psychologie der Farben au den Menschen beschäftigt. Hierüber gewisse Fakten und Tatsachen zu kennen, bereichert nicht nur den Alltag und den Zugang zu gewissen Lebensbereichen wie die Gestaltung von Innenräumen, die Mode im Alltag und weitere Aspekte, sondern auch die Fotografie. Denn auch wenn eine zielgerichtete Bearbeitung einzelner Aufnahmen im Bereich des Farbenspektrums oft ein gewünschtes Ergebnis erzielt, kann der Fotograf bei der Aufnahme bereits einiges bewusst einsetzen oder auswählen.

Wie die einzelnen Farben auf den Menschen wirken

Ein lesenswertes Buch, das zugleich tiefe Einblicke in die Farbpsychologie gibt, ist der Titel “Wie Farben wirken” von Eva Heller. Diese Autorin ist vielen als Urheberin bekannter Bestseller wie “Beim nächsten Mann wird alles anders” ein Begriff. Doch sie ist auch Soziologin und Psychologin und hat zum bereits genannten Buchtitel über die Farblehre eine umfassende Befragung durchgeführt. Im Zentrum standen dabei Fragen wie “Welcher Farbton wird mit Altmodischen, Angeberei oder Zuverlässigkeit in Zusammenhang gebracht?”. Die Antworten wurden von der fachlich versierten Autorin analysiert und in einen sehr unterhaltsamen und dennoch informativen Text verpackt, der Aufschluss gibt über die Wirkung und individuelle Bedeutung von Farben. Unter anderem wird auch erklärt, woher Redewendungen in Bezug auf Farbtöne stammen. So etwa wird darauf eingegangen, warum Personen “blau machen”, wenn sie ohne Grund der Schule oder der Arbeit fernbleiben. Auch interessant ist die Antwort auf die Frage nach der Lieblingsfarbe der Deutschen oder welchen Ton sie am meisten ablehnen.

Positives und negatives Spektrum jedes Farbtons

Eine sehr spannende Thematik ist, dass jede Farbe immer gleichzeitig mit einer negativen aber auch positiven Wirkung in Verbindung gebracht wird. Unter anderem steht Schwarz sowohl für die Eleganz und die Magie, als auch für das Böse und die Brutalität bzw. die Macht. Weiß wird mit der Ehrlichkeit und Klugheit bzw. der Wahrheit gleich gesetzt, allerdings auch für das Sterile und Künstliche. Gelb wiederum symbolisiert auf der positiven Seite den Optimismus und das Glück bzw. die Pracht und den Genuss, während es im negativen Aspekt die Eifersucht und den Geiz oder den Stolz darstellt. Der Farbton Blau steht für die Freundschaft und Harmonie, aber auch Stille und das Erfrischende. Immerhin ist mit dieser Farbe das Wasser, der Himmel und die Luft gemeint. Damit wird aber auch klar, dass der negative Aspekt die Kälte und farbpsychologisch die Lüge stehen kann. Grün ist Symbol der Natur und steht damit für das Angenehme, die Erholung, aber auch die Ruhe und die Hoffnung. Im negativen Sinn wird es mit dem Bitteren und Giftigen bzw. dem Herben assoziiert, womit auch hier wieder Pflanzen, Auswüchse und Gefahren der Natur im Blickpunkt stehen. Und dann ist da noch die Farbe Rot, die allgemein bekannt für die Freude und Liebe steht, aber auch für die Begierde und die Aktivität im Allgemeinen. Gleichzeitig wird eine aggressive Stimmung sowie der Zorn und das Verbotene damit in Verbindung gebracht. Wer sich Verkehrsschilder ansieht, die meist bei Gefahrenhinweisen ebenfalls rot sind, weiß, dass diese Farbe auch für diesen Aspekt sowie die Hektik und Unruhe steht.

