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Licht & Blitz

Entfesselt blitzen: der Blitz gehört nicht auf die Kamera

Ein Meter zur Seite verändert mehr als jedes teurere Gerät. Der größte Sprung in der Lichtqualität kostet ein Kabel oder einen Funkauslöser.

Fortgeschritten5 Min.·Vitali Skidan·
Der Schlagschatten läuft quer über den Rasen – er zeigt, dass das Licht nicht von der Kamera kam, sondern weit von links.
ƒ/1.4 · 1/80 s · ISO 1250 · 23 mm (35 mm KB)Der Schlagschatten läuft quer über den Rasen – er zeigt, dass das Licht nicht von der Kamera kam, sondern weit von links.

Solange der Blitz auf der Kamera sitzt, kommt das Licht aus derselben Richtung wie der Blick. Und Licht, das genau aus Blickrichtung kommt, macht eines zuverlässig: es löscht alle Schatten.

Ohne Schatten keine Form. Deshalb sehen direkt geblitzte Bilder flach aus, egal wie teuer der Blitz war.

Der Ausweg ist kein besseres Gerät, sondern eine andere Position.

Woran man es im Bild sieht

Der Schatten. Er ist der einzige Zeuge, den ein Bild für die Position seines Lichts hat.

Auf dem Bild oben läuft er lang und hart über den Rasen, quer weg von der Person. Ein Blitz auf der Kamera hätte diesen Schatten nicht erzeugen können – er hätte ihn genau hinter das Motiv geworfen, wo ihn niemand sieht. Dass er sichtbar ist, heißt: Das Licht kam von weit außerhalb der Blickrichtung.

Der Hintergrund ist dabei nicht schwarz geworden. Lichterketten und Zelt sind da, weil die 1/80 Sekunde lang genug ist, um das vorhandene Licht mitzunehmen. Der Blitz belichtet die Person, die Zeit belichtet den Raum – wie man beides getrennt einstellt, steht unten unter Die Leistung von Hand.

Der einfachste Anfang: gegen die Decke

Bevor ihr irgendetwas kauft, probiert das hier – es geht mit jedem Aufsteckblitz, dessen Kopf sich schwenken lässt.

Richtet den Blitz nicht auf die Person, sondern an die Decke über euch, leicht nach vorne geneigt. Das Licht kommt dann nicht mehr aus einer Röhre von fünf Zentimetern, sondern von einer Fläche von zwei Quadratmetern.

Der Unterschied ist sofort sichtbar: weiche Schatten, keine harte Kante, kein schwarzer Umriss an der Wand.

Zwei Bedingungen:

  • Die Decke muss weiß sein. Eine gelbe Decke macht gelbes Licht, eine rote ein rotes Gesicht. Das sieht man erst zu Hause.
  • Sie darf nicht zu hoch sein. In einer Kirche oder Halle verpufft die Leistung.

Der Nachteil bleibt: Das Licht kommt von oben, Augenhöhlen können dunkel werden. Deshalb den Kopf leicht nach vorne neigen – oder gegen eine seitliche Wand blitzen statt an die Decke. Dann kommt es von der Seite, und genau das wollten wir.

Der eigentliche Schritt: runter von der Kamera

Ihr braucht dafür zweierlei: eine Verbindung und einen Ständer – oder eine zweite Person.

Die Verbindung. Am billigsten ein Synchronkabel, am bequemsten ein Funkauslöser. Funkauslöser gibt es von Fremdherstellern schon für wenig Geld; sie übertragen entweder nur den Auslöseimpuls (dann stellt ihr die Leistung am Blitz von Hand) oder auch die Belichtungsdaten. Für den Anfang genügt Ersteres völlig und zwingt einen sogar dazu, das Prinzip zu verstehen.

Der Ständer. Ein leichtes Blitzstativ mit einem Neiger kostet wenig. Wer sparen will: Ein Freund, der den Blitz hält, ist beweglicher als jedes Stativ und kostet ein Getränk.

