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Ausrüstung

Vollformat, APS-C oder MFT – die Sensorfrage

Der Sensor bestimmt Größe, Gewicht, Preis und wie stark ihr freistellen könnt. Was er nicht bestimmt: ob eure Bilder gut werden.

Einstieg3 Min.·Vitali Skidan·

Drei Formate teilen sich den Markt, und um kaum ein Thema wird so viel gestritten. Die kurze Antwort vorweg: Für den überwiegenden Teil dessen, was Menschen fotografieren, spielt es keine Rolle. Die längere Antwort ist trotzdem nützlich, weil sie erklärt, wofür man mehr bezahlt.

Die drei Größen

FormatSensormaßCrop-FaktorDiagonale
Vollformat (Kleinbild)36 × 24 mm1,043,3 mm
APS-Cca. 23,5 × 15,6 mm1,5 (Canon 1,6)28,2 mm
Micro Four Thirds17,3 × 13 mm2,021,6 mm

Der Crop-Faktor sagt, wie sich der Bildwinkel gegenüber Kleinbild ändert. Ein 50-mm-Objektiv an APS-C zeigt denselben Ausschnitt wie 75 mm an Vollformat. An MFT wie 100 mm.

Wichtig: Die Brennweite ändert sich dadurch nicht. Nur der Ausschnitt.

Was der größere Sensor bringt

Weniger Rauschen bei wenig Licht. Größere Fläche sammelt mehr Licht. In der Praxis liegen zwischen den Formaten etwa ein bis zwei Blendenstufen – Vollformat bei ISO 6400 sieht ungefähr aus wie MFT bei ISO 1600.

Mehr Freistellung bei gleichem Bildausschnitt. Der Punkt, um den es meistens geht. Und der, bei dem man genau hinsehen muss.

Um denselben Ausschnitt zu bekommen, braucht der kleinere Sensor eine kürzere Brennweite – und die bringt automatisch mehr Schärfentiefe mit:

ƒ/2,8 · 50 mm · Fokus auf 3,00 mVollformat, 50 mm bei ƒ/2.8
ƒ/2,8 · 25 mm · Fokus auf 3,00 mMFT, 25 mm bei ƒ/2.8 – gleicher Ausschnitt, gut doppelt so viel Schärfentiefe.

Umrechnen lässt sich das über denselben Crop-Faktor: ƒ/2.8 an MFT stellt ungefähr so frei wie ƒ/5.6 an Vollformat. An APS-C entspricht ƒ/2.8 etwa ƒ/4.2.

Wer also die Freistellung eines 85 mm ƒ/1.4 an Vollformat sucht, bräuchte an MFT ein 42,5 mm ƒ/0.7 – das es nicht gibt. Das ist der eigentliche Grund für Vollformat.

Mehr Dynamikumfang. Etwas mehr Reserve in Lichtern und Schatten. Merkbar bei Landschaft, kaum bei allem anderen.

Kurz gefasst Der größere Sensor kauft euch etwa ein bis zwei Blendenstufen – bei Rauschen und bei Freistellung. Er kostet dafür Größe, Gewicht und Geld, und zwar überproportional bei den Objektiven.

Was der kleinere Sensor bringt

Größe und Gewicht. Und zwar nicht nur beim Gehäuse. Ein 300-mm-Äquivalent wiegt an MFT einen Bruchteil dessen, was es an Vollformat wiegt. Wer Wildtiere oder Sport fotografiert und weit tragen muss, hat hier ein echtes Argument.

Mehr Schärfentiefe bei gleicher Blende. Was beim Portrait ein Nachteil ist, ist bei Makro, Produkt und Landschaft ein Vorteil.

Preis. Nicht nur beim Gehäuse, vor allem bei den Objektiven. Ein lichtstarkes Vollformat-Zoom kostet leicht das Dreifache seines MFT-Gegenstücks.

Reichweite. Bei gleicher Brennweite bekommt ihr am kleineren Sensor einen engeren Ausschnitt. Für Tiere und Sport ist das bares Geld.

Wofür ich was empfehlen würde

APS-C für die allermeisten. Bestes Verhältnis aus Größe, Preis und Leistung. Die Objektivauswahl ist mittlerweile gut, das Rauschverhalten aktueller Sensoren völlig ausreichend, und man kann später zu Vollformat wechseln, ohne das System zu verlassen – bei Canon, Nikon und Sony passen die Bajonette.

Vollformat, wenn ihr regelmäßig Portraits mit starker Freistellung macht, oft bei sehr wenig Licht arbeitet, oder große Drucke braucht. Also im Kern: wenn ihr damit Geld verdient.

MFT, wenn Gewicht die oberste Priorität ist. Reise, Wandern, lange Tage unterwegs, Tele ohne Rückenschmerzen. Die Systeme sind ausgereift, und die Nachteile fallen bei gutem Licht kaum ins Gewicht.

Der Fehler, den man vermeiden sollte

Vom Kit-Zoom an Vollformat zu träumen, während man das Budget für ein gutes Objektiv an APS-C hätte.

Ein Vollformatgehäuse mit einem ƒ/4-Zoom liefert weniger Freistellung als ein APS-C-Gehäuse mit einer ƒ/1.8-Festbrennweite – und kostet mehr. Das Format allein macht keine besseren Bilder; die Kombination aus Format und Objektiv macht sie.

Siehe Das erste Objektiv.

Was mit dem Sensor nichts zu tun hat

Bildaufbau. Licht. Der Moment. Der Standpunkt. Die Beziehung zur fotografierten Person.

Also alles, was am Ende darüber entscheidet, ob ein Bild jemanden interessiert.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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