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Ausrüstung

Lichtstärke, Blendenzahl und was ein Objektiv teuer macht

Zwischen einem 50er für 120 Euro und einem für 1.800 Euro liegt eine Blendenstufe – und eine Menge Physik, die diese Stufe so teuer macht.

Fortgeschritten4 Min.·Vitali Skidan·
ƒ/1.4 an 56 mm: Der Mensch im Vordergrund wird zur Fläche. Das ist keine Unschärfe aus Versehen, sondern das, wofür ein lichtstarkes Objektiv gekauft wird.
ƒ/1.4 · 1/320 s · ISO 200 · 56 mm (84 mm KB)ƒ/1.4 an 56 mm: Der Mensch im Vordergrund wird zur Fläche. Das ist keine Unschärfe aus Versehen, sondern das, wofür ein lichtstarkes Objektiv gekauft wird.

Ein Objektiv wird über zwei Zahlen beschrieben: Brennweite und größte Blende. Die erste bestimmt den Bildausschnitt, die zweite entscheidet über Preis, Gewicht und Größe.

Warum das so ist, erklärt fast alles, was auf dem Objektivmarkt vor sich geht.

Was die Blendenzahl bedeutet

Die Blendenzahl ist ein Verhältnis: Brennweite geteilt durch den Durchmesser der wirksamen Öffnung.

Ein 50-mm-Objektiv mit ƒ/2 hat also eine Öffnung von 25 Millimetern. Ein 200-mm-Objektiv mit ƒ/2 bräuchte 100 Millimeter – eine Frontlinse von zehn Zentimetern Durchmesser.

Genau daran hängt der Preis. Die Menge Glas wächst nicht linear mit dem Durchmesser, sondern etwa mit seinem Quadrat oder mehr. Und großes Glas muss in höherer Genauigkeit geschliffen werden, weil Fehler am Rand stärker wirken.

Kurz gefasst Eine Blendenstufe mehr heißt: doppelte Lichtmenge, ungefähr die anderthalbfache Frontlinse, das Doppelte bis Vierfache an Preis und deutlich mehr Gewicht. Das ist der Grund für jede Preisliste im Objektivbereich.

Warum ein 50er billig und ein 24-70er teuer ist

Eine Festbrennweite hat eine Aufgabe. Alle Linsen sind für eine einzige Brennweite gerechnet. Deshalb kann sie bei gleichem Preis lichtstärker und besser sein als ein Zoom.

Das 50-mm-Objektiv mit ƒ/1.8 ist zusätzlich ein Sonderfall: Sein optischer Aufbau ist seit Jahrzehnten bekannt, es wird in großen Stückzahlen gebaut, und es braucht bei Kleinbild kaum Korrekturen. Deshalb kostet es 120 bis 250 Euro und ist besser als vieles, was das Zehnfache kostet.

Ein Zoom muss über den ganzen Bereich funktionieren. Bei jeder Zwischenstellung müssen alle Fehler korrigiert sein. Deshalb braucht ein lichtstarkes Zoom fünfzehn bis zwanzig Linsen in mehreren beweglichen Gruppen.

Ein 24-70 mm mit durchgehend ƒ/2.8 ist eine der schwierigsten Rechenaufgaben der Optik. Deshalb kostet es das, was es kostet.

Durchgehend oder variabel

Auf günstigen Zooms steht ƒ/3.5-5.6. Das heißt: bei kurzer Brennweite ƒ/3.5, bei langer nur noch ƒ/5.6.

Der Grund folgt aus der Formel oben: Bei 105 mm bräuchte ƒ/3.5 eine Öffnung von 30 Millimetern statt der 5 Millimeter, die bei 18 mm nötig wären. Die Konstruktion lässt die Öffnung deshalb einfach kleiner werden.

Praktisch heißt das: Genau dort, wo man das Licht am nötigsten braucht – im Telebereich, drinnen –, ist das Objektiv am dunkelsten. Das ist die wichtigste Schwäche der Kit-Objektive.

Ein durchgehend lichtstarkes Zoom hält die Öffnung über den ganzen Bereich. Das ist teuer, schwer und im Alltag ein spürbarer Unterschied.

