Zum Inhalt springen
Licht & Blitz

Softbox, Schirm, Beauty Dish – welcher Lichtformer wofür

Alle Lichtformer machen dasselbe: Sie verändern Größe und Richtung einer Lichtquelle. Der Rest sind Unterschiede im Detail – und im Preis.

Fortgeschritten4 Min.·Vitali Skidan·

Es gibt eine physikalische Größe, die über die Wirkung eines Lichts entscheidet: wie groß die leuchtende Fläche aus Sicht des Motivs ist.

Groß heißt weich – die Schatten haben einen fließenden Rand. Klein heißt hart – die Schatten haben eine scharfe Kante. Ein Blitzkopf ohne Zubehör ist etwa fünf Zentimeter groß und damit sehr hart.

Alle Lichtformer sind Antworten auf diese eine Größe.

Kurz gefasst Die Weichheit hängt von der Größe der Quelle im Verhältnis zum Abstand ab. Eine Softbox, die zwei Meter entfernt steht, ist härter als dieselbe Softbox einen Meter entfernt. Näher heran ist der billigste Weichzeichner.

Der Durchlichtschirm

Ein weißer Stoffschirm, durch den geblitzt wird.

Wirkung: weich, gleichmäßig, streut in alle Richtungen.

Vorteile: billig – zwanzig bis vierzig Euro –, leicht, in Sekunden aufgebaut, unempfindlich.

Nachteil: Er leuchtet den halben Raum mit aus. Das Licht kommt von überall zurück, was das Bild aufhellt, aber auch flacher macht. In kleinen Räumen mit weißen Wänden ist er deshalb schwer zu kontrollieren.

Wofür: Der beste Einstieg. Wer ein einziges Zubehörteil kauft, kauft dieses.

Der Reflexschirm

Innen silber oder weiß, wird angeblitzt und wirft zurück.

Silber gibt mehr Ausbeute und mehr Kontrast, weiß weicheres Licht.

Wofür: Wenn mehr Licht am Motiv ankommen soll als beim Durchlichtschirm. Streut ebenfalls stark.

Die Softbox

Ein Kasten aus schwarzem Stoff mit weißer Frontbespannung, meistens mit einem zweiten inneren Diffusor.

Wirkung: weich, aber gerichtet. Der schwarze Kasten verhindert, dass Licht seitlich austritt.

Das ist der entscheidende Unterschied zum Schirm: Ihr wisst, wohin das Licht geht und wohin nicht. In kleinen Räumen ist das der Grund, überhaupt eine Softbox zu kaufen.

Formen:

Formwofür
Rechteckig, 60×90 cmder Allrounder für Portrait und halbe Figur
Quadratischwenn die Spiegelung im Auge quadratisch sein soll
Oktagonal (Octabox)rundes Reflexlicht im Auge, wirkt natürlich
Striplight, 30×140 cmschmaler Streifen: Kanten, Ganzkörper, Produkte

Waben (Grids) davor engen den Abstrahlwinkel ein – aus einer breiten Softbox wird ein gezielter Kegel, der eine Person trifft und den Hintergrund dunkel lässt. Das ist eines der nützlichsten Zubehörteile überhaupt.

Der Beauty Dish

Eine flache Metallschale mit einem kleinen Deflektor vor der Blitzröhre, meist 40 bis 70 Zentimeter im Durchmesser.

Wirkung: ein Zwischending – weicher als ein blanker Reflektor, härter als eine Softbox gleicher Größe. Er zeichnet Wangenknochen und Kieferlinie deutlich und erzeugt ein charakteristisches rundes Reflexlicht im Auge.

Wofür: Beauty- und Modeaufnahmen, meistens frontal von oben. Bei Portraits mit unruhiger Haut ist er die schlechtere Wahl als eine Softbox, weil er jede Struktur zeigt.

Der blanke Reflektor mit Waben

Der Standardreflektor, wie er am Blitzkopf sitzt, plus eine Wabe.

Wirkung: hart, klar gerichtet, mit deutlicher Kante.

Wofür: als Haarlicht von hinten, als Kantenlicht, als Lichtfleck auf dem Hintergrund. Selten als Hauptlicht, außer man will genau diesen harten Look.

Der Snoot und die Fresnel-Vorsätze

Ein Rohr vor der Lampe. Ergibt einen engen, runden Lichtfleck.

Wofür: ein einzelnes Detail hervorheben, ein Kreis auf dem Hintergrund, theatralische Effekte. Ein Spezialwerkzeug, das man selten braucht und dann durch nichts ersetzen kann.

Die Wand und die Styroporplatte

Der wirksamste Lichtformer kostet nichts.

Eine weiße Wand anblitzen macht aus ihr eine mehrere Quadratmeter große Lichtquelle. Weicher wird es mit keiner kaufbaren Softbox.

Eine Styroporplatte aus dem Baumarkt, 100×50 Zentimeter, ist ein Aufheller, ein Abschatter (wenn eine Seite schwarz gestrichen ist) und ein Reflektor in einem. Kostet unter zehn Euro.

Wer im Studio anfängt, sollte diese beiden Möglichkeiten ausschöpfen, bevor er das dritte Zubehörteil kauft.

Was man wirklich braucht

Die ehrliche Antwort für den Anfang: eine Lichtquelle und einen Aufheller.

Ein Blitz, ein Durchlichtschirm, eine weiße Platte. Damit lassen sich alle klassischen Portraitaufbauten umsetzen – mehr dazu unter Portraitlicht setzen.

Das zweite Licht kommt später, und meist nicht als Hauptlicht, sondern als Kantenlicht von hinten oder als Aufhellung des Hintergrunds.

Anschlüsse beachten

Lichtformer werden über ein Bajonett angesetzt, und die Systeme sind nicht kompatibel: Bowens ist am weitesten verbreitet und die sicherste Wahl, daneben gibt es Elinchrom, Profoto und andere.

Für Aufsteckblitze gibt es eigene, kleinere Halterungen. Wer entfesselt mit Aufsteckblitzen arbeitet, braucht Adapter – mehr unter Entfesselt blitzen.

Übung

Nehmt eine einzige Lichtquelle und fotografiert dieselbe Person viermal:

  1. blank, ohne Zubehör
  2. durch ein weißes Betttuch
  3. gegen eine weiße Wand geblitzt
  4. blank, aber aus dreifacher Entfernung

Vergleicht die Schattenkanten. Ihr werdet sehen, dass Nummer 3 das weichste Licht ergibt und Nummer 4 das härteste – obwohl beide dieselbe nackte Lampe verwenden.

Das ist die ganze Theorie der Lichtformer in einem Versuch.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

Hochzeitsfotografie auf skidan.deFotokurse