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Ausrüstung

Die erste Kamera kaufen: sieben Fragen vor dem Klick

Fast jede Kamera der letzten zehn Jahre ist gut genug. Die Frage ist nicht, welche die beste ist, sondern welche zu dem passt, was ihr vorhabt.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Ich schreibe hier bewusst keine Modellempfehlungen. Was heute der Tipp ist, ist in achtzehn Monaten abgelöst – der Altbestand dieser Seite ist voll von Testberichten zu Kameras, die niemand mehr kennt.

Was sich nicht ändert, sind die Fragen, die man sich vorher stellen sollte. Sieben Stück, in dieser Reihenfolge.

1. Was will ich fotografieren?

Die einzige Frage, die wirklich zählt, und die einzige, die niemand für euch beantworten kann.

  • Familie, Reise, Alltag → klein und leicht schlägt technisch überlegen. Eine Kamera, die zu Hause bleibt, macht keine Bilder.
  • Portraits → lichtstarkes Objektiv wichtiger als das Gehäuse.
  • Sport, Tiere → Autofokus und Serienbildrate entscheiden.
  • Landschaft → Auflösung und Dynamikumfang, dafür ist Tempo egal.
  • Konzerte, Innenräume → gutes Verhalten bei hohem ISO.
  • Video nebenbei → eigene Anforderungen, die viele erst später merken.

2. Wie viel Gewicht trage ich freiwillig?

Der am meisten unterschätzte Punkt. Eine Vollformatkamera mit zwei Objektiven wiegt schnell zwei Kilo. Nach drei Stadtwanderungen weiß man, ob das die richtige Entscheidung war.

Ein ehrlicher Test vor dem Kauf: Nehmt die Kamera im Laden in die Hand und stellt euch vor, sie fünf Stunden umzuhängen.

3. Welcher Sensor?

Größere Sensoren liefern bei gleichem Bildausschnitt mehr Freistellung und mehr Reserven bei wenig Licht. Sie machen die Kameras und besonders die Objektive aber größer, schwerer und teurer.

Für die meisten ist APS-C der beste Kompromiss. Vollformat lohnt sich, wenn ihr gezielt freistellen wollt oder oft bei sehr wenig Licht arbeitet. Micro Four Thirds, wenn Gewicht die oberste Priorität hat.

Ausführlich: Vollformat, APS-C oder MFT.

4. Spiegellos oder Spiegelreflex?

Diese Frage hat sich weitgehend erledigt. Neue Systeme sind spiegellos, und die Hersteller entwickeln dort ihre Objektive weiter.

Was spiegellos bietet: Man sieht die Belichtung schon im Sucher, bevor man auslöst. Das ist beim Lernen ein echter Vorteil – der Zusammenhang zwischen Einstellung und Ergebnis wird sichtbar statt theoretisch. Dazu bessere Augenerkennung und kleinere Gehäuse.

Wofür eine gebrauchte Spiegelreflex trotzdem spricht: Sie ist billig, Objektive dafür sind billig, und der optische Sucher braucht keinen Akku. Wer mit kleinem Budget einsteigen will, bekommt für 300 Euro eine Ausrüstung, die vor zehn Jahren 1.500 gekostet hat.

5. Neu oder gebraucht?

Kameras altern langsamer, als der Markt suggeriert. Ein Gehäuse von 2019 macht 2026 dieselben Bilder wie 2019.

Gebraucht kaufen halbiert das Budget oder verdoppelt, was man dafür bekommt. Worauf zu achten ist, steht unter Kamera gebraucht kaufen.

Mein Rat für den Einstieg: Gehäuse gebraucht, Objektiv neu oder gebraucht. Das Gehäuse verliert an Wert, das gute Objektiv behält ihn.

6. Welches System?

Das ist die Entscheidung mit den längsten Folgen. Das Gehäuse tauscht ihr irgendwann; die Objektive bleiben, und mit ihnen der Bajonettanschluss.

Worauf zu achten ist:

  • Gibt es die Objektive, die ich brauchen werde? Nicht die, die es gibt, sondern die, die zu meinen Themen passen.
  • Gibt es sie auch von Fremdherstellern? Das entscheidet über die Preise.
  • Wie ist der Gebrauchtmarkt? Große Systeme sind hier klar im Vorteil.

Was nicht zählt: welches System die besten Testergebnisse hat. Die Unterschiede zwischen den großen Anbietern sind für den Alltag ohne Bedeutung.

7. Wie viel Budget geht ins Objektiv?

Die Faustregel, die ich jedem gebe: Mehr Geld ins Objektiv als ins Gehäuse.

Ein günstiges Gehäuse mit einer lichtstarken Festbrennweite macht bessere Bilder als ein teures Gehäuse mit dem Kit-Zoom. Immer.

Das Kit-Objektiv ist nicht schlecht, aber lichtschwach – ƒ/3.5 bis ƒ/5.6 heißt, dass drinnen und abends schnell Schluss ist. Eine 35er oder 50er Festbrennweite mit ƒ/1.8 kostet wenig und verändert mehr als jedes Gehäuse-Upgrade. Siehe Das erste Objektiv.

Kurz gefasst Erst überlegen, was fotografiert werden soll. Dann das System wählen, weil es lange bleibt. Dann Gehäuse gebraucht und Geld ins Objektiv. Die Frage nach dem besten Modell stellt sich danach kaum noch.

Was ihr nicht braucht

Ein paar Dinge, die im Laden verkauft werden und im Alltag nichts bringen:

Megapixel über etwa 24. Für Bildschirm und Abzüge bis A3 ist alles darüber Speicherplatzverbrauch. Relevant nur, wenn ihr stark ausschneidet oder groß druckt.

Die neueste Generation. Der Unterschied zum Vorgängermodell ist fast immer kleiner als der Preisunterschied.

Ein zweites Zoom im Set. Die typischen Doppel-Zoom-Kits sind billig, weil beide Objektive lichtschwach sind. Ein einziges gutes Objektiv ist mehr wert.

Ein UV- oder Schutzfilter. Ein billiger Filter vor einem guten Objektiv kostet Kontrast und macht im Gegenlicht Reflexe. Wenn Schutz, dann ein guter – oder die Gegenlichtblende, die denselben Zweck erfüllt.

Wenn ihr euch nicht entscheiden könnt

Dann leiht euch eine. Viele Fotoläden vermieten, und ein Wochenende mit einer Kamera sagt mehr als zwanzig Tests.

Und wenn das nicht geht: Nehmt die günstigere Variante. Wer nach einem Jahr merkt, dass er mehr braucht, weiß dann genau, was – und hat in der Zwischenzeit fotografiert statt recherchiert.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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