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Smartphone-Fotografie

Nachtmodus: wie er funktioniert und wann er versagt

Das Telefon macht mehrere Aufnahmen und verrechnet sie. Das erklärt, warum es nachts erstaunlich gute Bilder liefert – und wo die Grenze liegt.

Einstieg4 Min.·Vitali Skidan·

Ein Smartphone-Sensor ist etwa so groß wie ein Fingernagel. Physikalisch gesehen ist er für Nachtaufnahmen völlig ungeeignet.

Trotzdem liefern aktuelle Telefone nachts Bilder, für die eine Kamera ein Stativ bräuchte. Der Grund ist nicht Optik, sondern Rechenleistung.

Wie es funktioniert

Wenn ihr im Nachtmodus auslöst, macht das Telefon nicht ein Bild, sondern zehn bis dreißig – in kurzer Folge, jedes davon kurz genug, um nicht zu verwackeln.

Anschließend passiert Folgendes:

Ausrichten. Die Bilder werden übereinandergelegt und gegeneinander verschoben, bis sie deckungsgleich sind. Damit fällt die Handbewegung heraus.

Mitteln. Rauschen ist zufällig und in jedem Bild anders. Beim Mitteln hebt es sich weitgehend auf, während das eigentliche Bild bleibt. Vier Aufnahmen entsprechen etwa einer Blendenstufe weniger Rauschen.

Auswählen. Bereiche, die sich bewegt haben, werden erkannt und nur aus einer Aufnahme genommen, damit keine Geisterbilder entstehen.

Tonwerte anpassen. Zum Schluss werden Schatten aufgehellt, Lichter zurückgenommen und der Kontrast neu verteilt.

Das ist dasselbe Prinzip, mit dem in der Astrofotografie gearbeitet wird – nur automatisch und in wenigen Sekunden.

Kurz gefasst Der Nachtmodus ist eine Belichtungsreihe mit anschließender Verrechnung. Deshalb braucht er zwei Dinge: eine ruhige Kamera und ein Motiv, das sich in diesen Sekunden nicht bewegt.

Wo er versagt

Bei Bewegung. Der zentrale Punkt. Ein Mensch, der geht, ein Auto, ein Hund, ein Blatt im Wind – alles, was sich während der Aufnahmefolge bewegt, wird verwischt oder erscheint mehrfach.

Praktisch heißt das: Der Nachtmodus ist für Architektur und Landschaft, nicht für Menschen. Für ein Portrait bei Nacht braucht es eine andere Lösung.

Bei zu viel Wackeln. Zwei bis fünf Sekunden ruhig halten ist mehr, als es klingt. Anlehnen, auf eine Mauer legen, Ellbogen am Körper.

Bei sehr hohem Kontrast. Eine helle Lampe im Bild wird ausbrennen, und das Ausgleichen erzeugt oft einen unnatürlichen Halo darum herum.

Bei Spiegelungen und Wasser. Bewegte Oberflächen lassen sich nicht mitteln.

Wie das Ergebnis aussieht

Die Schwäche des Verfahrens ist nicht technischer, sondern ästhetischer Natur.

Nachtmodusbilder wirken oft zu hell. Die Software hebt Schatten so weit an, dass eine Nachtszene aussieht wie eine trübe Dämmerung. Der Himmel wird grau statt schwarz, dunkle Ecken bekommen Zeichnung, die dort nicht hingehört.

Damit geht genau das verloren, was eine Nachtaufnahme ausmacht: der Gegensatz zwischen wenigen Lichtern und viel Dunkelheit.

Was hilft:

Die Belichtung nach unten ziehen. In der Kamera-App den Finger auf das Motiv legen und den Regler an der Seite nach unten schieben. Ein bis zwei Stufen dunkler wirkt fast immer besser.

Nachträglich abdunkeln. In der Galerie Schatten und Belichtung zurücknehmen. Die Zeichnung ist da, man muss sie nicht zeigen.

Den Nachtmodus manchmal ausschalten. Bei einer Szene mit hellen Lichtern – beleuchtete Schaufenster, Straßenlaternen, Neonschilder – ist die normale Aufnahme oft die bessere.

Wie man ihn gut nutzt

Etwas zum Abstützen suchen. Mauer, Geländer, Auto, Pfosten. Zwei Sekunden ruhig sind mit Auflage mühelos.

Das Telefon hinlegen. Auf eine flache Fläche, mit dem Selbstauslöser. Das Ergebnis ist deutlich besser als aus der Hand – und ein Mini-Stativ oder eine Klemme kostet zwanzig Euro. Siehe Smartphone-Zubehör.

Die Hauptkamera nehmen. Ultraweitwinkel und Tele haben kleinere Sensoren und lichtschwächere Objektive. Nachts ist der Unterschied groß.

Nicht digital zoomen. Bei wenig Licht ist digitaler Zoom nur eine Vergrößerung des Rauschens.

Die Linse putzen. Ein Fingerabdruck erzeugt bei Nacht Schleier um jede Lichtquelle. Nachts fällt auf, was tagsüber niemand bemerkt.

Menschen bei Nacht

Da der Nachtmodus für Bewegung ungeeignet ist, hilft nur eines: mehr Licht.

  • Eine Straßenlaterne, ein Schaufenster, eine Leuchtreklame – die Person hineinstellen.
  • Das Licht eines zweiten Telefons als Aufheller.
  • Der Blitz als letzte Möglichkeit. Er ist hart und flach, aber ein scharfes Bild mit schlechtem Licht ist besser als ein verwischtes.

Und: Bei Portraits im Dunkeln funktioniert der Nachtmodus, wenn die Person sich wirklich nicht bewegt und man sie darauf hinweist. Zwei Sekunden stillhalten ist machbar, wenn man es weiß.

Der Vergleich mit der Kamera

Bei Nachtaufnahmen vom Stativ, mit Zeit und ohne Bewegung, ist eine Kamera dem Telefon nach wie vor klar überlegen – mehr Auflösung, mehr Dynamikumfang, saubere Farben, echte Langzeitbelichtungen.

Aus der Hand, bei einem Stadtbummel, ohne Vorbereitung, ist das Telefon oft besser. Es macht in zwei Sekunden, wofür eine Kamera Aufbau bräuchte.

Mehr zu dieser Abwägung unter Handy oder Kamera; zur Nachtfotografie mit Kamera unter Nachtfotografie.

Übung

Sucht euch eine Straße bei Nacht und macht dasselbe Motiv dreimal: im Nachtmodus aus der Hand, im Nachtmodus mit dem Telefon auf einer Mauer, und im normalen Modus mit einer Stufe weniger Belichtung.

Vergleicht die drei am nächsten Tag am großen Bildschirm.

Das dritte wird vermutlich am ehesten nach Nacht aussehen. Das zweite wird das technisch beste sein. Diese beiden Erkenntnisse zusammen sind der ganze Artikel.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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