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Praxis & Situationen

Urlaubsfotos, die man später wirklich ansieht

Zweitausend Bilder, die niemand je wieder öffnet – das ist der Normalfall. Es liegt nicht an der Kamera, sondern an drei Gewohnheiten.

Einstieg3 Min.·Vitali Skidan·
Kein Wahrzeichen, keine Sehenswürdigkeit – und trotzdem das Bild, an dem man den Abend wiedererkennt.
ƒ/2.8 · 1/220 s · ISO 4000 · 43 mm (65 mm KB)Kein Wahrzeichen, keine Sehenswürdigkeit – und trotzdem das Bild, an dem man den Abend wiedererkennt.

Der übliche Ablauf: Man fährt weg, fotografiert alles, kommt mit zweitausend Bildern zurück, kopiert sie auf die Festplatte – und schaut sie nie wieder an.

Das liegt nicht an der Ausrüstung. Es liegt daran, dass Urlaubsbilder meistens dokumentieren, wo man war, statt zu zeigen, wie es war.

Der Unterschied in einem Satz

Ein Bild vom Eiffelturm gibt es zehn Millionen Mal, und alle sind besser als eures – schon weil jemand zur richtigen Tageszeit da war.

Ein Bild von eurem Kind, das zum ersten Mal einen Eiffelturm sieht, gibt es genau einmal.

Fotografiert die Reise, nicht die Sehenswürdigkeit.

Drei Gewohnheiten

1. Menschen ins Bild. Der wirksamste Griff überhaupt. Eine Landschaft mit einer Person darin hat einen Maßstab, einen Bezug und eine Geschichte. Dieselbe Landschaft ohne ist eine Postkarte.

Das gilt auch für die eigenen Leute: Wer mitfährt, gehört ins Bild – nicht posierend vor dem Schild, sondern beim Essen, beim Suchen des Wegs, beim Streiten über die Karte.

2. Die Zwischenzeiten fotografieren. Der Bahnhof um sechs Uhr morgens. Das Frühstück. Der Moment, in dem alle im Auto einschlafen. Diese Bilder wirken beim Machen belanglos und sind zehn Jahre später die einzigen, bei denen man sich an etwas erinnert.

3. Weniger, aber bewusster. Wer bei jedem Motiv zwölfmal drückt, hat abends keine Auswahl, sondern eine Aufgabe. Drei Bilder mit einem Gedanken dahinter sind mehr wert.

Kurz gefasst Menschen rein, Zwischenzeiten mitnehmen, weniger auslösen. Drei Gewohnheiten, keine davon kostet Geld.

Die Tageszeit schlägt alles

Der Grund, warum Reisebilder aus Reiseführern besser aussehen, ist selten die Kamera. Es ist die Uhrzeit.

Mittags zwischen elf und drei steht die Sonne hoch, das Licht ist hart und kontrastreich, und jedes Motiv sieht flach aus. Genau dann sind die meisten unterwegs.

Was hilft, ohne den Urlaub umzubauen:

  • Einmal früh aufstehen. Ein Ort um sieben Uhr morgens ist ein anderer Ort – anderes Licht, keine Menschen.
  • Die letzte Stunde vor Sonnenuntergang einplanen. Siehe goldene Stunde.
  • Mittags in den Schatten, in Innenräume, ins Café. Und nach Details suchen statt nach Übersichten.

Was mitnehmen

Weniger, als man denkt.

Eine Kamera, ein Objektiv. Wer zwei Objektive mitnimmt, hat immer das falsche drauf. Ein Zoom im Bereich 24–70 äquivalent deckt fast alles ab – siehe Festbrennweite oder Zoom.

Genug Speicherkarten und ein Ladegerät. Die häufigsten echten Probleme.

Eine Sicherung. Eine kleine Festplatte oder ein Cloud-Upload über das Hotel-WLAN. Eine verlorene Kamera ist ärgerlich, ein verlorener Urlaub ist schlimmer.

Was zu Hause bleiben kann: Stativ (außer für Nachtaufnahmen), Blitz, das dritte Objektiv, Filter außer einem Polfilter.

Der Umgang mit Menschen vor Ort

Ein Punkt, der in Reisefototipps oft fehlt und der wichtiger ist als jede Einstellung.

Fragt, bevor ihr Menschen fotografiert. Auch ohne gemeinsame Sprache – die Kamera hochhalten und fragend schauen genügt. Ein Nein wird akzeptiert.

Kinder nur mit den Eltern. Ohne Ausnahme, überall.

Kein Elend als Motiv. Armut ist keine Sehenswürdigkeit. Die Frage, ob man so fotografieren darf, hat Sebastião Salgado zeit seines Lebens begleitet – und ihm ging es um Menschen, deren Situation er über Jahre begleitet hat, nicht um zwei Wochen Urlaub.

Und ein rechtlicher Hinweis für zu Hause: Fotografieren ist das eine, Veröffentlichen das andere. Auch ein Urlaubsbild mit fremden Menschen ist ein Bildnis, siehe Recht am eigenen Bild.

Nach dem Urlaub

Der Teil, den fast alle auslassen, und der über alles entscheidet.

Sortiert innerhalb einer Woche. Danach passiert es nie. Geht einmal durch, markiert, was gut ist, und löscht das Offensichtliche.

Wählt zwanzig bis vierzig Bilder aus – für den ganzen Urlaub. Das klingt wenig und ist genau richtig.

Macht etwas damit. Ein Fotobuch, ein Abzug an der Wand, ein Ordner, den man zeigen kann. Bilder, die nur auf der Festplatte liegen, existieren praktisch nicht.

Ein Fotobuch pro Reise ist die beste Gewohnheit, die ich kenne. Es zwingt zur Auswahl, es wird tatsächlich angesehen, und es überlebt jeden Festplattenwechsel.

Übung für die nächste Reise

Nehmt euch vor, an einem Tag nur zwanzig Bilder zu machen. Nicht mehr.

Ihr werdet feststellen, dass ihr vor jedem Auslösen überlegt – und dass von diesen zwanzig mehr brauchbar sind als von zweihundert am Tag davor.

Das ist der ganze Unterschied zwischen Dokumentieren und Fotografieren.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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