Diane Arbus, eine Fotografin mit Kontrasten

1068msv147xo8Diane Arbus hat mit ihrer Kamera jahrzehntelang das Leben hinter den wohlgesitteten Fassaden der prosperierenden Metropole New Yorks freigelegt und auf ihre einzigartige Weise dokumentiert.

Die Suche nach Geborgenheit

Als Kind wohlhabender russisch-jüdischer Einwanderer, wuchs sie mit ihren anderen beiden Geschwistern unter der Obhut dreier Kindermädchen in New York auf. Die Bindung zu ihren Eltern war dementsprechend kühl und distanziert. Eine Vaterfigur fand sie in ihrem älteren Bruder, der in späterer Zeit mit seinen literarischen Werken Weltberühmtheit erlangte. Der familiäre Zwist zeigte sich besonders mit ihrer Eheschließung. Gegen den Wunsch ihrer Eltern heiratete sie 1941 im Alter von 18 Jahren Allan Arbus. In den Nachkriegsjahren des Zweiten Weltkriegs hat sich Arbus gemeinsam mit ihrem Mann selbstständig gemacht und Modekollektionen für namhafte Modehäuser abgelichtet.

Neue Motive und Herausforderungen

In den darauffolgenden Jahren merkte Arbus schnell, dass sie für die Arbeit in einem Studio nicht geeignet sei und setzte andere Schwerpunkte bei ihrer Fotografie. Nach einer Phase von Depressionen kehrte sie nicht nur der angestammten Arbeit den Rücken zu sondern ging auch privat neue Wege. Über einige Workshops, die sie bei berühmten Fotografen absolvierte, fand sie den Weg zur Porträtfotografie. Bei der Wahl ihrer Modelle war Arbus sehr auf Randgruppen und Personen fixiert, die in der damaligen Gesellschaft kaum geduldet wurden. Deshalb gehören zu ihrem Sujets vornehmlich Transvestiten, Huren und Menschen mit körperlichen Abnormitäten. Bei der Suche nach Schnappschüssen hat sie sich an die verborgensten Orte New Yorks gewagt und das bunte Treiben in Refugien Andersartiger unverfälscht und eindringlich auf Film gebannt. Dabei haben sie auch Alltagsszenen in den Bann gezogen, wie etwa ein spielender Junge im Park oder ein Liebespaar auf einer Parkbank. Jedoch vermochte sie gekonnt die Modelle von einer „anderen“ Seite darzustellen, die viel geheimnisvoller und grotesker zu sein schien.

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Die Zeit der buten Magazine

In den sechziger Jahren arbeitete die Fotojournalistin für auflagenstarke Magazine, die international veröffentlicht wurden. Durch diese Tätigkeit konnte sie ihre besten und interessantesten Fotos machen, die später große Berühmtheit erlangten, wie etwa die „Identischen Zwillinge“ oder „Der jüdische Riese“. Gerne nahm sie auch Aufträge von Zeitschriften wie etwa Glamour, Essence, Harper’s Magazine und The New York Times entgegen. Durch ihre Pressezugehörigkeit standen ihr viele Türen offen. Dabei ging es hauptsächlich um Porträtierung der High society. Für Arbus bedeutete die Arbeit mit den Reichen und Schönen auch eine Zeit des Experimentierens. Sie suchte den Menschen hinter den künstlich aufgebauten Schein. Die entstandenen Aufnahmen haben einen bizarren Charakter; Arbus hat großen Wert darauf gelegt, die Menschen zwar ehrlich aber in ihrer vollen Würde einzufangen.

Schnelllebigkeit der Fotografie

Durch Stiftungsgelder wie etwa dem renommierten Guggenheim-Stipendium, konnte sie weiterhin als freie Fotografin tätig sein. Viele ihrer Arbeiten sind zusammen mit den Werken anderer, großer Fotografen in Ausstellungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Trotz des unverkennbaren Stellenwertes der Ausstellungen, war ihr ein finanzieller Erfolg nicht vergönnt. Durch rückläufige Auftragslagen war sie zunehmend gezwungen, ihr Betätigungsfeld auszuweiten und auch Lehrtätigkeiten anzunehmen. Zudem litt die körperlich angeschlagene Arbus seit ihrer frühen Kindheit an Depressionen, die sie in Schüben immer wieder heimsuchten. In einer Künstlerkolonie suchte sie den Halt, den sie bei ihrer rastlosen Arbeit so nötig hatte. Vielleicht überfordert von dem sich langsam einstellenden Erfolg und der weltweiten Anerkennung in Form von renommierten Auszeichnungen, begann sie das bisher Fotografierte im Privaten zu adaptieren. Sie suchte die Erfahrung aus erster Hand und ließ sich auf kurzlebige Verhältnisse mit verschiedenen Kollegen und Freunden beiderlei Geschlechts ein. Wie sie selbst schon mehrmals prophezeite, wurde sie mit offenen Pulsadern am 28. Juli 1971 tot aufgefunden. Noch heute werden in regelmäßigen Abständen Fotos aus dem großen Vermächtnis ausgestellt. Ihr Lebenswerk wird in zahlreichen Retrospektiven gewürdigt und durch heutige Künstler fortgeführt und neu interprätiert.

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Bildquelle: http://johannaschall.blogspot.de/2011/05/noch-einmal-diane-arbus.html

 

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