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Praxis & Situationen

Neugeborene fotografieren: Sicherheit zuerst

Viele bekannte Neugeborenenposen sind nur mit zwei Personen und Bildmontage sicher umsetzbar. Was man wissen muss, bevor man anfängt.

Fortgeschritten4 Min.·Vitali Skidan·

Neugeborenenfotografie sieht auf den fertigen Bildern einfach aus. Sie ist es nicht – und der Grund ist keine fotografische Schwierigkeit, sondern die Verantwortung für ein wenige Tage altes Kind.

Dieser Artikel beginnt deshalb mit dem Teil, der nicht verhandelbar ist.

Die Sicherheitsregeln

Die Grundregel Ein Neugeborenes wird nie unbeaufsichtigt gelassen – auch nicht für zwei Sekunden, auch nicht auf einer Unterlage, auch nicht schlafend. Eine Hand ist immer in Reichweite, und zwar die eines Erwachsenen, nicht die des Fotografen mit der Kamera.

Ein Kind kann seinen Kopf nicht halten. In den ersten Wochen ist die Nackenmuskulatur zu schwach. Jede Haltung, bei der der Kopf nicht gestützt ist, ist gefährlich.

Die berühmten Posen sind Montagen. Das Bild, auf dem ein Baby sein Gesicht in den eigenen Händen stützt und der Kopf frei schwebt – dieses Bild entsteht immer aus zwei Aufnahmen: Bei der einen hält eine Hand den Kopf, bei der anderen die Handgelenke. Am Rechner wird zusammengesetzt.

Wer das nicht weiß und es nachstellt, riskiert eine Verletzung. Dasselbe gilt für Aufnahmen in Körben, Hängematten, Eimern und auf erhöhten Flächen: Es steht immer jemand daneben und hält, und die Hand wird später entfernt.

Nichts um den Hals. Keine Tücher, keine Schleifen, keine Ketten, keine Wickeltechniken, die den Hals einschließen.

Wärme. Ein Neugeborenes kühlt schnell aus. Der Raum sollte 26 bis 28 Grad haben – für alle Anwesenden unangenehm warm. Eine kleine Heizung mitbringen.

Hygiene. Hände waschen und desinfizieren, kurze Fingernägel, keine Erkältung. Wenn ihr krank seid, wird der Termin verschoben – ohne Diskussion.

Kein Blitz direkt. Nicht wegen der Augen, sondern weil er ein schlafendes Kind weckt. Wenn Blitz, dann gegen die Decke und mit weichem Licht.

Keine erhöhten Flächen ohne Sicherung. Der Boden ist der sicherste Ort.

Der Zeitpunkt

Die klassische Neugeborenenfotografie findet zwischen dem 5. und 14. Lebenstag statt.

Der Grund: In dieser Zeit schlafen die meisten Kinder tief, lassen sich in zusammengerollte Positionen legen und haben noch die eingerollte Haltung aus dem Mutterleib.

Danach wird es zunehmend schwieriger. Ab etwa drei Wochen sind die Kinder wacher, strecken sich und lassen sich weniger bewegen.

Das heißt aber nicht, dass es später nicht geht – es werden nur andere Bilder. Ein waches Kind mit offenen Augen bei vier Wochen ist ein anderes und nicht schlechteres Bild.

Der Ablauf

Zeit einplanen. Zwei bis drei Stunden, davon der größte Teil Warten, Füttern, Wickeln, Beruhigen. Wer eine Stunde ansetzt, gerät unter Druck – und Druck ist bei dieser Arbeit das Gefährlichste.

Direkt nach dem Füttern. Ein satt gefüttertes Kind schläft tiefer.

Geräusche. Weißes Rauschen oder ein Föhn im Nebenraum beruhigt viele Neugeborene – es erinnert an die Geräusche vor der Geburt.

Langsam bewegen. Jede Umlagerung dauert. Wer schnell umpositioniert, weckt das Kind.

Die Eltern einbeziehen. Sie legen das Kind um, nicht ihr. Sie kennen es, und sie sind verantwortlich.

Abbrechen, wenn es nicht geht. Ein Kind, das sich nicht beruhigen lässt, wird nicht überredet. Dann macht man die Bilder mit den Eltern und verschiebt den Rest.

Die Bilder, die sich lohnen

Über die klassischen Posen hinaus sind es meist die einfachen, die bleiben:

  • Details. Hände, Füße, Ohren, Haare, die Hand des Kindes in der des Vaters. Für diese Bilder braucht es kein Umlagern.
  • Das Kind auf der Brust eines Elternteils. Sicher, natürlich und ausdrucksstark.
  • In den Armen, von oben fotografiert.
  • Mit Geschwistern – sitzend, mit dem Baby im Schoß und einem Erwachsenen daneben.
  • Schlafend, einfach so, ohne Requisiten.

Die aufwendig gestellten Bilder mit Körben und Mützen sind eine Mode. Die ruhigen Bilder halten länger.

Die Technik

Wert
Blendeƒ/2.8 bis ƒ/4
Zeitmindestens 1/160 s
ISOso hoch wie nötig
Brennweite50 mm für Szenen, 85 bis 100 mm für Details, Makro für Hände und Füße
FokusEinzelfeld auf die Augen, oder Augenerkennung
Lichtein großes Fenster, seitlich, mit weißem Aufheller

Das Licht ist der Punkt, an dem sich diese Bilder entscheiden: ein großes Fenster, das Kind seitlich dazu, das Licht von oben in Richtung Füße fallend – nie von unten in Richtung Kopf. Ein weißer Karton auf der Schattenseite.

Mehr dazu unter Mit natürlichem Licht arbeiten.

Die Nachbearbeitung

Die Haut ist rot und fleckig. Das ist normal in den ersten Wochen – Marmorierung, Schälung, Milien. Etwas Ausgleich der Rottöne ist üblich, eine Glättung zu Plastikhaut nicht. Siehe Hautretusche.

Haltende Hände entfernen. Bei Kompositionen aus zwei Aufnahmen der eigentliche Arbeitsschritt. Beide Bilder vom Stativ, damit sie deckungsgleich sind.

Zurückhaltend bleiben. Diese Bilder werden in zwanzig Jahren angesehen. Modische Farblooks altern schlecht.

Rechtliches und Praktisches

Ein Kind kann nicht einwilligen. Es gelten die Regeln für Kinder: beide Sorgeberechtigten unterschreiben, konkret und schriftlich.

Und ein Punkt, der bei Neugeborenen besonders zählt: Fragt gesondert, ob ihr die Bilder zeigen dürft. Viele Eltern möchten Bilder ihres Neugeborenen nicht im Netz haben – und das sollte selbstverständlich sein.

Übung

Wenn ihr diese Arbeit lernen wollt, fangt nicht bei einem Neugeborenen an, sondern bei einer Puppe in der richtigen Größe.

Übt daran die Beleuchtung, die Perspektiven und die Ausschnitte, bis sie sitzen.

Das klingt seltsam und ist genau der Weg, den professionelle Neugeborenenfotografen in ihrer Ausbildung gehen – damit beim echten Termin niemand Zeit mit Ausprobieren verbringt.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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