Sportfotografie – Das Spiel mit der Bewegung

Sportfotografie - Mountainbiker

Bildquelle: Oliver Roggenbuck

Die Jagd mit der Kamera

Staunend beobachten ambitionierte Fotografen bei Sportveranstaltungen die Profis. Da blitzen Rohre unmittelbar am Rand des Geschehens, wovon die meisten Amateure nur träumen. Aufnahmestandorte, die nur akkreditierten Berufsfotografen vorbehalten sind, umgeben von einem umfangreichen Equipment. Sportfotografie ist ausschließlich eine Domäne für Berufsfotografen, ist die weit gefasste Meinung. Fotos von Siegen und von entscheidenden Toren eines Spieles sind es, die in der Fachpresse gezeigt werden. Der Weg dorthin hat auch für Profis ganz unten, als Amateur, angefangen.

Der Reiz der Sportfotografie

Ein Sportfoto spiegelt die Atmosphäre eines Wettkampfes und den persönlichen Einsatz des Akteurs wieder. Es zeigt Konzentration, Kraft und Tempo, Glück und Freude nach dem Sieg. Das ist aber nur die eine Seite. Die andere besteht aus Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und Enttäuschung. Den richtigen Augenblick zu erfassen ist das Geheimnis der Sportfotografie. Das angespannte Gesicht des Kunstturmspringers auf dem höchsten Punkt seines Sprungs, den konzentrierten Blick des Golfspielers im Augenblick des Ausholens, den Stabhochspringer in dem Moment, in dem er über der Latte zu schweben scheint. Demgegenüber stehen die technischen Voraussetzungen des Fotografen, um diese Situationen festzuhalten. Schlechte Lichtverhältnisse, schnelle Bewegungen oder die Position des Fotografen begrenzen die Möglichkeiten der Bildidee. Der erfahrene Sportfotograf kann seine Ziele durch

  • lichtstarke Objektive mit einer Blendöffnung von 2,8
  • grosse Brennweiten von 200 bis 400 Millimetern
  • schnelle Kamerabodys und Speicherkarten für Serienaufnahmen
  • hohe ASA/ISO Werte

erreichen. Körperliche Fitness gehört dazu, denn langes Hocken, Mitziehen der Kamera oder Stundenlanges stehen kann auf Dauer anstrengend sein. Warten auf den entscheidenden Augenblick ist eine Geduldsprobe für Körper und Geist.

Der Fotograf entscheidet – nicht die Kamera

Das Objektiv „sieht“ mehr, als die Bildidee des Fotografen es möchte. Das vom Verstand geleitete Auge sieht selektiv. Es sieht subjektiv und bemerkt nur, was der Verstand sehen möchte. Im Gegensatz dazu sieht die Kamera unterschiedslos, sieht „objektiv“ und registriert alles, was in ihrem Blickfeld vorhanden ist. Das ist die Erklärung, warum so viele Fotos mit unwichtigen Dingen angefüllt sind. Technisches Verständnis und die Erkenntnis, wie Blende, Zeit und Brennweite zusammenhängen, sind die elementaren Grundlagen. Dazu zählt die Sicherheit, eine Kamera auch bei den schlechtesten Lichtverhältnissen „blind“ zu bedienen. Dabei spielt es keine Rolle, welcher Technik, welcher Firmenmarke man sich bedient. Versierte Sportfotografen aus dem vergangenen Jahrhundert zeigten mit den einfachen Sucherkameras und Rollfilm eindrucksvolle Fotografien. Denn nicht die Technik macht den Moment aus. Das intuitive Gefühl des Kameramannes drückt im richtigen Augenblick den Auslöser.

Zitat:
„Gebe einem Künstler eine Polaroid-Kamera in die Hand – und es entsteht Kunst.“ – Andy Warhol

Den Charakter der Sportart zeigen

Durch ein grundlegendes Verständnis für die Bildkomposition und der sichere Umgang mit Blende, Zeit und Brennweite, entstehen kreative Fotos. Bei der Sportfotografie entscheiden Bruchteile von Sekunden, um den einzigartigen Charakter der Sportart zu zeigen. Es gehört Erfahrung und Übung dazu. Erfolg und Misserfolg trainieren den Blick für das Wesentliche. Darin liegt die Chance, zu packenden Sportfotos zu kommen. Die Sportler selbst stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses. Dazu benötigt der Kameramann keine Kenntnisse der Spielregeln, sondern lediglich ein hohes Maß an Kreativität und eine gute Beobachtungsgabe. Das Gespür für den kommenden Augenblick. Dann gilt es, rechtzeitig zu reagieren, denn ist die Situation erst einmal da, dann ist es bereits zu spät für Vorbereitungen.

Gerüstet für das Motiv

Fotografen, die verstehen, fotografisch zu sehen, sind wählerisch und ehe sie fotografieren, schalten sie überflüssige Dinge aus: durch einen angemessenen Bildwinkel, entsprechendem Aufnahmeabstand und Wahl der günstigen Objektivbrennweite. Die Brennweite der Augenlinse ist konstant, aber eine Kamera kann mit Objektiven von fast jeder beliebigen Brennweite bestückt werden. Damit ist die Skala der fotografischen Darstellung unbegrenzt. Zusammen mit dem Bildaufbau lässt sich die Aussage des Bildes verändern. Liegt ein Motorrad schräg in der Kurve, so wird auch damit seine Geschwindigkeit dokumentiert. Zentral im Bild angeordnet, kommt Ruhe und Ausgeglichenheit in die Szene – was bei einem Rennen bestimmt nicht zutrifft. Die Dramatik verliert an Reiz. Rückt das Motiv mehr zum Bildrand, so wird durch dieses Übergewicht die Spannung erhöht. Zusätzlich verdichtet ein Teleobjektiv das Geschehen. Eine kleine Blende bei einer kurzen Belichtungszeit friert Bewegung ein. Längere Zeiten von 1/125 Sekunde und das bekannte Mitziehen verwischen den Hintergrund. Die Bewegungsunschärfe konzentriert den Blick des Betrachters auf das Motiv. Visualisierte Aktion.