Was ein Objektiv sonst noch teuer macht

Besondere Glassorten. ED-, UD- oder LD-Glas gegen Farbsäume an harten Kanten; asphärische Linsen gegen Randunschärfe und Verzeichnung. Beide sind teuer in Herstellung und Prüfung.

Vergütungen. Dünne Schichten auf jeder Glasfläche verhindern Reflexionen. Bei zwanzig Linsen sind das vierzig Flächen – ohne gute Vergütung entsteht Schleier, besonders im Gegenlicht.

Der Autofokusantrieb. Ein Linearmotor, der eine schwere Linsengruppe in Millisekunden bewegt und dabei leise bleibt, ist ein erheblicher Kostenblock.

Abdichtung und Mechanik. Gummidichtungen an jedem Ring, Metall statt Kunststoff, Blenden mit vielen abgerundeten Lamellen für rundes Bokeh.

Bildstabilisierung im Objektiv, mit eigenen Sensoren und Antrieben.

Wo Objektive am besten zeichnen

Kaum ein Objektiv ist bei offener Blende am schärfsten. Der beste Bereich liegt fast immer zwei bis drei Stufen darüber:

Anfangsöffnungbester Bereich
ƒ/1.4ƒ/2.8 bis ƒ/5.6
ƒ/1.8ƒ/4 bis ƒ/5.6
ƒ/2.8ƒ/5.6 bis ƒ/8
ƒ/4ƒ/5.6 bis ƒ/11

Nach oben ist bei ƒ/11 bis ƒ/16 Schluss: Dann beginnt die Beugung das Bild wieder weicher zu machen. Bei kleineren Sensoren setzt sie früher ein – bei APS-C ab etwa ƒ/8, bei MFT ab ƒ/5.6.

Daraus folgt ein oft übersehener Punkt: Die große Anfangsöffnung wird nicht nur wegen des Lichts gekauft. Sie verschiebt auch den optimalen Bereich nach unten. Ein ƒ/1.4-Objektiv ist bei ƒ/2.8 hervorragend, ein ƒ/2.8-Objektiv bei ƒ/2.8 nur ordentlich.

Was Zahlen nicht sagen

Zwei Objektive mit gleichen Daten können sehr verschieden aussehen. Was Tests mit Auflösungstafeln nicht erfassen:

Das Bokeh – wie unscharfe Bereiche gezeichnet werden. Weich und gleichmäßig, oder mit harten Ringen um jeden Lichtpunkt. Hängt von der Zahl und Form der Blendenlamellen und von der Korrektur ab.

Der Mikrokontrast – wie plastisch feine Strukturen wirken. Der Grund, warum manche alten Objektive Anhänger haben.

Die Farbcharakteristik. Objektive derselben Marke passen meist zueinander, verschiedene Marken nicht unbedingt.

Das Verhalten im Gegenlicht. Manche Objektive verlieren dort allen Kontrast, andere bleiben klar.

Deshalb lohnt es sich, Bildbeispiele anzusehen statt nur Messwerte.

Was das für den Kauf heißt

Eine lichtstarke Festbrennweite ist fast immer der größere Schritt als ein teureres Zoom. 50 mm ƒ/1.8 oder 35 mm ƒ/1.8 kosten wenig und verändern die Bilder mehr als ein neues Gehäuse.

ƒ/4-Zooms sind unterschätzt. Sie sind halb so schwer und halb so teuer wie die ƒ/2.8-Fassungen und optisch oft ebenbürtig. Wer draußen fotografiert und den Rucksack den ganzen Tag trägt, fährt damit besser.

Fremdhersteller. Sigma, Tamron, Viltrox und Samyang liefern seit Jahren Objektive, die den Originalen ebenbürtig sind – oft zu zwei Dritteln des Preises.

Mehr zur Auswahl unter Das erste Objektiv und Festbrennweite oder Zoom; zur Bedeutung der Kürzel unter Objektivkürzel.

Übung

Nehmt euer lichtstärkstes Objektiv und fotografiert dasselbe Motiv bei jeder Blendenstufe von offen bis ƒ/16 – vom Stativ, mit gleichem Fokus.

Vergleicht die Bildmitte und die Ecken bei hundert Prozent.

Ihr findet damit den Bereich, in dem euer Objektiv am besten zeichnet. Diese zwei oder drei Blendenwerte sind ab jetzt eure Voreinstellung, wenn es auf Schärfe ankommt.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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