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Fotografie als Beruf

Portfolio aufbauen, wenn man noch keine Kunden hat

Das Henne-Ei-Problem des Anfangs: Ohne Aufträge keine Bilder, ohne Bilder keine Aufträge. Es gibt fünf Wege heraus.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Jeder fängt mit demselben Problem an: Kunden wollen sehen, was ihr könnt. Zeigen könnt ihr nur, was ihr gemacht habt. Und gemacht habt ihr noch nichts, weil euch niemand gebucht hat.

Das löst sich nicht durch Warten. Es löst sich dadurch, dass ihr die Bilder macht, die ihr zeigen wollt – auch ohne Auftrag.

Der Grundsatz

Euer Portfolio bestimmt, wofür ihr gebucht werdet.

Das klingt trivial und wird ständig missachtet. Wer zwanzig Landschaften und drei Portraits zeigt, wird für Landschaften angefragt. Wer alles zeigt, wird für nichts angefragt, weil niemand erkennt, wofür ihr steht.

Daraus folgt die unbequeme Regel: Zeigt nur, was ihr machen wollt. Auch wenn ihr etwas anderes besser könnt.

Fünf Wege zu den ersten Bildern

1. Menschen aus dem Umfeld. Freunde, Familie, Kollegen. Der naheliegende Weg – mit einem Haken: Bilder von Menschen, die euch vertrauen, sehen anders aus als Bilder von Fremden. Kunden merken das. Trotzdem der beste Anfang.

2. Zweitfotograf sein. Der wirksamste Weg überhaupt. Ihr lauft bei jemandem mit, der gebucht ist, lernt den echten Ablauf und dürft – nach Absprache – eigene Bilder ins Portfolio nehmen. Siehe Als Zweitfotograf anfangen.

3. Zusammenarbeit auf Gegenseitigkeit. Andere am Anfang ihrer Laufbahn brauchen dasselbe wie ihr: Visagistinnen, Stylisten, Modelagenturen, Floristinnen, Konditoreien. Alle wollen Bilder für ihr eigenes Portfolio. Klärt vorher schriftlich, wer was verwenden darf.

4. Eigene Projekte. Eine Serie über ein Thema, das euch interessiert. Das ist der Weg, der am meisten über euch aussagt – und der einzige, bei dem ihr niemanden fragen müsst.

5. Vereine und Kultur. Ein Sportverein, eine Theatergruppe, ein Stadtteilfest. Ihr bekommt Zugang und Praxis, sie bekommen Bilder. Für Reportage und Sport der beste Einstieg.

Wovon ich abrate

Unbezahlt für Unternehmen arbeiten. Wer für eine Firma kostenlos fotografiert, hat keinen Portfoliobeitrag geleistet, sondern einen Preis gesetzt – den, den dieser Kunde künftig erwartet.

Der Unterschied zu Punkt 3 oben ist wesentlich: Dort tauschen zwei Leute am Anfang ihrer Laufbahn Leistung gegen Leistung. Bei einem etablierten Unternehmen ist es einfach nur unbezahlte Arbeit.

Fotowettbewerbe mit Rechteabtretung. Lest die Teilnahmebedingungen. Manche sichern sich unbefristete, weltweite Nutzungsrechte an allen Einsendungen.

Wie viele Bilder

Zwanzig bis dreißig. Nicht mehr.

Der häufigste Fehler ist, alles zu zeigen, was halbwegs gelungen ist. Ein Portfolio wird aber nicht an seinen besten Bildern gemessen, sondern an seinen schwächsten – sie ziehen den Eindruck nach unten.

Der Test, den ich empfehle: Legt eure Auswahl weg und schaut sie eine Woche später wieder an. Bei jedem Bild fragt ihr: Würde ich einen Auftrag ablehnen wollen, der so aussieht wie dieses Bild? Wenn ja, fliegt es raus.

Reihenfolge zählt

Die ersten drei Bilder entscheiden, ob jemand weiterschaut.

Ein bewährter Aufbau: Starkes Bild am Anfang. Dann Abwechslung in Nähe, Format, Licht. Ein starkes Bild am Ende, damit der letzte Eindruck sitzt.

Und: Nicht zwei ähnliche Bilder nebeneinander. Zwei Portraits derselben Person hintereinander lassen beide schwächer wirken.

Kurz gefasst Zwanzig bis dreißig Bilder, alle aus dem Bereich, in dem ihr arbeiten wollt, in bewusster Reihenfolge. Und lieber fünf zu wenig als eines zu viel.

Wo es hingehört

Eine eigene Website. Das ist das Portfolio, das euch gehört. Instagram kann den Zugang ändern, die Reichweite drosseln oder das Konto sperren – die eigene Domain nicht. Siehe Die eigene Website.

Soziale Netzwerke als Zubringer, nicht als Zuhause. Sie sind gut, um gefunden zu werden, und schlecht, um beurteilt zu werden – dort sieht niemand eine Serie, sondern einzelne Bilder im Vorbeiscrollen.

Gedruckt, wenn ihr persönliche Termine habt. Ein gutes Fotobuch auf dem Tisch wirkt anders als ein Tablet. Für Hochzeitspaare und Firmenkunden lohnt sich das.

Wann ihr es überarbeiten solltet

Mindestens einmal im Jahr. Und zwar konsequent: Ein Bild kommt nur rein, wenn ein anderes rausfliegt.

Das hält die Zahl stabil und zwingt zur Ehrlichkeit. Wer nur hinzufügt, hat nach drei Jahren achtzig Bilder, von denen die Hälfte nicht mehr zeigt, was er heute kann.

Der Punkt, den man leicht übersieht

Ein Portfolio zeigt nicht nur Bilder, sondern eine Handschrift. Jemand, der zwanzig eurer Bilder sieht, sollte danach sagen können, was euch interessiert.

Das entsteht nicht durch einen Preset-Look, sondern durch wiederkehrende Entscheidungen: welche Nähe ihr sucht, welches Licht ihr mögt, worauf ihr achtet, wenn Menschen im Bild sind.

Wer eine Handschrift hat, wird dafür gebucht – und nicht mehr über den Preis verglichen. Das ist der eigentliche Zweck der ganzen Übung.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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