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Analog & Film

Analogkamera kaufen: worauf beim Gebrauchtkauf achten

Es gibt keine neuen mehr, die meisten sind dreißig bis fünfzig Jahre alt. Zwanzig Minuten Prüfung entscheiden über funktionierende Kamera oder Regalstück.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Analogkameras werden praktisch nicht mehr gebaut. Was ihr kauft, hat Jahrzehnte hinter sich und meistens einige Jahre in einem Keller.

Die gute Nachricht: Mechanische Kameras sind reparierbar und erstaunlich haltbar. Die schlechte: Zwei Bauteile altern zuverlässig, und beide sind schwer zu prüfen.

Welcher Typ

Spiegelreflex mit Wechselobjektiv ist für den Einstieg die beste Wahl. Ihr seht im Sucher, was das Objektiv sieht, könnt Objektive wechseln, und es gibt sie in großer Zahl.

Messsucherkameras sind kleiner und leiser, aber teurer und beim Scharfstellen gewöhnungsbedürftig.

Kompaktkameras mit Automatik sind praktisch, aber viele der beliebten Modelle sind durch die Nachfrage der letzten Jahre absurd teuer geworden – und sie sind fast nie reparierbar.

Mittelformat liefert eine Bildqualität, an die Kleinbild nicht herankommt. Für den Anfang zu teuer im Betrieb, siehe Mittelformat.

Meine Empfehlung: eine mechanische Kleinbild-Spiegelreflex aus den 1970er oder 1980er Jahren, von einem großen Hersteller. Robust, reparierbar, und Objektive dafür gibt es in Mengen.

Mechanisch oder elektronisch

Ein Unterschied, der über die Lebensdauer entscheidet.

Rein mechanische Kameras funktionieren ohne Batterie. Nur der Belichtungsmesser braucht eine – fällt er aus, könnt ihr trotzdem weiterfotografieren, notfalls mit einer Belichtungsmesser-App.

Elektronisch gesteuerte Kameras brauchen Strom für den Verschluss. Geht die Elektronik kaputt, ist die Kamera in der Regel unreparierbar, weil es keine Ersatzteile mehr gibt.

Für den Einstieg: mechanisch. Das reduziert das Risiko erheblich.

Die Prüfung vor Ort

Plant zwanzig Minuten ein. Ohne Film lässt sich das meiste testen.

Der Verschluss. Rückwand öffnen, in Richtung Licht halten und bei jeder Zeitstufe auslösen. Ihr müsst den Unterschied sehen: Bei 1/1000 blitzt es kurz, bei einer Sekunde bleibt es sichtbar offen. Achtet besonders auf die langen Zeiten – hängende Verschlüsse verraten sich dort zuerst, oft mit einem zögernden Nachlauf.

Der Spiegel. Muss nach dem Auslösen sofort zurückfallen. Bleibt er oben hängen, ist die Dämpfung hin.

Die Lichtdichtungen. Der häufigste Schaden überhaupt. Die Schaumstoffstreifen in der Rückwandnut zerfallen nach dreißig Jahren zu klebriger Masse. Fahrt mit dem Finger hinein: Ist es schmierig oder bröselig, ist es defekt.

Kein Ausschlusskriterium – Ersatzsätze kosten wenig und lassen sich in einer Stunde selbst tauschen. Aber es gehört in die Preisverhandlung, und ohne Austausch bekommt ihr Lichtstreifen auf den Bildern.

Der Belichtungsmesser. Batterie einlegen und gegen eine Fläche halten, deren Helligkeit ihr kennt. Vergleicht mit einer Belichtungsmesser-App auf dem Handy – eine Blendenstufe Abweichung ist tolerierbar, mehr nicht.

Der Filmtransport. Mehrmals durchspannen. Muss gleichmäßig laufen, ohne Haken.

Das Objektiv. Gegen eine Lampe halten:

  • Staub im Inneren ist normal und meist ohne Wirkung.
  • Schleier deutet auf ausgasende Schmiermittel hin – kostet Kontrast.
  • Pilz, feine verzweigte Fäden, ist ein Ausschlusskriterium. Er breitet sich aus und greift die Vergütung an.
  • Blendenlamellen müssen trocken sein und sofort schließen. Ölige Lamellen bewegen sich träge, und dann stimmt die Belichtung nicht.
  • Der Fokusring soll gleichmäßig laufen, nicht kratzen und nicht wackeln.
Die drei Ausschlusskriterien Pilz im Objektiv. Ölige Blendenlamellen. Ein Verschluss, der bei langen Zeiten hängt. Alles andere ist reparierbar oder Verhandlungssache.

Der Batterietyp

Ein Punkt, der oft übersehen wird: Viele Kameras aus den 1970ern wurden für Quecksilberbatterien gebaut, die es nicht mehr gibt.

Ersatz gibt es in Form von Adaptern oder Zink-Luft-Zellen. Manche Kameras funktionieren auch mit modernen Batterien, zeigen dann aber leicht falsche Werte.

Fragt vor dem Kauf, welcher Typ nötig ist, und prüft kurz, ob es ihn noch gibt.

Was ein fairer Preis ist

Sehr grob, für ein funktionierendes Gehäuse mit Normalobjektiv:

ungefähr
Verbreitete Modelle großer Hersteller60 bis 150 €
Gepflegte Modelle mit Beleg einer Wartung150 bis 300 €
Sammlermodelle und Kultkamerasoffen nach oben

Der letzte Punkt ist der Fallstrick: Einige Modelle sind durch soziale Netzwerke zu Kultobjekten geworden, und der Preis hat mit der Leistung nichts mehr zu tun. Ein unauffälliges Modell desselben Herstellers macht dieselben Bilder für ein Drittel.

Wo kaufen

Fachhändler für Gebrauchtes. Teurer, dafür geprüft und oft mit Gewährleistung. Für den ersten Kauf die ruhigste Variante.

Kamerabörsen und Fotoclubs. Man kann prüfen und fragen, und es gibt Leute, die sich auskennen.

Kleinanzeigen. Große Auswahl, aber nur mit Prüfung vor Ort.

Flohmarkt und Dachboden. Am günstigsten, mit dem höchsten Risiko. Rechnet mit einer Wartung, die oft mehr kostet als die Kamera.

Nach dem Kauf

Einen Testfilm durchschicken, bevor ihr etwas Wichtiges fotografiert. Belichtet dabei bewusst verschiedene Situationen und notiert die Werte.

Wenn die Bilder gleichmäßig zu hell oder zu dunkel sind, ist der Belichtungsmesser verstellt – das lässt sich ausgleichen, indem ihr den ISO-Wert entsprechend anders einstellt.

Wenn Lichtstreifen auf den Bildern sind, sind es die Dichtungen. Ein Ersatzsatz kostet wenig, und die Anleitung dazu findet sich für praktisch jedes Modell.

Der wichtigste Rat

Kauft nicht die Kamera, die ihr schön findet, sondern eine, für die es Ersatzteile, Anleitungen und Objektive gibt.

Bei den großen Herstellern der Kleinbildzeit ist all das vorhanden – bei einem Exoten steht ihr beim ersten Defekt allein da. Die Kamera, die man reparieren lassen kann, ist die bessere.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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