GIMP ist ein Pixeleditor: Es bearbeitet einzelne Bildpunkte in einer offenen Datei. Das ist etwas anderes als ein RAW-Entwickler, der Anweisungen zu einer Datei speichert und sie erst beim Export anwendet.
Diese Unterscheidung erklärt, wofür GIMP taugt und wofür nicht.
Wofür es nicht gedacht ist
Nicht als RAW-Entwickler. GIMP kann RAW-Dateien nur über ein Zusatzprogramm öffnen – Darktable oder RawTherapee, die dann als Zwischenschritt aufgerufen werden. Das eigentliche Entwickeln passiert dort, nicht in GIMP.
Nicht als Bildverwaltung. Es gibt keinen Katalog, keine Bewertung, keine Stapelverarbeitung im Sinne von Lightroom.
Nicht für 16-Bit-Arbeitsabläufe aus Gewohnheit. GIMP kann seit Version 2.10 mit hoher Farbtiefe arbeiten, aber es muss beim Anlegen eingestellt werden, und nicht alle Werkzeuge und Plugins verhalten sich dabei gleich.
Wofür es gut ist
Retusche. Stempel, Heilen-Werkzeug, Klonen mit Perspektive. Für Hautunreinheiten, Sensorflecken, störende Objekte reicht das vollständig.
Freistellen. Ebenenmasken, Pfadwerkzeug, Vordergrundauswahl. Mehr dazu unter Freistellen.
Montage. Mehrere Bilder in Ebenen, mit Masken kombiniert.
Text und Grafik. Wasserzeichen, Bildunterschriften, einfaches Layout.
Umwandlungen und Größenänderungen. Auch als Stapelvorgang über das Plugin BIMP.
Die Werkzeuge, die man kennen sollte
Ebenen und Ebenenmasken. Das Grundprinzip jeder nicht zerstörenden Arbeit: Statt das Bild zu ändern, legt man eine Ebene darüber und blendet sie mit einer Maske teilweise ein. Weiß in der Maske heißt sichtbar, Schwarz unsichtbar.
Wer nur eine Sache in GIMP lernt, lernt diese.
Kurven (Farben → Kurven). Dasselbe Werkzeug wie überall, siehe Gradationskurve.
Das Heilen-Werkzeug. Es kopiert Struktur aus einem Quellbereich und passt Helligkeit und Farbe an die Umgebung an. Für Hautretusche und Flecken das richtige Werkzeug – besser als der Stempel, der stumpf kopiert.
Der Klonstempel für alles, wo Struktur exakt übernommen werden soll – Mauerwerk, Rasen, Himmel.
Unscharf maskieren (Filter → Verbessern → Schärfen). Zum Schärfen, siehe Schärfen.
Skalierbare Auswahl mit Kantenglättung. Beim Freistellen der wichtigste Detailschritt.
Der Ablauf, der funktioniert
- RAW in Darktable oder RawTherapee entwickeln. Belichtung, Farbe, Objektivkorrektur, Rauschminderung.
- Als 16-Bit-TIFF exportieren.
- In GIMP öffnen und dort nur das machen, wofür es gedacht ist: Retusche, Montage, Freistellen.
- Als XCF speichern, wenn die Ebenen erhalten bleiben sollen.
- Als JPEG exportieren, für die Ausgabe – dabei erst am Ende auf die Zielgröße bringen und dann schärfen.
Punkt 4 wird häufig übersehen: „Speichern“ in GIMP schreibt immer XCF. „Exportieren“ schreibt JPEG oder PNG. Das ist gewöhnungsbedürftig und logisch.
Was oft als Kritik genannt wird
Die Oberfläche. In der Voreinstellung stehen viele Fenster einzeln herum. Unter Fenster → Einzelfenster-Modus wird daraus ein zusammenhängendes Programm. Das sollte man als Erstes einschalten.
Keine Einstellungsebenen. Der wirkliche funktionale Unterschied zu Photoshop: In GIMP lässt sich eine Kurve nicht als eigene, nachträglich änderbare Ebene ablegen. Man arbeitet mit Kopien der Bildebene.
Kein CMYK. Für den professionellen Druck ein Ausschlusskriterium, für Fotografen praktisch irrelevant – Bilder gehen in sRGB oder Adobe RGB an die Druckerei. Mehr unter Farbraum.
Kein Inhaltsbasiertes Füllen in der Qualität von Photoshop. Das Resynthesizer-Plugin kommt nahe, ist aber umständlicher zu installieren.
Nützliche Plugins
- Resynthesizer – Objekte entfernen, ähnlich dem inhaltsbasierten Füllen
- G'MIC – eine sehr große Filtersammlung, darunter gute Rauschminderung und Hautglättung
- BIMP – Stapelverarbeitung für Größe, Format, Wasserzeichen
Alle drei sind kostenlos und werden über die Plugin-Verzeichnisse installiert.
Die Alternativen, kurz
Wenn GIMP nicht passt:
Krita ist für Malerei gedacht, hat aber gute Ebenen- und Maskenwerkzeuge und eine angenehmere Oberfläche.
Photopea läuft im Browser, ist Photoshop nachempfunden, öffnet PSD-Dateien und ist für gelegentliche Arbeit erstaunlich brauchbar.
Affinity Photo ist kein freies Programm, kostet aber einmalig statt monatlich und ist für Fotografen die naheliegendste Alternative zu Photoshop.
Ein Überblick steht unter Kostenlose Bildbearbeitung.
Übung
Nehmt ein Bild mit einem störenden Gegenstand – einem Mülleimer, einem Schild, einem Kabel.
Legt eine Kopie der Bildebene an und entfernt den Gegenstand darauf mit dem Klonstempel. Blendet die Ebene ein und aus, um zu vergleichen.
Wenn ihr das beherrscht, deckt ihr damit die häufigste Aufgabe ab, für die Fotografen überhaupt einen Pixeleditor brauchen.

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.
Hochzeitsfotografie auf skidan.deFotokurse