Zwei Beschwerden hört man immer wieder: „Meine Drucke sind viel dunkler als am Bildschirm“ und „Auf dem Handy meiner Freundin sehen die Bilder ganz anders aus“.
Beide haben dieselbe Ursache. Der Bildschirm, an dem bearbeitet wurde, zeigt nicht das, was in der Datei steht.
Was dabei schiefgeht
Ein unkalibrierter Monitor hat typischerweise zwei Abweichungen: Er ist zu hell und hat einen Farbstich, meist ins Bläuliche. Werksseitig sind Bildschirme auf Schaufensterwirkung eingestellt, nicht auf Richtigkeit.
Was daraus folgt, ist tückisch: Ihr korrigiert nicht das Bild, sondern den Bildschirm. Wenn er zu hell ist, dunkelt ihr eure Bilder ab, bis sie richtig aussehen – und liefert Dateien, die überall sonst zu dunkel sind. Wenn er bläulich ist, dreht ihr ins Warme, und überall sonst sind die Bilder gelb.
Der Fehler wandert also aus dem Bildschirm in eure Bilder.
Was Kalibrierung tut
Ein Kalibriergerät ist ein kleiner Sensor, den man vor den Bildschirm hängt. Die zugehörige Software zeigt Farbfelder an, misst, was tatsächlich herauskommt, und legt ein Korrekturprofil an, das das Betriebssystem anschließend verwendet.
Das Ergebnis: Ein definiertes Grau ist wirklich neutral, und die Helligkeit entspricht einem bekannten Wert.
Geräte dafür gibt es von mehreren Herstellern; die Einsteigermodelle kosten etwa so viel wie ein einfaches Objektiv und halten viele Jahre. Wer nur gelegentlich bearbeitet, kann sich eines im Fotoclub oder bei einem Händler leihen – für den Anfang reicht das.
Die Werte, auf die es ankommt
Helligkeit: 100 bis 120 cd/m². Der wichtigste Wert. Fabrikeinstellungen liegen oft bei 250 bis 350 – mehr als doppelt so hell. Genau hier entsteht das Problem mit den zu dunklen Drucken.
Der Wert hängt vom Raumlicht ab: In einem hellen Raum eher 120, in einem abgedunkelten eher 80 bis 100.
Farbtemperatur: 6.500 K (D65). Der Standard für Bildschirmarbeit. Wer hauptsächlich für den Druck arbeitet, nimmt teils 5.000 K – dann muss aber auch das Raumlicht passen.
Gamma 2.2. Der Standard auf allen aktuellen Systemen.
Der Raum zählt mit
Ein kalibrierter Monitor in einem falsch beleuchteten Raum bringt wenig.
- Kein direktes Licht auf den Bildschirm. Reflexionen verfälschen alles.
- Kein Fenster im Rücken und keines direkt dahinter.
- Neutrale Wandfarbe hinter dem Bildschirm. Eine knallrote Wand färbt die Wahrnehmung.
- Gleichbleibendes Licht. Wer morgens bei Tageslicht und abends bei Glühlampe bearbeitet, bewertet dieselben Bilder unterschiedlich.
Das klingt pedantisch, ist aber der Grund, warum professionelle Bildbearbeitungsplätze so nüchtern aussehen.
Ohne Kaligriergerät
Wer kein Gerät hat, kann wenigstens das Gröbste abstellen:
Helligkeit deutlich herunter. Auf ungefähr ein Drittel bis die Hälfte der Werkseinstellung. Der übliche Test: Ein weißes Blatt Papier neben dem Bildschirm sollte ungefähr so hell wirken wie eine weiße Fläche darauf.
Alle Bildverbesserungen abschalten. Dynamischer Kontrast, Farbverstärkung, Spielmodus, Augenschonmodus – alles davon verfälscht.
Ein Graustufenbild zur Kontrolle. Es gibt Testbilder mit Abstufungen von Schwarz nach Weiß. Wenn ihr die dunkelsten und hellsten Stufen nicht unterscheiden könnt, stimmen Helligkeit oder Kontrast nicht.
Das ersetzt keine Messung, verhindert aber die groben Fehler.
Der Bildschirm selbst
Nicht jeder Monitor lässt sich sinnvoll kalibrieren.
IPS-Panel ist Voraussetzung für stabile Farben. Bei den früher verbreiteten TN-Panels ändert sich die Farbe schon, wenn man den Kopf bewegt – da hilft keine Kalibrierung.
Glänzende Oberflächen spiegeln den Raum und machen die Beurteilung dunkler Bildbereiche unmöglich. Matt ist zum Arbeiten besser.
Laptopbildschirme sind fast immer ein Kompromiss: hell, glänzend, oft farblich abweichend. Wer unterwegs bearbeitet, sollte die kritischen Entscheidungen später am festen Platz treffen.
Warum es auf dem Handy trotzdem anders aussieht
Selbst mit perfekt kalibriertem Monitor sieht ein Bild auf fremden Geräten anders aus. Das lässt sich nicht ändern – jedes Display ist anders eingestellt, und viele Handys verstärken Farben absichtlich.
Was Kalibrierung leistet, ist etwas anderes: Sie sorgt dafür, dass eure Bilder neutral richtig sind. Sie sehen dann überall etwas anders aus, aber nirgends falsch.
Ohne Kalibrierung sind sie überall falsch, nur auf eurem eigenen Bildschirm nicht.
Wann ihr es wirklich braucht
Unbedingt, wenn ihr drucken lasst, Bilder verkauft oder für Kunden arbeitet. Ein Auftrag, der wegen Farbstichs neu gemacht werden muss, kostet mehr als das Gerät.
Empfehlenswert, wenn ihr regelmäßig bearbeitet und eure Bilder anderen zeigt.
Verzichtbar, wenn eure Bilder auf eurem eigenen Bildschirm bleiben. Dann ist es egal, ob er die Wahrheit sagt.
Was nach der Kalibrierung passiert
Seid nicht überrascht: Direkt danach sehen alle eure alten Bilder falsch aus. Meistens zu hell, oft mit Farbstich.
Das ist kein Fehler der Kalibrierung. Das sind eure alten Korrekturen, die sichtbar werden. Es lohnt sich, ein paar wichtige Bilder danach noch einmal durchzugehen.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
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