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Ausrüstung

ND- und Polfilter: die zwei Filter, die Software nicht ersetzt

Fast jeder Filtereffekt lässt sich nachträglich nachbauen. Zwei nicht – und beide arbeiten mit Licht, das ohne sie gar nicht erst in der Datei landet.

Fortgeschritten4 Min.·Vitali Skidan·
Im rechten Winkel zur Sonne ist der Himmel am tiefsten. Genau diesen Effekt verstärkt ein Polfilter – und keine Software baut ihn nach.
ƒ/6.3 · 1/2900 s · ISO 200 · 39 mm (59 mm KB)Im rechten Winkel zur Sonne ist der Himmel am tiefsten. Genau diesen Effekt verstärkt ein Polfilter – und keine Software baut ihn nach.

Farbfilter, Weichzeichner, Sterneffekte – all das macht ein Bearbeitungsprogramm besser, schneller und rückgängig machbar.

Zwei Filter kann es nicht ersetzen, weil sie das Licht verändern, bevor es den Sensor erreicht.

Der Polfilter

Er lässt nur Licht einer bestimmten Schwingungsrichtung durch. Reflexionen sind teilweise polarisiert – also lassen sie sich damit unterdrücken.

Was er kann:

Spiegelungen entfernen. Auf Wasser, Glas, Lack, nassem Laub. Damit sieht man in einen See hinein statt auf ihn. Der einzige Weg, das zu erreichen.

Den Himmel abdunkeln. Blaues Himmelslicht ist teilweise polarisiert. Der Filter macht ihn tiefer und lässt weiße Wolken hervortreten. Das lässt sich digital nachahmen, aber nicht mit derselben Trennung.

Farben sättigen. Blätter, Blüten und Gras haben eine glänzende Oberfläche, die ihre Farbe überstrahlt. Ohne diesen Glanz wirken sie satter – nicht durch mehr Sättigung, sondern durch weniger Weiß.

Dunst reduzieren. In der Ferne, in gewissem Umfang.

Kurz gefasst Der Polfilter wirkt am stärksten im rechten Winkel zur Sonne und gar nicht, wenn die Sonne direkt vor oder hinter euch steht. Faustregel: Daumen und Zeigefinger zur Pistole, Zeigefinger auf die Sonne – der Daumen zeigt in die Richtung mit der stärksten Wirkung.

Was man beachten muss:

  • Er kostet ein bis zwei Blendenstufen Licht.
  • Er wird gedreht, und die Wirkung ändert sich dabei vollständig. Nach jedem Umsetzen neu einstellen.
  • Bei Weitwinkel unter etwa 24 mm wird der Himmel ungleichmäßig – auf einer Seite tiefblau, auf der anderen fahl, weil sich der Winkel zur Sonne über das Bild ändert. Das lässt sich nicht korrigieren.
  • Bei Panoramen abnehmen, aus demselben Grund. Siehe Panoramafotografie.
  • Nicht immer voll aufdrehen. Ein Himmel, aus dem alle Reflexion entfernt ist, wirkt fast schwarz und unnatürlich.
  • Zirkular, nicht linear kaufen. Linearpolfilter stören Autofokus und Belichtungsmessung moderner Kameras.

Der Graufilter (ND)

Eine graue Scheibe, die gleichmäßig Licht schluckt, ohne die Farbe zu verändern. Damit werden Zeiten möglich, die sonst überbelichtet wären.

FilterDichteStufenaus 1/125 s wird
ND20,311/60 s
ND40,621/30 s
ND80,931/15 s
ND641,861/2 s
ND4002,68,63,2 s
ND10003108 s
Ab der hervorgehobenen Zeile hilft kein ruhiger Atem mehr – das ist die Grenze, an der das Stativ zur Bedingung wird.

