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Licht & Blitz

Studiolicht: die vier Aufbauten, die man wirklich braucht

Ein Studio besteht nicht aus fünf Blitzen, sondern aus einem, den man versteht. Die vier Aufbauten, mit denen sich fast jede Aufgabe lösen lässt.

Fortgeschritten4 Min.·Vitali Skidan·

Die verbreitete Vorstellung vom Studio ist eine Wand aus Lampen. Die Wirklichkeit in den meisten professionellen Aufnahmen sind ein bis zwei Lichter und eine Reflektorplatte.

Der Grund: Jedes zusätzliche Licht erzeugt einen weiteren Schatten, und Schatten, die sich kreuzen, sehen falsch aus.

Die Rollen

Bevor es um Aufbauten geht, die Begriffe. Jede Lampe im Studio hat eine Aufgabe:

Hauptlicht (Key). Die Lichtquelle, die das Motiv formt. Sie bestimmt, wo die Schatten liegen. Alles andere ordnet sich unter.

Aufheller (Fill). Hellt die Schattenseite auf, damit sie Zeichnung behält. Meistens keine Lampe, sondern eine weiße Platte.

Kantenlicht (Kicker, Rim). Von hinten seitlich, zeichnet die Kontur und löst das Motiv vom Hintergrund.

Hintergrundlicht. Beleuchtet den Hintergrund unabhängig vom Motiv.

Kurz gefasst Ein Licht formt, alles andere korrigiert. Wer beim Aufbau mehr als eine Lampe gleichzeitig eingeschaltet hat, kann nicht mehr sehen, welche was tut.

Der Ablauf beim Aufbauen

Es gibt eine Reihenfolge, die viel Zeit spart:

  1. Alle Lampen aus.
  2. Nur das Hauptlicht an. Position und Höhe festlegen, bis der Schatten im Gesicht so liegt, wie er soll. Belichtung darauf einstellen.
  3. Aufheller dazu. So weit heran, dass der Schatten Zeichnung bekommt, aber Schatten bleibt.
  4. Kantenlicht dazu, falls nötig. Eine Stufe schwächer als das Hauptlicht, sonst zieht es die Aufmerksamkeit.
  5. Hintergrund zuletzt.

Wer in dieser Reihenfolge arbeitet, weiß bei jedem Schritt, was er sieht.

Aufbau 1: Ein Licht und eine Platte

Der Aufbau, mit dem die meisten guten Portraits entstehen.

Hauptlicht in einer Softbox, etwa 45 Grad seitlich vom Motiv und leicht darüber. So nah wie möglich heran, ohne im Bild zu sein.

Weiße Platte auf der anderen Seite, etwa einen Meter entfernt.

Fertig. Näher heran heißt weicher, weiter weg härter; die Platte näher heran heißt flacher, weiter weg dramatischer. Zwei Regler, mit denen sich der ganze Bereich von sanft bis hart abdecken lässt.

Aufbau 2: Zwei Lichter mit Kante

Wie Aufbau 1, plus ein Kantenlicht schräg hinter dem Motiv auf der Schattenseite.

  1. Kamera2,5 m
  2. Hauptlicht45° links · 1,5 m · 1,9 m hoch
  3. Reflektor50° rechts · 1,2 mdie Platte aus Aufbau 1
  4. Haarlicht130° rechts · 1,5 m · 2,1 m hocheine Stufe schwächer, mit Wabe gegen Streulicht
Von oben gesehen. Die Ringe sind Meter; das Hauptlicht steht 45° neben der Kameraachse.

Wofür: um das Motiv vom Hintergrund zu lösen – besonders bei dunkler Kleidung vor dunklem Grund.

Einstellung: eine Blendenstufe schwächer als das Hauptlicht. Mit Wabe, damit kein Streulicht ins Objektiv fällt.

Ein Vorsatz gegen Streulicht ist hier Pflicht: Das Kantenlicht zeigt in Richtung Kamera, und ohne Abschirmung entsteht Schleier über dem ganzen Bild.

Aufbau 3: Weißer Hintergrund

Sieht einfach aus und ist der Aufbau, den Anfänger am häufigsten falsch machen.

Ein weißer Hintergrund wird auf dem Bild grau, wenn er nicht eigens beleuchtet wird. Er braucht etwa eine Blendenstufe mehr als das Motiv.

  • Zwei Lampen von den Seiten auf den Hintergrund, gleichmäßig.
  • Das Motiv weit genug davor – mindestens zwei Meter. Sonst schlägt Licht vom Hintergrund um das Motiv herum und erzeugt einen Schleier an den Kanten.
  • Nicht mehr als eine Stufe heller: Bei zwei Stufen fressen die Kanten aus und das Motiv wird angenagt.

Mit einer Lichtmessung oder schlicht durch Ausprobieren mit Histogramm kontrollieren. Mehr unter Histogramm lesen.

Aufbau 4: Schwarzer Hintergrund

Der einfachste Aufbau überhaupt, und er braucht keinen schwarzen Stoff.

Licht nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. Ein Motiv, das nah an der Lichtquelle steht und weit vom Hintergrund entfernt ist, wird hell und der Hintergrund dunkel – auch wenn die Wand dahinter weiß ist.

Praktisch:

  • Motiv weit von der Wand weg, mindestens drei Meter.
  • Lichtquelle nah am Motiv.
  • Softbox mit Wabe, damit nichts nach hinten streut.
  • Belichtung auf das Motiv.

Das Ergebnis ist ein Bild vor tiefschwarzem Grund, in einem gewöhnlichen Wohnzimmer aufgenommen.

Dauerlicht oder Blitz

Blitz ist stärker, friert Bewegung ein und wird von Umgebungslicht kaum gestört. Nachteil: Man sieht das Ergebnis erst nach dem Auslösen, weshalb Studioblitze ein Einstelllicht haben.

LED-Dauerlicht zeigt das Ergebnis unmittelbar – der große Vorteil beim Lernen. Es ist leiser, es funktioniert für Video, und es ist in den letzten Jahren stark und bezahlbar geworden. Nachteil: bei Bewegung braucht es lange Zeiten, und gegen Tageslicht kommt es nicht an.

Für den Einstieg spricht viel für Dauerlicht: Wer sieht, was das Licht tut, lernt schneller.

Ein Studio ohne Studio

Man braucht keinen Raum mit Hohlkehle. Was reicht:

  • Ein Zimmer mit drei Metern freier Länge
  • Eine Lichtquelle mit Stativ
  • Eine weiße Platte
  • Ein Stück Stoff oder eine glatte Wand als Hintergrund

Das ist der Aufbau, mit dem sich alle vier oben beschriebenen Situationen umsetzen lassen. Alles Weitere ist Komfort.

Übung

Baut Aufbau 1 auf und macht zehn Bilder derselben Person, bei denen ihr nur das Hauptlicht bewegt – von direkt vor der Kamera in Zehn-Grad-Schritten nach seitlich, bis es fast von der Seite kommt.

Legt die zehn Bilder nebeneinander. Ihr seht die gesamte Bandbreite dessen, was ein einzelnes Licht kann – und ihr werdet feststellen, dass ihr ein zweites vorerst nicht braucht.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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