Bevor ihr ein Abonnement abschließt, lohnt sich ein Blick auf das, was umsonst zu haben ist. In den letzten Jahren ist die Lücke deutlich kleiner geworden.
Wichtig ist nur, die richtige Kategorie zu wählen. Die Programme können sehr unterschiedliche Dinge, und das häufigste Missverständnis ist, ein Werkzeug für eine Aufgabe zu nehmen, für die es nie gedacht war.
Zwei Kategorien, die man nicht verwechseln sollte
RAW-Entwickler verwalten viele Bilder und wenden Anweisungen darauf an, ohne das Original zu verändern. Sie sind für den normalen Ablauf gedacht: Weißabgleich, Belichtung, Farbe, Schärfen – bei hundert Bildern hintereinander.
Pixeleditoren verändern die Bilddatei selbst. Sie sind für Montage, Retusche, Freistellen und Text da – für einzelne Bilder, an denen viel gemacht wird.
Wer versucht, hundert Hochzeitsbilder in einem Pixeleditor zu entwickeln, verzweifelt. Und wer eine aufwendige Retusche im RAW-Entwickler versucht, auch.
Darktable – der Lightroom-Ersatz
Der ausgereifteste freie RAW-Entwickler. Für Windows, macOS und Linux.
Was er kann: Alles, was Lightroom Classic im Entwickeln-Modul kann, und in einigen Bereichen mehr. Sehr gute Farbwerkzeuge, echte szenenbezogene Bearbeitung, umfangreiche Maskierung. Verwaltung über eine Datenbank, wie bei Lightroom.
Was schwierig ist: Der Einstieg. Die Oberfläche ist dicht, die Module heißen anders als gewohnt, und es gibt oft drei Wege zum selben Ziel. Wer aus Lightroom kommt, braucht ein paar Abende.
Für wen: Alle, die regelmäßig RAW entwickeln und kein Abonnement wollen.
Ausführlich unter Darktable-Einstieg.
RawTherapee – für Detailverliebte
Ebenfalls ein RAW-Entwickler, ebenfalls für alle Systeme.
Stärken: Herausragende Demosaicing-Algorithmen und sehr feine Kontrolle über Details und Schärfung. Wer das Letzte aus einer Datei holen will, findet hier mehr Regler als anderswo.
Schwächen: Keine Bildverwaltung. Ihr öffnet Dateien einzeln. Für eine Serie von zweihundert Bildern ist das der falsche Weg.
Für wen: Landschaft, Architektur, alles, wo einzelne Bilder maximal ausgereizt werden.
GIMP – der Photoshop-Ersatz
Der bekannteste freie Pixeleditor.
Was er kann: Ebenen, Masken, Retusche, Montage, Text, Freistellen. Für diese Aufgaben eine ernsthafte Alternative.
Was fehlt: Eine wirklich gute RAW-Verarbeitung – sie läuft über ein Zusatzmodul. Und die Bedienung folgt einer eigenen Logik, die sich von Photoshop deutlich unterscheidet.
Für wen: Retusche und Montage, nicht für die Entwicklung ganzer Serien.
Siehe GIMP für Fotografen.
Die Software eures Kameraherstellers
Wird fast immer vergessen und ist oft die einfachste Lösung.
Canon, Nikon, Sony, Fujifilm und die anderen liefern kostenlose Programme mit, die ihre eigenen RAW-Dateien lesen. Ihr großer Vorteil: Sie kennen die Kameraprofile und liefern exakt die Farben, die die Kamera als JPEG erzeugt hätte – das schaffen Fremdprogramme oft nicht.
Wer mit den Farben seiner Kamera zufrieden ist und nur nachjustieren will, ist hier gut aufgehoben. Der Funktionsumfang ist begrenzt, die Bedienung teils zäh, aber es kostet nichts und passt perfekt.
Fürs Handy
Snapseed ist kostenlos, kann RAW, hat sehr gute selektive Werkzeuge und ist in fünf Minuten zu bedienen. Für unterwegs die beste kostenlose Wahl.
Lightroom Mobile ist in der Grundversion kostenlos und kann ebenfalls RAW. Wer die Cloud-Funktionen nicht braucht, bekommt hier viel für nichts.
Siehe Bilder am Handy bearbeiten.
Wovon ich abraten würde
Online-Editoren im Browser für alles, was privat ist. Ihr ladet eure Bilder auf fremde Server, und die Nutzungsbedingungen sind selten in eurem Sinne.
Kostenlose Programme mit Wasserzeichen oder Funktionssperren. Das sind Testversionen mit anderem Namen.
Programme, die euch beim Installieren Zusatzsoftware unterschieben. Bei freier Software immer von der offiziellen Projektseite laden, nie von Downloadportalen.
Was der Wechsel wirklich kostet
Kostenlos heißt nicht aufwandsfrei. Der Umstieg von Lightroom auf Darktable kostet ein paar Abende, bis der eigene Ablauf wieder sitzt.
Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie viel ihr fotografiert. Wer alle zwei Monate zwanzig Bilder bearbeitet, spart mit einem freien Programm ein Abonnement, das er ohnehin kaum ausgelastet hätte. Wer wöchentlich hunderte Bilder liefert, für den ist die eingesparte Zeit oft mehr wert als die Abogebühr.
Beides ist eine legitime Rechnung. Nur sollte man sie machen, statt sich von der Gewohnheit entscheiden zu lassen.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
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