Die Straßenfotografie, ein Fotografie-Art die das Leben im öffentlichen Raum dokumentiert, hält den menschlichen Alltag fest und fängt Persönlichkeiten und Schicksale von Fremden ein. Doch was auf den ersten Blick simpel erscheinen mag, ist in der Praxis schwere Arbeit. Worauf muss bei der Street-Fotografie also geachtet werden, um kleine Leute und große Szene am besten einzufangen?

Straßenfotografie
Straßenfotografie Los Angeles | 2015

 

1. Bewegungsschärfe der Straßefotografie

Ein Klassiker in der Straßenfotografie sind Aufnahmen von eindrucksvollen Bauten wie Bahnhöfen und Kaufhäusern mit davor vorüberziehende Passanten, die durch eine längere Belichtungszeit an Bildschärfe verlieren. Damit die gewünschte Bewegungsunschärfe, die trotzdem noch Menschen erahnen lässt, auch gelingt, bietet sich der 2-Sekunden-Auslöser an. Auch ein Stativ ist für diesen Bildtyp zu empfehlen. Falls keines verfügbar ist und mit einer kleinen Digitalkamera gearbeitet wird, kann notfalls auch zu einem Pfeiler oder zu einer leeren Flasche gegriffen werden.

2. Die Bewegungen der Straße einfangen

Zur symbolischen Darstellung von Bewegungen sowie zum Einfrieren von schnellen Bewegungsabläufen dient die Belichtungszeit. Für Letzteres werden kurze Belichtungszeiten von etwa 1/500 Sekunde eingesetzt, um zum Beispiel Wassertropfen aus einer Regenrinne, Läufer mitten im Sprint oder Vögel im Sturzflug kurzzeitig erstarrten zu lassen. Grundsätzlich gilt: Je schneller die zu fotografierende Bewegung, desto kürzer muss die Belichtungszeit eingestellt werden. Um dem Bild mehr Dynamik zu verleihen, kann die “Mitzieher-Technik” verwendet werden. Dazu wird das sich bewegende Objekt mit der Kamera eingefangen und diese parallel zur Bildebene in der Geschwindigkeit des Objekts mitgezogen, währen die Kamera ein- oder mehrmals ausgelöst wird. Dies führt zu einer Verwischung des Hintergrunds, sodass das sich bewegende Objekt in der Bewegung eingefroren wirkt. Gilt es Bewegung im Bild symbolisch darzustellen, wird von langen Belichtungszeiten von 1/15 Sekunde Gebrauch gemacht. Je länger die Belichtungszeit und länger die Bewegung, desto schwächer wird die Bewegungsschärfe und desto schneller wird die Bewegung auf dem Foto wahrgenommen.

3. Serien verwenden

Da ein Großteil der Einzelbilder misslingt, empfehlen sich in der Straßenfotografie grundsätzlich Serien und Essays. Diese bringen zudem wesentlich mehr Informationen über den porträtierten Ort zum Ausdruck als ein einzelnes Bild. Mögliche Themen für Fotoserien sind Schaufenster, Straßenmusiker, Regenschirme und Menschen mit Einkaufstüten.

Die Hüftperspektive

In der Straßenfotografie ist es mittlerweile Usus, Motive auch aus der Hüftperspektive heraus zu fotografieren, ohne vorher in den Sucher zu blicken. Dies bringt eine Verzerrung der gewohnten Perspektive mit sich, die zwar der Ästhetik des Bildes einen Abbruch tun kann, aber als Stilbruch zugleich als spannend, erfrischend und andersartig empfunden wird. Zudem ist die Hüftperspektive allgemein als die sogenannte Kinderperspektive bekannt. Die Welt wird mit den Augen eines Kindes gesehen, das seine Umgebung in etwa einem Meter Höhe wahrgenommen. So können die Straße und ihre Bewohner sogleich dominanter, respekteinflössender und gefährlicher dargestellt werden.

Fazit

Anspruchsvolle Straßenaufnahmen bedürfen einiger Vorbereitungen. So gilt es vor dem Abdrücken folgende Punkte zu bedenken:

  • 2-Sekunden-Auslöser für Bewegungsunschärfe
  • Kurz Belichtungszeiten zum Einfrieren von Bewegungen
  • Lange Belichtungszeiten zur symbolischen Darstellung von Bewegungen
  • Serien und Essays verwenden
  • Gelegentlich in die Hüftperspektive wechseln

 

Bildquelle: http://streetzen.tumblr.com/

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