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Smartphone-Fotografie

Foto-Apps, die tatsächlich etwas können

Die meisten Foto-Apps sind Filter mit Abo. Vier Kategorien lohnen sich wirklich – und in jeder gibt es etwas Gutes umsonst.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Der App-Store ist voll von Programmen, die aus einem mittelmäßigen Bild ein mittelmäßiges Bild mit Filter machen. Nützlich sind vier Arten von Apps, und in jeder Kategorie gibt es Brauchbares ohne laufende Kosten.

Ich nenne bewusst wenige Namen und mehr Kriterien – Apps kommen und gehen, die Anforderungen bleiben.

1. Eine Kamera-App mit manueller Kontrolle

Die vorinstallierte Kamera ist auf Schnelligkeit optimiert. Wer mehr Kontrolle will, braucht eine App, die drei Dinge kann:

  • ISO und Belichtungszeit von Hand einstellen
  • Fokus manuell setzen
  • RAW aufnehmen (DNG)

Bei vielen Herstellern ist das schon in der Standard-App enthalten, oft unter „Pro“ oder „Experte“ versteckt. Schaut zuerst dort nach, bevor ihr etwas installiert.

Wofür ihr das braucht: Langzeitbelichtungen, Nachtaufnahmen mit Stativ, schwieriges Licht, und alles, wo die Automatik konsequent falsch entscheidet.

Ob RAW auf dem Handy sinnvoll ist, steht unter RAW am Smartphone.

2. Eine Bearbeitungs-App

Hier ist die Auswahl groß und die Qualität sehr unterschiedlich. Worauf es ankommt:

Selektive Bearbeitung. Der wichtigste Punkt. Eine App, die nur globale Regler hat, kann weniger als die Fotos-App eures Telefons. Gute Apps erlauben, einen Bereich zu markieren und nur dort zu arbeiten.

Gradationskurve. Wer sie hat, hat echte Kontrolle über den Kontrast.

Keine Wasserzeichen in der kostenlosen Version.

Kein Upload auf fremde Server für die Bearbeitung.

Zwei, die diese Kriterien erfüllen und nichts kosten:

Snapseed – kostenlos, ohne Konto, mit sehr guten selektiven Werkzeugen und einem Bearbeitungsverlauf, in dem sich jeder Schritt nachträglich ändern lässt. Für die meisten die beste Wahl.

Lightroom Mobile – die Grundfunktionen sind kostenlos und decken den kompletten Entwicklungsablauf ab. Wer ohnehin am Rechner mit Lightroom arbeitet, hat dieselben Regler.

3. Etwas zum Aufräumen

Ein unterschätzter Bereich. Wer das Handy als Hauptkamera nutzt, hat nach zwei Jahren zwölftausend Bilder – davon fünfhundert Bildschirmfotos, dreihundert Belege und vierzig Versuche desselben Motivs.

Nützlich sind Apps, die:

  • Duplikate und Serien finden
  • Bildschirmfotos getrennt anzeigen
  • schnelles Durchwischen zum Aussortieren bieten

Eine Stunde damit einmal im Quartal, und die Mediathek bleibt benutzbar. Siehe auch Bilder archivieren.

4. Werkzeuge für bestimmte Aufgaben

Kleine Apps, die genau eine Sache können:

Sonnenstands-Rechner. Zeigen, wann und wo Sonne und Mond auf- und untergehen – teils mit Ansicht über die Kamera. Für Landschaft und für die goldene Stunde sehr praktisch.

Schärfentiefe-Rechner. Für Makro und Landschaft, wenn es genau werden muss. Siehe Schärfentiefe.

Graukarten-App. Zeigt eine definierte Graufläche auf dem Display, gegen die sich der Weißabgleich setzen lässt. Im Notfall besser als schätzen.

Kurz gefasst Eine Kamera-App mit manueller Kontrolle, eine Bearbeitungs-App mit selektiven Werkzeugen, etwas zum Aufräumen. Mehr braucht praktisch niemand.

Was auf dem Handy nicht geht

Drei Dinge, an denen jede App scheitert – nicht aus Faulheit der Entwickler, sondern weil das Gerät sie nicht hergibt:

Verbindliche Farben. Handydisplays sind auf Brillanz getrimmt, nicht auf Richtigkeit, und sie regeln die Helligkeit selbsttätig nach dem Umgebungslicht. Ein Bild, das auf dem Telefon perfekt aussieht, kann gedruckt zu dunkel und zu warm sein. Wer Bilder abgibt oder drucken lässt, entscheidet die Farbe an einem kalibrierten Bildschirm – siehe Monitor kalibrieren.

Schärfen für ein bestimmtes Ziel. Schärfe ist keine Eigenschaft des Bildes, sondern des Ausgabewegs: Ein Abzug braucht mehr davon als ein Bildschirm. Auf dem Handy fehlt die Kontrolle dafür, und die Voreinstellungen sind für Sozialnetze gemacht. Siehe Schärfen.

Ein Stapel Bilder in einem Rutsch. Zweihundert Aufnahmen mit derselben Korrektur zu versehen ist am Rechner eine Minute Arbeit und auf dem Telefon eine Stunde. Wer regelmäßig größere Mengen bearbeitet, spart am Rechner mehr Zeit, als die Software kostet.

Für alles darunter – ein Bild fürs Netz, ein Bild für die Familie, ein Bild in den Chat – ist das Handy vollkommen ausreichend, und der Weg dahin ist kürzer.

Wovon ich abrate

Filter-Apps mit Abo. Ein Look, der bei allen gleich aussieht, für monatliche Gebühr. Wer einen eigenen Look will, baut ihn sich in einer der oben genannten Apps und speichert ihn als Vorlage.

Apps, die Bilder zur Bearbeitung hochladen. Bei allem, was Menschen zeigt, solltet ihr wissen, wo die Datei landet. Lest die Datenschutzhinweise – bei kostenlosen KI-Werkzeugen besonders.

KI-Werkzeuge zum Gesichter-Verschönern. Sie machen alle Gesichter einander ähnlicher. Das fällt beim Einzelbild kaum auf und bei zehn Bildern sofort.

Apps, die alle Berechtigungen wollen. Eine Bearbeitungs-App braucht keinen Zugriff auf Kontakte, Standort und Mikrofon.

Zum Abschluss ein Gedanke

Es ist verlockend, Bildqualität als Software-Problem zu behandeln. Ist sie selten.

Die zehn Griffe aus Besser fotografieren mit dem Handy verbessern eure Bilder mehr als jede App – und sie kosten nichts, brauchen keine Berechtigungen und laufen auf jedem Gerät.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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