Zum Inhalt springen
Smartphone-Fotografie

Besser fotografieren mit dem Handy: zehn Griffe, die sofort wirken

Die beste Kamera ist die, die dabei ist. Was sie kann, hängt weniger vom Modell ab als davon, ob man drei Automatiken abschaltet.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Ein aktuelles Smartphone macht bei gutem Licht Bilder, die vor zehn Jahren eine Kamera gebraucht hätten. Was es nicht kann, ist entscheiden, was auf das Bild soll – und genau dort liegen die meisten schlechten Handybilder.

Zehn Dinge, die sofort etwas verändern, in der Reihenfolge ihrer Wirkung.

1. Die Linse putzen

Klingt banal, ist die häufigste Ursache für flaue Handybilder. Das Objektiv liegt in der Hosentasche und wird ständig angefasst. Ein Fingerabdruck darauf wirkt wie ein Weichzeichner, besonders im Gegenlicht.

Ärmel drüber, bevor ihr fotografiert. Jedes Mal.

2. Nicht zoomen – gehen

Der Zoom der meisten Handys ist bei den höheren Stufen kein optischer, sondern ein digitaler: Er schneidet aus und rechnet hoch. Das kostet Details.

Wenn euer Handy mehrere Kameras hat, sind die festen Stufen – 0,5×, 1×, 2×, 5× – die echten Objektive. Alles dazwischen ist gerechnet.

Also: Zwei Schritte näher schlagen jeden Zoom.

3. Näher rangehen, als sich richtig anfühlt

Der zweithäufigste Fehler nach der schmutzigen Linse. Handybilder sind fast immer zu weit weg, weil das Weitwinkelobjektiv mehr aufs Bild nimmt, als man im Sucher wahrnimmt.

Die Faustregel: Wenn ihr denkt, ihr steht nah genug, geht noch einen Schritt.

4. Den Fokuspunkt setzen

Tippt auf das, was scharf sein soll. Das Handy fokussiert sonst auf das, was es für wichtig hält – meistens das größte Objekt in der Mitte.

Und der wichtigere Teil: Nach dem Tippen erscheint ein Helligkeitsregler (meistens ein kleines Sonnensymbol daneben). Damit stellt ihr die Belichtung von Hand ein. Das ist der wirksamste einzelne Griff bei Gegenlicht.

5. Die Belichtung nach unten ziehen

Handys neigen dazu, Bilder zu hell zu machen. Und was einmal weiß ausgefressen ist, kommt nicht zurück – Schatten lassen sich dagegen oft noch aufhellen.

Bei schwierigem Licht: Belichtung eine Stufe ins Minus. Lieber etwas zu dunkel als ein ausgebrannter Himmel.

6. Das Raster einschalten

In den Kameraeinstellungen gibt es ein Gitternetz. Es hilft bei zwei Dingen: einen geraden Horizont zu halten und das Motiv nicht immer mittig zu setzen.

Siehe Bildaufbau und Drittelregel.

7. Runter oder rauf mit der Kamera

Fast alle Handybilder entstehen aus Brusthöhe im Stehen. Das ist die langweiligste aller Perspektiven.

Geht in die Hocke. Haltet das Handy über den Kopf. Legt es auf den Boden. Kostet nichts und verändert das Bild mehr als jede Einstellung – siehe Perspektive.

8. Den Blitz ausschalten

Der Handyblitz ist eine winzige LED direkt neben dem Objektiv. Das ergibt hartes, flaches Licht, rote Augen und einen schwarzen Hintergrund.

Er ist praktisch nie die richtige Antwort. Sucht stattdessen mehr Licht, oder lasst das Bild dunkler.

Die eine Ausnahme: als Aufheller im Gegenlicht draußen, auf kurze Distanz. Siehe Aufhellblitz.

9. Beide Hände und ein Ausatmen

Bei wenig Licht verlängert das Handy die Belichtungszeit, und dann zählt jede Bewegung. Zwei Hände, Ellenbogen an den Körper, ausatmen, dann auslösen.

Noch besser: an etwas anlehnen. Eine Mauer, ein Türrahmen, das Autodach.

10. Nachbearbeiten – aber wenig

Ein Handybild aus der Kamera-App ist bereits stark bearbeitet: geschärft, gesättigt, kontrastreich. Wer da noch einen Filter drüberlegt, übertreibt zwangsläufig.

Was sich lohnt: Ausschnitt, Horizont geraderichten, Belichtung leicht korrigieren. Mehr selten. Siehe Bilder am Handy bearbeiten.

Die drei wichtigsten Linse putzen. Näher rangehen statt zoomen. Auf das Motiv tippen und die Belichtung von Hand nachziehen. Diese drei allein verbessern die Hälfte aller Handybilder.

Was das Handy gut kann

Immer dabei sein. Der einzige Vorteil, der alle anderen schlägt.

Gegenlicht und hoher Kontrast. Die Rechnerei aus mehreren Aufnahmen – HDR – löst Situationen, an denen eine einzelne Kameraaufnahme scheitert.

Nachtaufnahmen aus der Hand. Der Nachtmodus verrechnet mehrere Bilder und schafft damit Dinge, für die eine Kamera ein Stativ bräuchte.

Panoramen und Videos. Beides ohne Aufwand.

Wo es an Grenzen stößt

Wenig Licht ohne Nachtmodus, etwa bei bewegten Motiven in Innenräumen. Der kleine Sensor sammelt zu wenig, und die Rechnerei braucht Stillstand.

Echte Freistellung. Der Porträtmodus rechnet die Unschärfe, und an Haaren und Brillenrändern sieht man das.

Lange Brennweiten. Sport und Tiere bleiben schwierig.

Große Drucke. Für den Bildschirm reicht es, für A2 an der Wand meistens nicht.

Wann sich eine richtige Kamera lohnt, steht unter Handy oder Kamera.

Übung

Macht eine Woche lang jeden Tag ein Bild – nur mit dem Handy, und mit einer einzigen Vorgabe: Ihr müsst euch dafür bücken oder strecken.

Kein Bild aus normaler Standhöhe.

Nach einer Woche schaut ihr euch die sieben an. Sie werden besser sein als alles, was in den Monaten davor entstanden ist – ohne dass ihr etwas gekauft oder eine Einstellung gelernt habt.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

Hochzeitsfotografie auf skidan.deFotokurse