Auf dem Weg zu besseren Sportfotos

Das Licht und das Objektiv sind die „Pinsel des Fotografen“. Bei Fun-Sportarten unterstützt der Fisheye-Effekt bei Gegenlicht extreme Sportarten. Teleobjektive machen den Fotografen vom Standpunkt unabhängig. Lichtstarke Modelle erlauben Fotos bei ungünstiger Beleuchtung auch ohne Stativ.

Fotografisches Sehen kann man lernen. Aufnahmen anderer Fotografen zu analysieren bringen Aufschlüsse darüber, welchen Reiz das Bild ausmacht. Eine gute Übung ist es, ohne Kamera ein Auge zuzukneifen, um das räumliche Sehen auszuschalten. Gleichzeitiges blinzeln mit dem anderen Auge verdeutlicht den Kontrast und die hell / dunkel Aufteilung der Bildgestaltung.
Ein kompetenter Fotograf überlässt nichts dem Zufall. Programmautomatiken garantieren zwar, dass das Foto nicht misslingt. Gezieltes Freistellen durch geringe Schärfentiefe, Wischeffekte oder Einfrieren von Bewegung, kann die Elektronik jedoch nicht erfassen.

Ungewöhnliche Kamerastandpunkte verstärken die Action im Foto. Eine Remote Kamera schafft den nötigen Spielraum. Es gibt eine Reihe von Remotcontrolern, die über ein Smartphone angesteuert werden. Quadrokopter heben die Kamera in die Luft. Spannende Perspektiven entstehen. Sportfotografie erfordert einen hohen technischen Aufwand. Schnelle Bodys und lichtstarke Objektive sind kostspielig. Aber lieber in ein Objektiv weniger investieren, dafür eines kaufen, das auch in der Zukunft den Ansprüchen des Fotografen genügt.

Die Belichtung, ein wichtiger Faktor

Die Belichtung lässt sich durch den ISO Wert beeinflussen. Das hat allerdings seine Grenzen. Vertretbares digitales Bildrauschen kann unter Umständen die Bildaussage unterstützen. Ab einem ISO Wert von 3200 ASA ist das Rauschen für größere Bildformate jedoch ungeeignet. In den wenigsten Fällen kommen Sportfotos ideal aus der Kamera. Eine Postproduktion ist deshalb notwendig. Den Horizont begradigen, Kontraste steigern, eine leichte Farbkorrektur und den endgültigen Bildausschnitt festlegen sind wichtige Gestaltungsmittel. Grundsätzlich wird die Bildaussage jedoch während der Aufnahme festgelegt.

Der Fotograf sollte sich jedoch nicht nur auf das sportliche Geschehen konzentrieren:  Auch Zusammenhänge rund um den Wettkampf, feiernde Fans, schwankende Fahnen bis hin zu außergewöhnlichen Wetterverhältnissen oder einem entsetzt am Feldrand agierenden Trainer, können Bilder von hohem und einzigartigem Erinnerungseffekt erzeugen. Typische Szenen sind genauso wichtig, wie actiongeladene Zweikampfszenen oder tragische Momente, die sich kein zweites Mal wiederholen werden.

Sportfotografien erfordern daher technisches Know-How ebenso wie konzentriertes und reaktionsschnelles Arbeiten. Ein gut vorbereiteter Sportfotograf fragt sich vor einer Sportveranstaltung, welcher Bildausschnitt geeignet sein könnte, um die Dramatik der Situation bestmöglich zu erfassen. Bei engen Bildausschnitten ist es zwar schwieriger, im richtigen Moment abzudrücken, gleichzeitig ist der Bildeindruck stärker und intensiver für den Betrachter.  Wichtig ist auch die Frage der Perspektive. Ein Feldspiel aus einer ungewohnten Perspektive – beispielsweise von einem benachbarten Haus – zu fotografieren, kann einen zusätzlichen Reiz in die Bildkomposition bringen. Farblich und inhaltlich.

Mit Weitwinkel- oder Fisheye-Objektiven kann ein Motiv im Reitsport aus einem ungewohnten, reizvollen Winkel gezeigt werden. Der Hintergrund wirkt dann ausladend und die Emotionalität des Momentes tritt in den Vordergrund.  Durch kurze Verschlusszeiten kann die Action in schnellen Sportarten wie Turnen oder Schwimmen eingefroren werden. Mittels einer offenen Blende wird das Hauptgeschehen akzentuiert, während der Hintergrund verschwommen bleibt.  Bei Wettläufen, Rad- oder Pferderennen sind sogenannte Mitzieher beliebt. Das Mitziehen der Kamera, etwa bei der Bewegung eines bestimmten Radrennfahrers, ist zwar körperlich sehr anstrengend, ermöglicht gleichzeitig aber einen interessanten, verwischten Fotoeffekt.

Bildquelle: http://www.rund-ums-rad.info/interview-mit-oliver-roggenbuck/
Bildquelle: http://www.roggenbuck-photodesign.de/