Wo hinstellen

Die Standardposition, mit der man selten falschliegt: etwa 45 Grad seitlich vor dem Motiv und etwas oberhalb der Augenhöhe.

  1. Kamera2 m
  2. Hauptlicht45° links · 1,5 m · 2 m hochder Standardplatz: schräg vorn, über Augenhöhe, nach unten geneigt
  3. Reflektor50° rechts · 1,2 meine weiße Platte gegenüber – sie füllt die Schatten, ohne ein zweites Licht zu sein
Von oben gesehen. Die Ringe sind Meter; das Hauptlicht steht 45° neben der Kameraachse.

Warum das funktioniert: Das Licht kommt aus einer Richtung, die wir aus der Natur kennen – Sonne und Fenster stehen selten direkt hinter dem Betrachter. Es entstehen Schatten, aber sie fallen dorthin, wo wir sie erwarten.

Von dort aus lohnt sich das Experimentieren:

  • Weiter zur Seite heißt mehr Kontrast, mehr Drama, halb beleuchtetes Gesicht.
  • Weiter nach vorne heißt weicher und gefälliger.
  • Tiefer als das Gesicht wirkt unheimlich – Licht von unten kennen wir aus Horrorfilmen, und das ist kein Zufall.
  • Hinter das Motiv ergibt Konturlicht, dann braucht ihr aber eine zweite Quelle oder vorhandenes Licht für die Vorderseite.

Kurz gefasst Die Position des Blitzes entscheidet über die Richtung der Schatten. Die Größe der Fläche, von der er kommt, entscheidet über ihre Härte. Beides hat mit dem Preis des Geräts nichts zu tun.

Größer machen

Ein nackter Blitz auf einem Ständer ist immer noch eine kleine Quelle – hart, nur eben aus der richtigen Richtung.

Weicher wird er durch alles, was die leuchtende Fläche vergrößert:

  • Ein Durchlichtschirm ist das beste Verhältnis aus Wirkung und Preis. Der Blitz leuchtet hindurch, aus fünf Zentimetern werden achtzig.
  • Eine Softbox wirkt ähnlich, streut aber weniger nach hinten. Praktisch in kleinen Räumen, wo man die Wände nicht mitbeleuchten will.
  • Ein Bettlaken oder Backpapier funktioniert im Notfall genauso.

Und der wichtigste Hebel kostet gar nichts: näher rangehen. Eine Softbox in einem Meter Abstand ist im Verhältnis riesig, dieselbe in vier Metern ist wieder klein.

Die Leistung von Hand

Im manuellen Blitzbetrieb stellt ihr die Leistung als Bruchteil ein: 1/1 ist volle Leistung, 1/2 die Hälfte, dann 1/4, 1/8 und so weiter. Jede Stufe entspricht einer Blendenstufe.

Der Ablauf in der Praxis ist derselbe wie beim Aufhellblitz:

  1. Blitz aus. Blende und Zeit so wählen, dass der Hintergrund so aussieht, wie ihr ihn wollt.
  2. Blitz an, Leistung bei 1/8 anfangen.
  3. Testbild, dann verdoppeln oder halbieren, bis das Motiv stimmt.

Nach ein paar Durchgängen trefft ihr es beim zweiten Versuch.

Zwei Blitze

Wer einmal mit einem entfesselten Blitz gearbeitet hat, will irgendwann einen zweiten. Der klassische Aufbau:

  • Führungslicht seitlich vorne, macht die Form.
  • Kantenlicht hinten schräg, trennt vom Hintergrund.

Das reicht für praktisch jedes Portrait. Mehr Geräte machen es nicht besser, nur komplizierter.

Übung

Ein Blitz, ein Kabel oder Funkauslöser, eine Person, ein dunkler Raum.

Macht fünf Bilder, bei denen sich nur die Position des Blitzes ändert: auf der Kamera, einen Meter links, einen Meter links und höher, direkt seitlich, schräg von hinten.

Sonst nichts verändern. Fünf Bilder derselben Person, fünf völlig verschiedene Stimmungen – mit demselben Gerät, das vorher immer flache Bilder gemacht hat.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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