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Fotografie-Arten

Landschaftsfotografie: Geduld, Licht und der richtige Standpunkt

Das Motiv läuft nicht weg, und genau das ist die Schwierigkeit: Man muss selbst entscheiden, wann und von wo – und dann wiederkommen.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·
Der Dunst staffelt die Ketten nach hinten. Diese Tiefe entsteht durch die Luft, nicht durch das Objektiv.
ƒ/8 · 1/950 s · ISO 200 · 18 mm (27 mm KB)Der Dunst staffelt die Ketten nach hinten. Diese Tiefe entsteht durch die Luft, nicht durch das Objektiv.

Landschaftsfotografie sieht nach der entspanntesten Disziplin aus. Nichts bewegt sich, niemand muss überredet werden, es gibt keine Zeitnot.

Genau darin liegt das Problem. Wo nichts drängt, wird nichts entschieden – und das häufigste Ergebnis ist ein Bild, das zeigt, dass man dort war, aber nicht, warum es sich gelohnt hat.

Die Technik ist schnell erzählt

Blende ƒ/8 bis ƒ/11. Dort liefern die meisten Objektive ihre beste Schärfe. Weiter zuzumachen bringt bei Landschaft selten mehr Tiefenschärfe, als ohnehin da ist, kostet aber Detailschärfe.

ISO auf den niedrigsten Wert. Zeit spielt keine Rolle, wenn ein Stativ da ist.

Fokus ins erste Drittel. Nicht auf den Horizont – der scharfe Bereich reicht weiter nach hinten als nach vorne. Wer auf einen weit entfernten Punkt fokussiert, verschenkt den Vordergrund. Siehe Schärfentiefe.

Stativ. Nicht wegen der Verwacklung allein, sondern weil es zwingt, langsamer zu werden. Ein Bild, das man aufbaut, ist ein anderes als eines, das man im Vorbeigehen macht.

Der Vordergrund entscheidet

Der Unterschied zwischen Postkarte und Bild liegt fast immer im unteren Bilddrittel.

Ein weiter Blick allein ist flach – das Auge hat nichts, woran es sich festhält. Ein Stein, ein Grasbüschel, Wasser, eine Wurzel im Nahbereich gibt dem Bild Tiefe und einen Einstieg.

Der Griff dazu: runtergehen und näher ran. Der häufigste Fehler ist, aus Augenhöhe und aus fünf Metern Entfernung zu fotografieren. Aus vierzig Zentimetern über dem Boden, mit dem Vordergrund direkt vor der Linse, wird dieselbe Landschaft ein anderes Bild.

Licht ist nicht Wetter

Blauer Himmel ist beliebt und langweilig. Ein wolkenloser Mittag liefert gleichmäßiges, hartes Licht ohne Struktur – die schlechteste Kombination.

Was gute Landschaftsbilder macht:

  • Goldene Stunde – flaches Licht, lange Schatten, Struktur im Gelände.
  • Blaue Stunde – kühl, gleichmäßig, gut für Wasser und Silhouetten.
  • Nach dem Regen – gesättigte Farben, dramatische Wolken, oft ein Lichtstrahl.
  • Nebel – der beste Freund der Landschaftsfotografie, weil er Ebenen trennt und den Rest wegnimmt.

Wer nur bei schönem Wetter losgeht, bekommt nur schöne Wetterbilder.

Kurz gefasst Der Standpunkt ist wichtiger als das Objektiv, der Vordergrund wichtiger als die Aussicht, und das Licht wichtiger als beides. Alle drei kosten nur Zeit.

Wiederkommen

Das ist der unbequemste Teil und der, der am meisten bringt.

Ein Ort sieht bei jedem Licht und in jeder Jahreszeit anders aus. Die guten Landschaftsbilder entstehen selten beim ersten Besuch, sondern beim dritten – wenn man weiß, wo die Sonne aufgeht, wo man stehen muss und worauf man wartet.

Praktisch heißt das: Beim ersten Besuch sucht ihr den Standpunkt und macht Notizen oder Handybilder. Beim zweiten kommt ihr zur richtigen Zeit wieder.

Ein Ort in der Nähe, den ihr fünfmal fotografiert habt, liefert bessere Bilder als fünf Orte, die ihr einmal gesehen habt.

Zwei Filter, die Software nicht ersetzt

Der Polfilter nimmt Reflexionen von nicht-metallischen Oberflächen. Er macht Wasser durchsichtig, entfernt den Glanz von nassem Laub und sättigt den Himmel. Das lässt sich am Rechner nicht nachbauen, weil die Information gar nicht erst im Bild ist.

Wirkung ist am stärksten im rechten Winkel zur Sonne. Bei Weitwinkel Vorsicht: Der Himmel wird dann ungleichmäßig dunkel.

Der Graufilter (ND) nimmt Licht weg und ermöglicht lange Zeiten bei Tageslicht – für fließendes Wasser und ziehende Wolken. Siehe Langzeitbelichtung.

Mehr dazu unter ND- und Polfilter.

Der Horizont

Zwei Regeln, die fast immer gelten:

Gerade. Ein schiefer Horizont fällt jedem auf, auch Leuten, die sich für Bilder nicht interessieren. Wasserwaage in der Kamera einschalten.

Nicht in der Mitte. Ist der Himmel interessant, setzt den Horizont ins untere Drittel. Ist der Vordergrund interessant, ins obere. In der Mitte teilt er das Bild in zwei gleich starke Hälften, die um Aufmerksamkeit konkurrieren.

Ausnahme: perfekte Spiegelungen in stillem Wasser. Dort ist die Mitte richtig.

Welches Objektiv

Weitwinkel ist die naheliegende Wahl und oft die falsche. Ein 16-mm-Objektiv macht aus einem beeindruckenden Bergpanorama einen kleinen Hügel am Horizont, weil alles weiter weg wirkt.

Nützlicher als gedacht:

  • Normalbrennweite für Bilder, die so wirken, wie es sich angefühlt hat.
  • Tele (100 bis 200 mm) für Ausschnitte: Bergketten, die sich hintereinander staffeln, Lichtflecken auf einem Hang, ein einzelner Baum. Teleaufnahmen schieben Ebenen zusammen und sind oft die stärkeren Landschaftsbilder.

Weitwinkel lohnt sich, wenn ihr einen kräftigen Vordergrund habt. Ohne Vordergrund ist es meistens die falsche Wahl.

Übung

Sucht euch einen Ort in Gehweite eurer Wohnung, der nicht spektakulär ist – ein Feldweg, ein Teich, eine Baumgruppe.

Fotografiert ihn fünfmal: an fünf verschiedenen Tagen, zu fünf verschiedenen Tageszeiten, bei fünf verschiedenen Wetterlagen.

Ihr werdet sehen, dass derselbe langweilige Ort einmal wirklich gut aussieht. Und ihr werdet danach besser einschätzen können, wann es sich lohnt, überhaupt loszugehen.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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