Wofür:

  • Fließendes Wasser glätten. Der bekannteste Einsatz. Bäche, Wasserfälle, Meer.
  • Wolken zu Streifen ziehen. Ab einer Minute Belichtungszeit.
  • Menschen verschwinden lassen. Wer sich auf einem belebten Platz bewegt, ist bei zwei Minuten nicht mehr im Bild.
  • Offene Blende bei Sonne. Ein Portrait bei ƒ/1.4 am Nachmittag – ansonsten unmöglich, weil die kürzeste Zeit der Kamera nicht ausreicht.
  • Blitzen bei Tageslicht mit offener Blende, wo die Blitzsynchronzeit begrenzt. Siehe Aufhellblitz.

Die Stärken:

BezeichnungFaktorBlendenstufen
ND8 / 0.98×3
ND64 / 1.864×6
ND1000 / 3.01000×10
ND100000 / 4.5100000×16 (Sonnenfinsternis)

Der ND1000 mit 10 Stufen ist der Standard für Landschaft: Aus 1/60 Sekunde werden damit rund 16 Sekunden.

Variable Graufilter lassen sich stufenlos verstellen – technisch zwei Polfilter gegeneinander. Bequem, aber sie erzeugen bei starker Einstellung ein dunkles Kreuz im Bild und sind an Weitwinkeln kaum brauchbar. Für den Anfang trotzdem eine vernünftige Wahl.

Der Grauverlaufsfilter

Oben dunkel, unten klar, mit weichem Übergang. Er gleicht den Unterschied zwischen hellem Himmel und dunkler Landschaft aus.

Das ist der eine Filter, den Software inzwischen weitgehend ersetzt: Der Dynamikumfang moderner Sensoren und der Verlaufsfilter in jedem Entwicklungsprogramm leisten dasselbe, ohne dass eine gerade Kante über ein Gebirge läuft.

Er bleibt nützlich, wenn der Kontrast wirklich extrem ist – Sonne im Bild – und für alle, die möglichst wenig bearbeiten wollen.

Der UV-Filter

Historisch sinnvoll, heute nicht mehr: Digitale Sensoren haben ohnehin einen UV-Sperrfilter.

Er wird als Schutzfilter verkauft. Darüber lässt sich streiten:

Dafür: Er schützt die Frontlinse vor Sand, Salzwasser, Spritzern und Fingern. Am Meer und bei Staub ist das ein echter Vorteil.

Dagegen: Jede zusätzliche Glasfläche kostet Kontrast und kann im Gegenlicht Reflexe erzeugen. Ein billiger Filter vor einem teuren Objektiv ist eine schlechte Rechnung.

Der pragmatische Umgang: bei Staub, Gischt und Menschenmengen drauf, sonst ab. Und wenn schon, dann ein guter – bei einem Schutzfilter für zehn Euro ist die Streulichtblende der bessere Schutz.

Was beim Kauf zählt

Der Durchmesser. Er steht auf dem Objektivdeckel. Wer mehrere Objektive hat, kauft den Filter für das größte und verwendet Step-up-Ringe für die kleineren. Das spart erheblich.

Die Qualität. Bei ND-Filtern ist ein Farbstich das häufigste Problem – billige Filter machen alles bräunlich oder magentafarben, und bei zehn Stufen ist das kaum zu korrigieren. Hier lohnt sich Markenware.

Die Fassung. Dünne Fassungen („Slim“) verhindern Vignettierung an Weitwinkelobjektiven. Sie haben oft kein Frontgewinde, sodass kein Deckel mehr passt.

Steckfiltersysteme mit Halter und rechteckigen Filtern sind teurer, aber flexibel: ein Filtersatz für alle Objektive, Verläufe verschiebbar, mehrere Filter kombinierbar.

Übung

Nehmt einen Polfilter und stellt euch an einem sonnigen Tag so, dass die Sonne seitlich steht.

Schaut durch den Filter und dreht ihn langsam einmal ganz herum, während ihr auf eine Wasserfläche oder eine Autoscheibe blickt.

Diese eine Umdrehung zeigt mehr über Polarisation als jede Erklärung – und danach dreht ihr nie wieder blind.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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