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Analog & Film

Analog anfangen: die ersten drei Filme

36 Bilder, keine Vorschau, und jeder Auslöser kostet Geld. Genau das ist der Punkt – und es verändert, wie man fotografiert.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Analog zu fotografieren ist umständlicher, langsamer und teurer als digital. Es gibt keinen technischen Grund, damit anzufangen.

Es gibt aber einen anderen, und der ist gut: Es verändert, wie man fotografiert. Wer 36 Bilder hat, jedes davon Geld kostet und keines vorher ansehen kann, überlegt vor dem Auslösen. Diese Gewohnheit bleibt, auch wenn man später wieder digital arbeitet.

Was ihr braucht

Weniger, als man denkt:

Eine Kamera. Gebraucht, mechanisch, mit Belichtungsmesser. Worauf beim Kauf zu achten ist, steht unter Analogkamera kaufen.

Ein Objektiv, meist eine 50-mm-Festbrennweite, die oft dabei ist.

Drei Filme. Nicht einen – dazu gleich mehr.

Eine Batterie, falls der Belichtungsmesser eine braucht. Bei alten Kameras oft ein Typ, den es so nicht mehr gibt; Adapter oder Ersatztypen sind erhältlich.

Das war es. Kein Stativ, kein Blitz, kein Zubehör.

Warum drei Filme

Weil ein Film zu wenig ist, um etwas zu lernen.

Beim ersten macht ihr alle Anfängerfehler und wisst hinterher nicht, welcher woran lag. Beim zweiten korrigiert ihr das Offensichtliche. Beim dritten fangt ihr an zu fotografieren.

Und macht Notizen. Das ist der wichtigste Rat für den Anfang: Zu jedem Bild die Nummer, Blende, Zeit und was ihr euch gedacht habt. Ohne diese Notizen lernt ihr nichts, weil ihr beim Ansehen der Abzüge nicht mehr wisst, was ihr getan habt.

Ein Zettel im Kameratäschchen genügt. Es gibt auch Apps dafür.

Welcher Film

Für den Anfang: ein Farbnegativfilm mit ISO 400.

Warum genau der:

  • Negativfilm verzeiht Überbelichtung erheblich – teils zwei bis drei Blendenstufen. Diapositivfilm verzeiht fast nichts.
  • ISO 400 funktioniert draußen und drinnen noch halbwegs.
  • Farbnegativ wird überall entwickelt und ist am günstigsten.

Schwarz-Weiß ist reizvoll, aber die Entwicklung ist teurer oder muss selbst gemacht werden. Dia ist wunderschön und für den Anfang zu unnachgiebig.

Mehr dazu unter Filmtypen.

Kurz gefasst Farbnegativ ISO 400, drei Filme, Notizen zu jedem Bild. Und im Zweifel eine halbe Stufe überbelichten – Negativfilm mag Licht.

Der Grundsatz beim Belichten

Bei Digital gilt: eher knapp belichten, damit die Lichter Zeichnung behalten.

Bei Negativfilm gilt das Gegenteil. Er hält Überbelichtung gut aus und verliert bei Unterbelichtung sofort die Schatten. Die alte Regel lautet: Auf die Schatten belichten.

Praktisch: Wenn ihr unsicher seid, gebt eine halbe bis ganze Blendenstufe mehr. Viele stellen deshalb einen ISO-400-Film an der Kamera auf ISO 200 ein – das belichtet automatisch eine Stufe großzügiger.

Entwickeln lassen

Für die ersten Filme: ins Labor geben. Selbst entwickeln kommt später, siehe Filme selbst entwickeln.

Wo:

  • Fachlabore liefern die beste Qualität und bieten hochauflösende Scans. Kostet mehr, lohnt sich für Bilder, die euch wichtig sind.
  • Drogeriemärkte sind günstig, die Scans meist klein und stark nachbearbeitet. Für die ersten Versuche in Ordnung.

Bestellt Entwicklung plus Scan, nicht Entwicklung plus Abzüge. Die Scans braucht ihr, um die Bilder überhaupt ansehen und teilen zu können. Und lasst euch die Negative zurückschicken – sie sind das Original.

Die häufigsten Anfängerfehler

Den Film nicht richtig eingelegt. Der Klassiker: Man fotografiert 36 Bilder, und der Film hat sich nie bewegt. Kontrolle: Nach dem Einlegen und zweimal Weiterdrehen muss sich die Rückspulkurbel mitdrehen, wenn ihr den Transport betätigt.

Den Film im Sonnenlicht gewechselt. Immer im Schatten, notfalls im Schatten des eigenen Körpers.

Vergessen, die ISO einzustellen. Bei alten Kameras muss der Filmwert von Hand gesetzt werden. Steht dort noch 100, während ein 400er drin ist, sind alle Bilder zwei Stufen daneben.

Zu wenig Licht. ISO 400 klingt viel, ist es aber nicht. In Innenräumen ohne großes Fenster wird es eng.

Zu viel auf einmal wollen. Zwei Filme in einem Wochenende voll zu machen ist digitales Denken. Ein Film über zwei Wochen ist analoges.

Was es kostet

Grob, damit ihr wisst, worauf ihr euch einlasst:

Postenungefähr
Gebrauchte Kamera mit Objektiv60 bis 200 €
Farbnegativfilm, 36 Aufnahmen8 bis 15 €
Entwicklung mit Scans8 bis 20 €

Ein Film kostet also etwa 20 bis 35 Euro von Anfang bis Ende – rund 60 Cent bis einen Euro pro Bild. Das ist der Grund, warum man vor dem Auslösen nachdenkt, und es ist der eigentliche Lerneffekt.

Der ehrliche Rat

Analog ist keine bessere Fotografie. Die Bilder sind nicht automatisch schöner, und wer den Look will, bekommt ihn digital überzeugender als mit einem schlecht gescannten Drogeriemarktfilm.

Was analog wirklich bringt, ist die Verlangsamung. Man macht weniger Bilder und denkt bei jedem nach. Genau das nimmt man mit, wenn man wieder digital fotografiert – und deshalb empfehle ich es jedem einmal.

Drei Filme. Danach wisst ihr, ob es eure Sache ist.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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