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Fotografie als Beruf

Selbstständig machen als Fotograf – die vollständige Checkliste

Die Reihenfolge ist wichtiger als die einzelnen Punkte. Wer zuerst die Ausrüstung kauft und dann über Preise nachdenkt, hat schon verloren.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Es gibt zwei Wege, mit Fotografie Geld zu verdienen. Der eine beginnt mit der Ausrüstung, der andere mit den Kunden. Der erste ist der teurere.

Diese Liste ist deshalb nach Reihenfolge sortiert, nicht nach Wichtigkeit.

Keine Rechts- oder Steuerberatung Der Text zeigt, welche Fragen sich stellen und wo sie hingehören. Für die verbindlichen Antworten braucht es Steuerberatung und im Zweifel anwaltliche Hilfe – beides ist billiger als der erste größere Fehler.

Vor der Anmeldung

1. Klärt, was ihr verkauft. Nicht „Fotografie“, sondern konkret: Hochzeiten, Portraits für Bewerbungen, Produktbilder für Onlineshops, Bilder für Unternehmen. Wer alles anbietet, wird für nichts gebucht.

2. Rechnet einmal ehrlich durch, was ihr braucht. Nicht was ihr nehmen wollt, sondern was ihr verlangen müsst, um davon zu leben. Die meisten unterschätzen das um den Faktor zwei bis drei. Siehe Preise kalkulieren.

3. Baut ein Portfolio, bevor ihr Kunden sucht. Zwanzig gute Bilder in einer klaren Handschrift schlagen zweihundert gemischte. Wie das ohne Kunden geht, steht unter Portfolio aufbauen.

4. Prüft, ob ihr nebenberuflich anfangen könnt. Der mit Abstand häufigste Fehler ist der Sprung ins kalte Wasser mit laufenden Kosten. Nebenberuflich lernt man dasselbe, nur ohne existenziellen Druck.

Die Anmeldung

5. Gewerbe oder Freiberuf klären. Handwerksmäßige Fotografie ist ein Gewerbe, künstlerische Fotografie kann freiberuflich sein. Die Abgrenzung ist nicht trivial und hat Folgen für Gewerbesteuer und Kammermitgliedschaft. Ausführlich: Muss ein Fotograf ein Gewerbe anmelden?

6. Handwerksrolle prüfen. Das Fotografenhandwerk steht in der Anlage B der Handwerksordnung – es ist zulassungsfrei, aber die Eintragung in die Handwerksrolle kann in Betracht kommen. Die Handwerkskammer sagt euch, was für euren Fall gilt.

7. Steuernummer beantragen. Über den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt. Dort entscheidet ihr auch über die Kleinunternehmerregelung.

8. Kleinunternehmerregelung abwägen. Unter bestimmten Umsatzgrenzen könnt ihr auf den Ausweis von Umsatzsteuer verzichten. Das vereinfacht die Buchhaltung – kostet aber den Vorsteuerabzug, was bei größeren Anschaffungen ins Gewicht fällt. Bei überwiegend privaten Kunden meist sinnvoll, bei Geschäftskunden meist nicht.

Absichern

9. Berufshaftpflicht. Die wichtigste Versicherung. Sie zahlt, wenn ihr fremdes Eigentum beschädigt oder jemand über euer Stativ stolpert. Ohne sie sollte niemand einen bezahlten Auftrag annehmen.

10. Ausrüstung versichern. Die Hausratversicherung deckt gewerblich genutzte Ausrüstung in der Regel nicht – und außerhalb der Wohnung schon gar nicht. Siehe Ausrüstung versichern.

11. Künstlersozialkasse prüfen. Wer überwiegend künstlerisch oder publizistisch tätig ist, kann aufgenommen werden. Die KSK übernimmt den Arbeitgeberanteil zur Kranken- und Rentenversicherung – das ist bares Geld. Siehe Künstlersozialkasse.

12. Krankenversicherung klären. Als Selbstständiger zahlt ihr sie vollständig selbst, sofern die KSK nicht greift. Diese Position wird in Kalkulationen am häufigsten vergessen.

Rechtliches

13. Verträge und AGB. Was ist geschuldet, wie viele Bilder, bis wann, was kostet ein Ausfall, wem gehören welche Nutzungsrechte? Siehe Vertrag und AGB.

14. Nutzungsrechte verstehen. Das Urheberrecht bleibt bei euch; verkauft werden Nutzungsrechte. Wer pauschal „alle Rechte“ abtritt, verschenkt seine Substanz. Siehe Urheberrecht an Fotos.

15. Model Releases vorbereiten. Für alles, was ins Portfolio oder in die Werbung soll. Siehe Model Release.

16. Impressum und Datenschutzerklärung. Pflicht für jede geschäftliche Website. Und die Datenschutzerklärung muss zu dem passen, was die Seite tatsächlich tut – nicht zu einem Muster aus dem Netz.

Der Betrieb

17. Buchhaltung von Anfang an. Jeden Beleg, jede Rechnung, von Tag eins. Wer das erste Jahr im Schuhkarton sammelt, zahlt die Aufräumarbeit doppelt.

18. Rücklagen für Steuern. Ein Drittel jeder Einnahme beiseitelegen. Die erste Steuernachzahlung nach einem guten Jahr hat schon viele umgeworfen.

19. Ein Konto trennen. Ein separates Geschäftskonto macht die Buchhaltung um ein Vielfaches einfacher.

20. Datensicherung. Ein verlorener Hochzeitsauftrag ist ein Haftungsfall – und ein Reputationsschaden, den man nicht mehr einholt. Siehe Bilder archivieren.

Was ich nach fünfzehn Jahren anders machen würde

Früher nein sagen. Aufträge, bei denen das Bauchgefühl nicht stimmt, werden nicht besser. Sie kosten Zeit, Nerven und am Ende meistens Geld.

Weniger Ausrüstung, mehr Weiterbildung. Jeder Euro, den ich in Lernen gesteckt habe, hat mehr gebracht als jeder Euro in Technik. Und das gilt auch umgekehrt: Der Grund, warum ich heute Kurse gebe, ist, dass mir jemand am Anfang etwas beigebracht hat.

Preise früher erhöhen. Wer zu billig anfängt, hat Kunden, die den Preis gewählt haben und nicht die Arbeit. Diese Kunden wachsen nicht mit.

Ordentliche Verträge von Anfang an. Der eine Streitfall, der irgendwann kommt, kostet mehr als zehn Jahre Anwaltskosten für Musterverträge.

Der ehrlichste Rat

Fangt nebenberuflich an, und nehmt die ersten Aufträge als Zweitfotograf bei jemandem, der es kann. Siehe Als Zweitfotograf anfangen.

Ihr lernt dabei drei Dinge, die in keinem Kurs stehen: wie ein Tag wirklich abläuft, wie man mit Kunden umgeht, wenn etwas schiefgeht, und ob euch dieser Beruf überhaupt liegt.

Die letzte Frage ist die wichtigste – und sie beantwortet sich nicht am Schreibtisch.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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