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Ausrüstung

Das erste Objektiv nach dem Kit-Zoom

Die günstigste Anschaffung mit der größten Wirkung. Eine lichtstarke Festbrennweite verändert mehr als jedes neue Gehäuse – die Frage ist nur, welche.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Das Kit-Objektiv ist nicht schlecht. Es ist lichtschwach – und das ist etwas anderes.

ƒ/3.5 bis ƒ/5.6 bedeutet: Drinnen wird es eng, abends ist Schluss, und freistellen lässt sich kaum etwas. Wer diese drei Dinge will, braucht als Nächstes kein neues Gehäuse, sondern eine lichtstarke Festbrennweite.

Sie kostet in fast jedem System weniger als ein Wochenendausflug und verändert mehr als drei Gehäusegenerationen.

Welche Brennweite

Die Antwort hängt vom Sensor ab, weil dieselbe Brennweite unterschiedliche Ausschnitte liefert. Umgerechnet auf Kleinbild:

Wirkung wie …an Vollformatan APS-Can MFT
Weitwinkel, Reportage28 mm18 mm14 mm
Reportage, Alltag35 mm23–24 mm17 mm
Normal, universell50 mm33–35 mm25 mm
Portrait85 mm56 mm42,5 mm

Und jetzt die Auswahl nach dem, was ihr fotografiert:

35 mm (Kleinbild-Äquivalent) – die vielseitigste. Nah genug für Menschen im Zusammenhang, weit genug für Räume und Straßen. Wenn ich nur eine Brennweite für den Rest meines Lebens haben dürfte, wäre es diese.

50 mm – die klassische Wahl, oft die günstigste im Programm. Enger als 35, dadurch stärkere Freistellung und weniger Ablenkung im Bild. In kleinen Räumen schnell zu eng.

85 mm – die Portraitbrennweite. Formatfüllende Gesichter ohne Verzerrung, starke Freistellung. Für alles andere zu lang.

Meine Empfehlung für den Anfang

35 mm Kleinbild-Äquivalent, ƒ/1.8.

Der Grund: Sie zwingt euch nah heran, ohne dass Gesichter verzerren. Sie funktioniert für Menschen, Räume, Straße, Reise und im Notfall auch für Landschaft. Und sie ist genau der Bereich, in dem Bilder entstehen, die aussehen, als wäre man dabei gewesen.

Wer weiß, dass er hauptsächlich Portraits machen will, nimmt stattdessen die 85er. Wer hauptsächlich in engen Räumen fotografiert, die 28er.

Was die Zahlen auf dem Objektiv bedeuten

Die Lichtstärke ist die kleinste erreichbare Blendenzahl. Ein einzelner Wert wie ƒ/1.8 heißt Festbrennweite. Zwei Werte wie ƒ/3.5–5.6 heißen Zoom mit variabler Lichtstärke – bei der längsten Brennweite bleibt nur noch ƒ/5.6.

Die Brennweite in Millimetern. Einzelwert bei Festbrennweiten, Bereich bei Zooms.

Der Filterdurchmesser, meist mit einem ⌀-Zeichen. Wichtig beim Filterkauf.

Die Kürzel – IS, VR, OSS für Bildstabilisator; USM, STM, AF-S für den Fokusmotor; DX, EF-S, DC für Objektive, die nur an APS-C passen. Letzteres solltet ihr prüfen, wenn ihr später auf Vollformat wechseln wollt.

Kurz gefasst Eine 35er oder 50er mit ƒ/1.8, passend zu eurem Sensorformat. Weniger als drei Blendenstufen mehr Licht als das Kit-Zoom, und der größte Sprung, den ihr für das Geld bekommen könnt.

Original oder Fremdhersteller

Sigma, Tamron, Viltrox, Samyang und andere bauen Objektive für die gängigen Bajonette, oft deutlich günstiger und teils optisch besser als die Originale.

Worauf zu achten ist:

  • Autofokus-Kompatibilität. Bei aktuellen spiegellosen Systemen sind die Protokolle teils lizenziert, teils nachgebaut. Vor dem Kauf prüfen, ob eure Kamera unterstützt wird.
  • Firmware-Updates. Gute Hersteller liefern sie, wenn Kameras neu erscheinen.
  • Wiederverkaufswert. Originale halten ihn etwas besser.

Für den Einstieg spricht wenig gegen einen Fremdhersteller. Die Preisunterschiede sind erheblich, die Qualitätsunterschiede meist nicht.

Manuelle Objektive

Es gibt sehr günstige, sehr lichtstarke Objektive ohne Autofokus – teils neu, teils alt mit Adapter. Optisch oft überraschend gut.

Für Landschaft, Makro und Stillleben eine ernsthafte Option. Für Menschen, Kinder und Sport nicht: Bei ƒ/1.4 von Hand auf ein bewegtes Auge zu fokussieren gelingt selten.

Wer eine spiegellose Kamera hat, bekommt dabei Hilfe durch Fokus-Peaking und Lupe – das macht es machbar, aber nicht schnell.

Was ihr nicht braucht

Ein Superzoom (18–200 oder 24–240). Klingt praktisch und ist der schlechteste Kompromiss von allen: lichtschwach über den ganzen Bereich und optisch an beiden Enden schwach.

Ein zweites Zoom, das den Bereich fortsetzt. Die typischen Doppel-Zoom-Sets sind billig, weil beide Objektive wenig Licht durchlassen.

Ein Schutzfilter für 15 Euro. Er kostet Kontrast und macht im Gegenlicht Reflexe. Wenn ihr das Objektiv schützen wollt, nehmt die Gegenlichtblende – die liegt meistens dabei und schützt gegen Stöße mehr als ein Filter.

Übung vor dem Kauf

Klebt den Zoomring eures Kit-Objektivs bei 35 mm Äquivalent fest und fotografiert eine Woche so.

Wenn es sich eng anfühlt, nehmt die 28er. Wenn es sich weit anfühlt, nehmt die 50er. Wenn es passt, wisst ihr, was ihr kaufen sollt – und habt es an eurer eigenen Erfahrung entschieden statt an einem Testbericht.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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