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Ausrüstung

Stativ kaufen: worauf es tatsächlich ankommt

Das erste Stativ ist meistens das billigste, das zweite das richtige. Welche drei Zahlen entscheiden – und warum das Gewicht die wichtigste davon ist.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Es gibt einen Satz, den Fotografen einander seit Jahrzehnten sagen: Man kauft zweimal ein billiges Stativ und danach ein gutes. Er stimmt, und dieser Artikel soll ihn überflüssig machen.

Die drei Zahlen

Tragkraft. Die Angabe des Herstellers ist optimistisch. Rechnet mit dem Doppelten dessen, was ihr draufstellt: Kamera plus schwerstes Objektiv plus Blitz. Eine Kombination von 2 Kilogramm braucht ein Stativ, das mit 5 angegeben ist.

Arbeitshöhe ohne Mittelsäule. Das ist die wichtigste und die am seltensten angegebene Zahl. Ein Stativ soll euch bis Augenhöhe bringen, ohne dass die Mittelsäule ausgefahren wird – denn eine ausgefahrene Mittelsäule ist ein Einbeinstativ auf drei Beinen und der größte Wackelfaktor am ganzen Gerät.

Ihr braucht also: eure Augenhöhe minus etwa 10 Zentimeter für den Kopf.

Gewicht. Die Zahl, an der die meisten Fehlkäufe hängen. Und zwar in beide Richtungen.

Kurz gefasst Das beste Stativ ist das, das ihr mitnehmt. Ein schweres, sehr stabiles Stativ, das zu Hause bleibt, macht keine Bilder – und ein federleichtes, das im Wind zittert, auch nicht.

Aluminium oder Karbon

Aluminium ist günstiger und robuster gegen Stöße. Es ist etwa dreißig Prozent schwerer und wird bei Kälte unangenehm in den Händen. Es leitet Vibrationen etwas länger.

Karbon ist leichter bei gleicher Stabilität, dämpft Schwingungen besser und ist bei Kälte griffig. Es kostet ungefähr das Doppelte.

Die ehrliche Empfehlung: Wer sein Stativ ins Auto legt, nimmt Aluminium. Wer es tragen muss – Wandern, Reisen, Stadt –, nimmt Karbon und spart dafür an anderer Stelle.

Die Beine

Anzahl der Segmente. Drei Segmente sind stabiler, vier packen kürzer zusammen. Fünf gibt es bei Reisestativen; dort ist das unterste Segment so dünn, dass es merklich nachgibt.

Verschlüsse. Klemmhebel oder Drehverschlüsse. Klemmhebel gehen schneller und lösen sich seltener von selbst; Drehverschlüsse sind schlanker, halten Schmutz besser ab und lassen sich alle gleichzeitig mit einem Griff lösen. Eine Geschmacksfrage.

Spreizwinkel. Gute Stative haben zwei oder drei Raststufen. Der flachste Winkel ist der, wegen dem man sie kauft: Damit kommt die Kamera dicht über den Boden – für Makro, für Blumen, für tiefe Perspektiven.

Kein Mittelsäulenkreuz. Manche billigen Stative haben eine Strebe zwischen den Beinen. Sie stabilisiert und verhindert genau das, was oben steht: einen flachen Spreizwinkel und unebenes Gelände.

Was man am Stativ tatsächlich braucht

Ein Haken unten an der Mittelsäule. Dort hängt man die Fototasche ein. Zusätzliches Gewicht am Schwerpunkt ist die wirksamste Stabilisierung, die es gibt, und sie kostet nichts.

Eine umkehrbare Mittelsäule oder eine, die sich waagerecht stellen lässt. Für Makro und Reprofotografie.

Ein Bein, das sich zum Einbeinstativ abschrauben lässt. Praktisch, wenn man beides mitnehmen will, aber nicht beides tragen.

Gummifüße mit Spikes darunter. Gummi auf Stein und Holz, Spikes auf Erde und Kies.

Was man nicht braucht

Eine eingebaute Wasserwaage. Sie sitzt unter dem Kopf und ist damit für die Kamera nutzlos. Die Wasserwaage im Kameradisplay ist genauer.

Eine Handyhalterung, ein Fernauslöser im Lieferumfang, eine Tragetasche aus Nylon. Zubehör, das den Preis rechtfertigen soll.

Maximale Höhe über 180 Zentimeter, wenn sie nur mit Mittelsäule erreicht wird.

Der Kopf ist eine eigene Entscheidung

Stativbeine und Stativkopf werden bei guten Herstellern getrennt verkauft, und das ist sinnvoll: Der Kopf verschleißt und wird gewechselt, die Beine halten zwanzig Jahre.

Bei Sets aus dem Elektromarkt sitzt der Kopf fest. Das ist der Hauptgrund, warum man sie zweimal kauft.

Welcher Kopf wofür, steht unter Stativkopf.

Das Reisestativ

Ein eigener Fall, weil dort andere Kompromisse gelten.

Ein Reisestativ packt auf 35 bis 45 Zentimeter zusammen – meist dadurch, dass sich die Beine um 180 Grad nach oben klappen lassen und den Kopf umschließen. Es wiegt zwischen 1 und 1,5 Kilogramm.

Der Preis dafür: weniger Höhe, dünnere unterste Segmente, mehr Aufbauzeit. Für einen Städtetrip ist es die richtige Wahl, für Landschaft bei Wind nicht.

Wann ein Stativ überflüssig ist

Damit der Artikel ehrlich bleibt: Für Portraits, Reportage, Straße, Kinder, Sport und alles, was sich bewegt, braucht ihr keines. Der Bildstabilisator und ein lichtstarkes Objektiv sind dort die bessere Antwort.

Ein Stativ braucht ihr für:

  • Langzeitbelichtungen und Nachtaufnahmen
  • Astrofotografie
  • Belichtungsreihen und Panoramen
  • Makro mit Focus Stacking
  • Innenräume und Architektur
  • Produktaufnahmen mit gleichbleibendem Ausschnitt

Der gemeinsame Nenner: überall dort, wo derselbe Ausschnitt mehrfach gebraucht wird oder wo lange Zeiten nötig sind.

Übung

Bevor ihr kauft: Stellt euch mit einem Zollstock hin und messt eure Augenhöhe.

Zieht 10 Zentimeter für den Kopf ab. Diese Zahl ist die Arbeitshöhe ohne Mittelsäule, die euer Stativ mindestens haben muss.

Vergleicht sie mit den Datenblättern der Stative in eurer Preisklasse. Ihr werdet feststellen, dass die meisten sie nur mit ausgefahrener Mittelsäule erreichen – und ihr habt damit die Hälfte der Auswahl aussortiert, bevor ihr irgendetwas anfasst.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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