
Ein Familienbild soll zwei Dinge gleichzeitig sein: eine ordentliche Aufnahme, auf der alle gut aussehen, und ein Bild, das etwas über diese Familie erzählt.
Beides in einer Sitzung, mit Kindern, die nach zwanzig Minuten genug haben.
Die Vorbereitung
Der Zeitpunkt. Der wichtigste Punkt, und er hat nichts mit Licht zu tun: Kinder haben Tageszeiten, zu denen es funktioniert, und solche, zu denen es nicht funktioniert. Fragt danach.
Für das Licht ist die letzte Stunde vor Sonnenuntergang die beste – siehe Goldene Stunde. Wenn das mit dem Mittagsschlaf kollidiert, gewinnt der Mittagsschlaf.
Die Kleidung. Sagt vorher etwas dazu, sonst kommt einer im gestreiften Hemd und einer im knallroten Pullover.
Was funktioniert: abgestimmte, aber nicht gleiche Farben. Gedeckte Töne. Keine großen Aufdrucke, keine feinen Streifen und Karos – sie flimmern. Kleidung, in der man sich bewegen kann.
Der Ort. Zu Hause, im Garten, auf einem vertrauten Spielplatz – dort sind Kinder entspannter als in einem fremden Studio. Und der Ort erzählt etwas mit.
Die Zeitplanung. Rechnet mit 45 bis 60 Minuten, von denen die ersten fünfzehn zum Ankommen dienen. Wer nach zehn Minuten die ersten Bilder erzwingt, bekommt steife Gesichter.
Der Ablauf, der funktioniert
1. Zuerst das Pflichtbild. Alle zusammen, alle schauen in die Kamera. Das ist das Bild, das an die Wand kommt und das die Großeltern wollen.
Macht es früh, solange alle noch Geduld haben. Danach ist es abgehakt und der Rest kann locker werden.
2. Dann die Zweierkombinationen. Eltern allein, jedes Kind mit jedem Elternteil, die Kinder untereinander. Das geht schnell und gibt allen eine Pause zwischendurch.
3. Danach etwas tun lassen. Spazieren, spielen, jemanden hochheben, sich kitzeln, gemeinsam etwas ansehen. Ihr fotografiert nebenher.
Hier entstehen die Bilder, die später die liebsten sind.
4. Zum Schluss die Einzelportraits, wenn noch Geduld da ist.
Die Regie
Gebt Aufgaben, keine Anweisungen. „Lächelt mal“ ergibt Grimassen. „Geht mal zusammen dort hinüber und redet über euer Abendessen“ ergibt ein Bild.
Was zuverlässig funktioniert:
- Aufeinander zulaufen und in der Mitte umarmen
- Das Kind hochheben und ansehen
- Alle auf einen Punkt schauen lassen, nicht in die Kamera
- Sich etwas ins Ohr flüstern lassen
- Rückwärts gehen und die Familie auf euch zulaufen lassen
- Eine Frage stellen, die zum Nachdenken zwingt – dann verschwindet das aufgesetzte Lächeln
Berührung. Der Unterschied zwischen einer Personengruppe und einer Familie ist körperliche Nähe. Bittet um Berührung: eine Hand auf der Schulter, ein Arm um die Hüfte, Stirn an Stirn.
Kinder nicht dirigieren. Wer ein Kind fünfmal auffordert stillzuhalten, hat danach ein Kind, das nicht mehr will. Besser: die Eltern beschäftigen das Kind, ihr fotografiert das Ergebnis. Mehr unter Kinder fotografieren.
Die Technik
| Wert | warum | |
|---|---|---|
| Blende | ƒ/2.8 bis ƒ/4 bei zwei Personen, ƒ/5.6 bei vier | alle in der Schärfe |
| Zeit | mindestens 1/250 s | Kinder bewegen sich immer |
| Fokus | Nachführung mit Augenerkennung | siehe Autofokus-Modi |
| Brennweite | 35 mm für Szenen, 85 mm für Portraits | |
| Antrieb | kurze Serien | der beste Moment ist selten der erste |
Zur Blende: Der häufigste technische Fehler ist ƒ/1.8 bei vier Personen. Wenn nicht alle in einer Ebene stehen, ist die Hälfte unscharf. Bei Gruppen lieber abblenden – mehr Schärfentiefe ist wichtiger als weiches Bokeh.
Das Licht
Offener Schatten. Der Hausschatten, ein Baum, eine Toreinfahrt. Das Licht kommt vom offenen Himmel, ist weich und gleichmäßig.
Nicht unter dichten Bäumen. Sonnenflecken auf Gesichtern sind kaum zu retten.
Gegenlicht mit Aufhellung. Die Sonne tief hinter der Familie, ihr belichtet auf die Gesichter. Das ergibt einen leuchtenden Rand und weiches Licht von vorn. Ein Reflektor oder eine helle Wand hilft. Siehe Gegenlicht.
Drinnen ans Fenster. Alle seitlich zum Fenster, Deckenlicht aus.
Was Eltern hinterher wollen
Zwei Dinge, an die man beim Fotografieren denken sollte:
Ein Hochformat für den Bilderrahmen und ein Querformat für die Wand. Fotografiert wichtige Konstellationen in beiden Ausrichtungen.
Genug Rand. Ein Bild, das auf 20×30 gedruckt wird, hat andere Seitenverhältnisse als die Kameradatei. Wer zu eng einrahmt, verliert beim Zuschneiden Köpfe.
Übung
Fotografiert eine Familie, die ihr kennt, dreißig Minuten lang – aber macht in den ersten zehn Minuten kein einziges gestelltes Bild.
Lasst sie einfach machen und fotografiert nebenher.
Vergleicht danach diese Bilder mit denen aus der gestellten Phase. Bei den meisten Familien werden die ersten die besseren sein.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
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