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Analog & Film

Filmtypen: Negativ, Dia, Schwarz-Weiß

Drei Filmarten mit sehr unterschiedlichem Verhalten. Welche verzeiht, welche nicht – und warum das die wichtigste Entscheidung vor dem Kauf ist.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Wer analog fotografiert, trifft die wichtigste Entscheidung im Laden: Der Film legt Empfindlichkeit, Farbcharakter und Belichtungsspielraum für die nächsten 36 Aufnahmen fest.

Anders als bei einer Digitalkamera lässt sich davon nichts zwischendurch ändern.

Die drei Arten

Farbnegativfilm (C-41). Der verbreitetste. Nach der Entwicklung liegt ein orangestichiges Negativ vor, das beim Vergrößern oder Scannen umgekehrt wird.

Diafilm (E-6). Nach der Entwicklung liegt ein durchsichtiges Positiv vor – ein fertiges Bild, das man gegen Licht ansehen kann.

Schwarz-Weiß-Negativ. Eigene Entwicklungsverfahren, meist einfacher als die Farbprozesse und zu Hause gut machbar.

Kurz gefasst Negativfilm verzeiht Überbelichtung und hasst Unterbelichtung. Diafilm ist umgekehrt und verzeiht fast nichts. Wer anfängt, nimmt Farbnegativ.

Der Belichtungsspielraum

Das ist der wichtigste praktische Unterschied.

FilmverträgtFaustregel
Farbnegativ−1 bis +3 Blendenstufenim Zweifel heller belichten
Schwarz-Weiß-Negativ−1 bis +3 Blendenstufenauf die Schatten messen
Diafilm±0,5 Blendenstufenauf die Lichter messen

Bei Negativfilm ist Überbelichtung fast folgenlos, Unterbelichtung dagegen verliert die Schatten unwiederbringlich. Deshalb der verbreitete Rat, ISO 400 mit ISO 200 zu belichten – also eine Stufe mehr Licht zu geben.

Bei Diafilm ist es umgekehrt: Überbelichtete Stellen sind durchsichtig und enthalten nichts. Diafilm ist deshalb der anspruchsvollste Film und der beste Lehrmeister für Belichtung.

Die Empfindlichkeit

Der ISO-Wert steht auf der Packung und gilt für den ganzen Film.

ISOwofürKorn
50–100Sonne, Stativ, Landschaftsehr fein
200–400der Allrounder für draußenfein
400Reportage, bedeckter Himmelsichtbar
800–1600drinnen, Abend, Konzertdeutlich
3200Available Light, sehr grobprägend

Der Zusammenhang ist derselbe wie bei ISO an der Digitalkamera: mehr Empfindlichkeit, mehr Korn. Der Unterschied ist, dass Korn anders aussieht als digitales Rauschen – es hat eine Struktur und wird von vielen als angenehm empfunden.

ISO 400 ist der vernünftige Standard. Er reicht draußen bei fast jedem Wetter und drinnen am Fenster.

Die verbreiteten Filme

Farbnegativ:

  • Kodak Portra 160 / 400 / 800 – für Hauttöne gerechnet, weiche Farben, großer Belichtungsspielraum. Der Standard für Portraits und Hochzeiten.
  • Kodak Gold 200 / Ultramax 400 – warme, kräftige Farben, günstig. Der Alltagsfilm.
  • Kodak Ektar 100 – sehr feinkörnig, gesättigt. Für Landschaft, weniger für Haut.
  • Fujifilm C200 / Superia 400 – kühlere Farbwiedergabe, kräftiges Grün.

Diafilm:

  • Fujifilm Velvia 50 / 100 – sehr gesättigt, kräftiges Grün und Rot. Der klassische Landschaftsfilm.
  • Fujifilm Provia 100F – neutraler, für alles Übrige.
  • Kodak Ektachrome E100 – neutral, feinkörnig.

Schwarz-Weiß:

  • Ilford HP5 Plus 400 – der Arbeitsfilm, robust, verzeiht viel, gut zum Selberentwickeln.
  • Kodak Tri-X 400 – der klassische Reportagefilm mit kräftigem Korn.
  • Ilford FP4 Plus 125 – feineres Korn, für ruhige Motive.
  • Ilford Delta 100 / 3200, Kodak T-Max – moderne Kristallstruktur, feineres Korn bei gleicher Empfindlichkeit.
  • Ilford XP2 Super 400 – Schwarz-Weiß im C-41-Prozess. Kann in jedem normalen Farblabor entwickelt werden.

Was auf der Packung sonst noch steht

Das Verfallsdatum. Farbfilm verliert nach Ablauf an Empfindlichkeit und bekommt Farbstiche. Faustregel: pro Jahr nach Ablauf eine Drittelstufe mehr belichten. Schwarz-Weiß hält deutlich länger.

Kühl lagern. Im Kühlschrank hält Film Jahre über das Datum hinaus, im Gefrierfach noch länger. Vor dem Gebrauch mehrere Stunden akklimatisieren lassen, sonst kondensiert Wasser darauf.

Das Format. 135 ist Kleinbild, die übliche Patrone mit 36 Aufnahmen. 120 ist Rollfilm für Mittelformat – je nach Kamera 8 bis 16 Aufnahmen. Beide sind gut verfügbar; 110 und APS praktisch nicht mehr.

Was die Entwicklung kostet

Ein Punkt, den man vor dem Einstieg rechnen sollte.

Pro Film kommen zusammen: der Film selbst (etwa 8 bis 18 Euro), die Entwicklung (5 bis 12 Euro) und der Scan (5 bis 20 Euro, je nach Auflösung). Das macht 20 bis 45 Euro für 36 Bilder.

Das ist der Grund, warum analoges Fotografieren anders macht: Bei einem Euro pro Auslösung überlegt man vorher.

Wer regelmäßig fotografiert, entwickelt Schwarz-Weiß selbst – das drückt die Kosten auf ein bis zwei Euro pro Film. Siehe Filme selbst entwickeln.

Push und Pull

Ein Film lässt sich absichtlich anders belichten und die Entwicklung darauf abstimmen.

Pushen: Einen ISO-400-Film mit ISO 1600 belichten und länger entwickeln. Ergebnis: mehr Kontrast, gröberes Korn, weniger Zeichnung in den Schatten. Der klassische Weg für Konzert- und Innenaufnahmen.

Pullen: Umgekehrt, mit ISO 200 belichten und kürzer entwickeln. Weniger Kontrast, feineres Korn.

Wichtig: Das gilt für den ganzen Film. Man kann nicht zwischen zwei Aufnahmen umschalten – und man muss dem Labor sagen, wie entwickelt werden soll.

Übung

Kauft zwei Filme derselben Empfindlichkeit von verschiedenen Herstellern – etwa Kodak Gold 200 und Fujifilm C200.

Fotografiert dieselben Motive mit beiden, bei gleichem Licht und gleicher Belichtung.

Der Unterschied in der Farbwiedergabe ist deutlich und keine Frage der Bearbeitung. Danach wisst ihr, welcher Film zu euch passt – und das ist die einzige Antwort, die zählt.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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