Die meisten, die sich intensiver mit Fotografie oder anderen Themen aus dem Bereich der Farbenpsychologie beschäftigt, wissen, dass es grundsätzlich warme und kalte Farben gibt. Während rot zu den erstgenannten gezählt wird, gehört blau zu den kühlen Tönen. Und genau diese Tatsache sollte sich jeder, der einen Fotoapparat in die Hand nimmt und nutzt, bewusst machen. Spätestens bei der Bildbearbeitung am Computer sollte für ein perfektes Fotoergebnis dieser Aspekt berücksichtigt werden. Im übrigen lässt sich dies auch mit Hilfe des Temperaturreglers in Lightroom die Farbtemperatur abändern und auf das gewünschte Ergebnis am Foto einstellen.

Farben transportieren Stimmungen

Gerade bei Naturaufnahmen spielen Gefühle und Stimmungen eine wichtige Rolle. Es geht nicht vordergründig darum, eine Landschaft mit See, Bergen oder als Darstellung einer bestimmten Jahreszeit naturgetreu abzubilden und festzuhalten. Vielmehr geht es darum, eine Stimmung zu transportieren. Auch wenn das nach dem eigentlichen Akt des Fotografierens am Computer mit Programmen wie Photoshop, Lightroom und anderen durch Veränderung der Farben entstehen kann, sollten Fotografen bereits bei der unmittelbaren Aufnahme auf die Farben achten.

Es gilt als erwiesen, dass das menschliche Gehirn Dinge, die nicht wahrgenommen werden wollen oder sollen, einfach ausblendet. Vielleicht hat sich in diesem Zusammenhang schon der eine oder andere gewundert, dass auf einer Aufnahme plötzlich ein Verkehrsschild mit dem Stopp-Hinweis zu sehen war. Während er die Aufnahme direkt vor Ort gemacht hat, hat er dies aus seiner jetzigen Sicht nicht gesehen. Wer beim Fotografieren jedoch auf die Farben achtet, wird auch gegebenenfalls das Stopp-Schild wahrnehmen. Und dann reicht schon ein kleiner Schritt auf die Seite nach links oder rechts, um den rote Störfaktor nicht auf das Bild zu bannen.

Die Wirkung von Farben nutzen

Dass Farben eine psychologische Wirkung haben, ist einfach unbestritten. Und das sollten Fotografen sich für ihre Aufnahmen zu Herzen nehmen. Es gibt weitere Situationen, in denen die Wirkung der Farben auf den menschlichen Geist eine Rolle spielen. So ist es in manchen Firmen untersagt, dass Angestellte, die Kundenkontakt haben, rote Kleidung tragen. Immerhin steht diese Farbe für Aggressivität. Wie wichtig die perfekte Farbwahl für Fotoaufnahmen generell ist, wurde bereits beschrieben. Doch auch für Fotos, die Eingang in Bewerbungsunterlagen finden, gelten diese Regeln. Wer sich als Kindergärtnerin bewirbt, sollte eher nicht auf Schwarz oder Blau setzen. Umgekehrt sind knallige Farben für den Job als Rechtsanwalt oder Bankkaufmann eher ungeeignet. Hier steht die Diskretion und Zuverlässigkeit im Focus, weshalb gediegene Farben wie Blau, Braun oder Grau gefragt sind.

Haben Sie auch schon einmal das Gefühl gehabt, sich in Kleidung der falschen Farbe wiederzufinden? Oder sind Sie auch nach Lesen dieses Artikels der Überzeugung, dass Farben und ihre Wirkung auf andere komplett unwesentlich füreinander sind? Welche Meinung zur Farblehre, ob von Goethe oder Eva Heller haben Sie?

Bildquelle: pixabay.com
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Ein Kommentar

  1. Hallo lieber Micha,
    das ist ein wirklich interessanter Beitrag. Du erklärst hier fundiert und sachlich etwas, was viele nur als
    subjektives Thema empfinden. Mich würde interessieren, wie sich die Wirkung von Farben verändert, wenn sie
    in Form von Kontrasten verwendet werden. Weißt du mehr darüber?
    Liebe Grüße, Felix von der AdPoint GmbH

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