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Bildbearbeitung

Bilder archivieren: Ordnerstruktur, Schlagworte, Backup

Die meisten Bilder gehen nicht durch Festplattenschäden verloren, sondern weil niemand sie wiederfindet. Beides lässt sich mit einer Stunde Arbeit lösen.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Es gibt zwei Arten, Bilder zu verlieren. Die eine ist laut: Die Festplatte geht kaputt, und alles ist weg. Die andere ist leise: Die Bilder sind noch da, aber niemand findet sie mehr.

Die zweite ist die häufigere.

Eine Ordnerstruktur, die trägt

Der Streit zwischen „nach Datum“ und „nach Thema“ lässt sich einfach auflösen: Ordner nach Datum, Wiederfinden über Schlagworte.

Der Grund: Ein Bild hat genau ein Aufnahmedatum, aber mehrere Themen. Wer nach Themen ablegt, muss sich bei jedem Bild entscheiden – und findet es später unter der anderen Kategorie nicht.

Eine Struktur, die sich bewährt hat:

Fotos/
  2026/
    2026-08-14 Hochzeit Meier/
    2026-08-22 Bamberg Altstadt/
    2026-09-03 Familie Garten/
  2025/
    ...

Das Datum voranzustellen sorgt dafür, dass die Sortierung von selbst stimmt. Der Zusatz dahinter macht den Ordner ohne Programm lesbar – und das ist der Punkt: Die Struktur muss auch ohne Software funktionieren. In zwanzig Jahren gibt es euer Programm womöglich nicht mehr; die Ordner gibt es noch.

Dateinamen

Die Namen aus der Kamera (DSC_4821.NEF) haben zwei Probleme: Sie wiederholen sich, sobald der Zähler überläuft, und sie sagen nichts.

Beim Import umbenennen lohnt sich:

2026-08-14_Hochzeit-Meier_0042.NEF

Damit ist jede Datei eindeutig, auch wenn sie einmal aus ihrem Ordner herausfällt. Lightroom, Darktable und die meisten Importprogramme können das automatisch.

Schlagworte

Hier liegt der eigentliche Hebel fürs Wiederfinden – und die Kunst besteht darin, es nicht zu übertreiben.

Wenige, konsequente Schlagworte schlagen viele unregelmäßige. Ein System, das mit fünf Kategorien auskommt:

  • Wer – Namen der abgebildeten Personen
  • Wo – Ort, Stadt, Land
  • Was – Anlass oder Thema: Hochzeit, Portrait, Landschaft
  • Bewertung – Sterne für die Auswahl
  • Status – bearbeitet, geliefert, veröffentlicht

Wichtig: Schreibt Schlagworte in die Dateien, nicht nur in die Datenbank eures Programms. Bei JPEG und TIFF geht das direkt in die IPTC-Felder, bei RAW in eine begleitende XMP-Datei. Dann überleben sie einen Programmwechsel.

Und tragt gleich beim Import den Urhebervermerk ein – Name, Kontakt, Copyright-Hinweis. Das ist euer Nachweis, wenn ein Bild irgendwo auftaucht, siehe Urheberrecht.

Was ihr aufheben solltet

Eine ehrliche Antwort: nicht alles.

Von einer Hochzeit mit 2.000 Auslösungen behalte ich die RAWs der gelieferten Bilder plus eine Auswahl, die es nicht in die Lieferung geschafft hat. Der Rest – Fehlbelichtungen, geschlossene Augen, dreifach dasselbe – wird gelöscht.

Ein Archiv, das alles enthält, enthält nichts Auffindbares.

Was bleiben sollte:

  • die RAW-Dateien der ausgewählten Bilder
  • die fertigen JPEGs in voller Auflösung
  • bei aufwendiger Bearbeitung die Ebenendatei
  • der Katalog beziehungsweise die XMP-Dateien
Kurz gefasst Ordner nach Datum, Namen mit Datum, Schlagworte in die Datei statt nur in die Datenbank – und beherzt aussortieren. Ein Archiv ohne Auswahl ist ein Datengrab.

Die 3-2-1-Regel

Der Standard für Sicherungen, und er ist einfach zu merken:

Drei Kopien der Daten. Auf zwei verschiedenen Medien. Eine davon außer Haus.

Praktisch könnte das so aussehen:

  1. Die Arbeitskopie auf der internen Festplatte.
  2. Eine automatische Sicherung auf eine externe Festplatte oder ein NAS.
  3. Eine Kopie außer Haus – Cloud-Speicher, oder eine zweite Festplatte bei Eltern oder im Büro.

Warum die dritte außer Haus muss: Feuer, Wasser, Einbruch. Zwei Festplatten im selben Zimmer sind eine Kopie, nicht zwei.

Was oft schiefgeht

Die Sicherung wird nie geprüft. Eine Sicherung, aus der noch nie etwas zurückgeholt wurde, ist eine Vermutung. Holt einmal im Jahr ein paar Dateien zurück und schaut, ob sie sich öffnen lassen.

Synchronisation wird für Sicherung gehalten. Wenn ihr eine Datei löscht, löscht der Synchronisationsdienst sie auch – auf allen Geräten. Das ist keine Sicherung, sondern eine Spiegelung des Fehlers. Achtet auf Dienste mit Versionsverlauf.

RAID wird für Sicherung gehalten. Ein RAID schützt gegen den Ausfall einer Platte, nicht gegen Löschen, Diebstahl oder Verschlüsselungstrojaner.

Der Lightroom-Katalog wird vergessen. Er enthält alle Bearbeitungen. Geht er verloren, sind die Bilder noch da, aber die Arbeit ist weg.

Formate für die lange Sicht

Ein Punkt, der erst nach Jahren wichtig wird: RAW-Formate sind herstellerspezifisch, und alte Formate werden irgendwann nicht mehr unterstützt.

Zwei Wege damit umzugehen:

Nichts tun und darauf setzen, dass Konverter verfügbar bleiben. Für die gängigen Formate der großen Hersteller ist das eine vernünftige Annahme.

In DNG umwandeln, ein offen dokumentiertes RAW-Format. Kostet einmalig Zeit und etwas Speicher, macht die Dateien aber unabhängig vom Hersteller.

Und unabhängig davon: Von den wirklich wichtigen Bildern gehört ein hochauflösendes JPEG oder TIFF ins Archiv. Diese Formate wird man in dreißig Jahren noch lesen können.

Der Anfang

Wenn das alles nach viel klingt: Fangt mit einer Sache an.

Die wirksamste Einzelmaßnahme ist die zweite Kopie auf einer externen Festplatte. Sie kostet unter hundert Euro und verhindert den Totalverlust. Alles andere – Schlagworte, Struktur, Cloud – könnt ihr nachziehen.

Was ihr nicht nachziehen könnt, sind Bilder, die es nicht mehr gibt.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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