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Licht & Blitz

Aufhellblitz bei Tageslicht – der unterschätzte Griff

Der Blitz gehört nicht in die Dunkelheit, sondern in die Mittagssonne. Dort löst er ein Problem, das sonst kaum zu lösen ist.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Die meisten benutzen den Blitz genau falsch herum: abends, wenn es dunkel ist, frontal auf die Person, mit dem bekannten Ergebnis – bleiches Gesicht, schwarzer Hintergrund, rote Augen.

Der nützlichste Einsatz ist der umgekehrte: am helllichten Tag.

Das Problem, das er löst

Zwei Situationen bringen jede Kamera an ihre Grenze, weil der Unterschied zwischen hell und dunkel zu groß ist:

Mittagssonne von oben. Augen liegen in schwarzen Höhlen, unter Nase und Kinn stehen harte Schatten. Belichtet man auf die Haut, sind die Schatten zugelaufen.

Gegenlicht. Der Hintergrund ist hell, das Gesicht dunkel. Ihr könnt eines von beiden richtig belichten, nicht beides.

In beiden Fällen fehlt Licht an genau einer Stelle: vorne am Motiv. Und genau das macht der Aufhellblitz – er hellt die Schatten auf, ohne den Hintergrund anzufassen.

Warum er den Hintergrund nicht verändert

Das ist der Punkt, an dem es klickt: Blende und ISO wirken auf beides, Blitzlicht und vorhandenes Licht. Die Verschlusszeit wirkt nur auf das vorhandene Licht.

Der Blitz dauert je nach Leistung ein Zehntausendstel bis ein Tausendstel Sekunde. Ob der Verschluss 1/60 oder 1/200 offen ist, ändert für ihn nichts – er ist längst vorbei. Für die Sonne dagegen macht es den Unterschied zwischen hell und dunkel.

Daraus folgt die Arbeitsweise:

  1. Zuerst den Hintergrund belichten, ohne Blitz. Blende und Zeit so wählen, dass Himmel und Umgebung so aussehen, wie ihr sie wollt – ruhig etwas dunkler als normal.
  2. Dann den Blitz dazuschalten und seine Leistung so einstellen, dass das Gesicht stimmt.

Zwei getrennte Entscheidungen, die einander nicht stören.

Kurz gefasst Zeit und Blende regeln den Hintergrund. Die Blitzleistung regelt das Motiv. Wer das trennt, hat den Aufhellblitz verstanden.

Die Blitzsynchronzeit

Ein Haken: Über einer bestimmten Verschlusszeit kann der Blitz nicht mehr das ganze Bild ausleuchten, weil der Verschluss nie vollständig offen ist. Diese Grenze heißt Blitzsynchronzeit und liegt je nach Kamera bei 1/160 bis 1/250 s.

Darüber bekommt ihr einen schwarzen Balken im Bild. In der prallen Sonne stößt man schnell dagegen – dann bleibt entweder eine kleinere Blende, ein ND-Filter, oder die Kurzzeitsynchronisation, die viele Systemblitze beherrschen. Sie kostet Leistung, löst das Problem aber.

Wie stark aufhellen

Der häufigste Fehler ist zu viel. Ein Gesicht, das heller ist als seine Umgebung, sieht ausgeschnitten aus.

Als Ausgangspunkt: Blitzleistung um ein bis zwei Stufen reduzieren. An fast jeder Kamera geht das über die Blitzbelichtungskorrektur, meist ein Menü namens Blitzstärke oder ein Knopf mit Blitzsymbol und +/–. Stellt −1 ein und schaut euch das Ergebnis an.

Ziel ist nicht, den Schatten wegzunehmen. Ziel ist, ihm Zeichnung zu geben. Man soll nicht sehen, dass geblitzt wurde.

Weicher machen

Ein nackter Aufsteckblitz ist eine kleine Lichtquelle und damit hart. Im Tageslicht fällt das weniger auf als drinnen, aber es fällt auf.

100 %1 m±0
51 %1,4 m−1
25 %2 m−2
13 %2,8 m−3
6,3 %4 m−4
3,2 %5,6 m−5
1,6 %8 m−6
Der Grund, warum ein Schritt nach vorn mehr bringt als eine Stufe mehr Leistung: Licht nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. Von 1 auf 1,4 Meter fehlt bereits eine ganze Blendenstufe.

Was hilft, in aufsteigendem Aufwand:

  • Ein Stück Papier oder ein Taschentuch vor den Reflektor. Kostet Leistung, bringt spürbar weichere Kanten.
  • Der eingebaute Streuvorsatz, den viele Blitze haben und kaum jemand benutzt.
  • Eine kleine Softbox zum Aufstecken. Draußen begrenzt wirksam, weil sie im Verhältnis zur Entfernung immer noch klein ist.
  • Den Blitz von der Kamera nehmen und seitlich halten. Das ist der größte Sprung – siehe entfesselt blitzen.

Der eingebaute Blitz

Auch der kleine ausklappbare Blitz kann aufhellen. Er ist schwach, hart und sitzt direkt über dem Objektiv – für ein Portrait im Wohnzimmer ist er untauglich.

Draußen im Gegenlicht ist er trotzdem besser als nichts. Auf eineinhalb Metern Abstand reicht seine Leistung, um Augenhöhlen aufzuhellen. Man muss ihn nur manuell einschalten, denn die Automatik sieht Sonne und hält ihn für überflüssig.

Übung

Sucht euch die Mittagssonne – ausnahmsweise.

Fotografiert eine Person mit der Sonne im Rücken, ohne Blitz. Das Gesicht wird zu dunkel sein.

Dann dasselbe Bild mit Blitz, Leistung auf 0. Danach mit −1, danach mit −2.

Legt die vier nebeneinander. Eines davon sieht aus, als wäre gar nicht geblitzt worden, und das Gesicht stimmt trotzdem. Merkt euch den Wert – an eurer Kamera wird er meistens passen.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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