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Bildbearbeitung

Darktable: die kostenlose Alternative, ernst genommen

Kein abgespecktes Lightroom, sondern ein anders gebautes Programm. Der Einstieg dauert länger – und danach fehlt praktisch nichts.

Fortgeschritten4 Min.·Vitali Skidan·

Darktable ist ein freier RAW-Entwickler für Windows, macOS und Linux. Es kostet nichts, es hat kein Abonnement, und es kann alles, was ein Bildentwickler können muss.

Es ist aber nicht Lightroom mit anderen Knöpfen. Wer es so bedient, kommt nicht weit.

Der Unterschied, der alles erklärt

Lightroom bietet eine feste Reihe von Reglern in einer festen Reihenfolge.

Darktable ist eine Pipeline aus Modulen. Jedes Modul ist ein Bearbeitungsschritt, sie werden in einer bestimmten Reihenfolge auf das Bild angewendet, und man schaltet sie einzeln zu.

Das ist der Grund, warum die Oberfläche zunächst überfordert: Es sind über siebzig Module sichtbar. Man braucht davon fünf.

Kurz gefasst Nicht die Moduldichte lernen, sondern die fünf Module, die achtzig Prozent der Arbeit machen. Der Rest kommt, wenn ein konkretes Problem danach verlangt.

Die erste Hürde: Szenenbezogen statt anzeigebezogen

Seit Version 3.0 arbeitet Darktable standardmäßig szenenbezogen („scene-referred“). Das ist der wichtigste Unterschied zu allem, was ihr kennt, und er ist gut begründet.

Der ältere Ansatz rechnet früh in den Bereich, den ein Bildschirm darstellen kann. Der neue arbeitet so lange wie möglich mit den linearen Werten des Sensors und rechnet erst ganz am Ende in die Anzeige um.

Praktisch heißt das: Helligkeit und Kontrast werden nicht über die alten Module „Belichtungskorrektur“ und „Tonwertkurve“ eingestellt, sondern über Belichtung und Filmisch RGB.

Wer mit den alten Modulen arbeitet, bekämpft die Pipeline und wundert sich über hässliche Ergebnisse in den Lichtern.

Die fünf Module

1. Belichtung. Die Grundhelligkeit. Anders als in Lightroom ist der Standardwert nicht 0, sondern etwas darüber – das ist beabsichtigt.

2. Filmisch RGB. Das Herzstück. Es rechnet den großen Dynamikumfang des Sensors so um, dass er auf dem Bildschirm dargestellt werden kann – die Aufgabe, die früher der Filmemulsion zufiel, daher der Name.

Drei Werte genügen zu Beginn: Weißpunkt, Schwarzpunkt und Mitteltöne. Es gibt einen Knopf, der sie automatisch setzt; das Ergebnis ist meist ein guter Ausgangspunkt.

3. Farbbalance RGB. Kontrast, Sättigung, Brillanz – und zwar getrennt für Tiefen, Mitten und Lichter. Ersetzt eine ganze Reihe von Lightroom-Reglern.

4. Farbkalibrierung. Der Weißabgleich im szenenbezogenen Arbeitsablauf. Nicht das alte Modul „Weißabgleich“ verwenden – das bleibt auf der Kameraeinstellung stehen.

5. Objektivkorrektur. Verzeichnung, Vignettierung, Farbsäume. Läuft automatisch, sobald das Objektiv in der Datenbank steht.

Damit sind achtzig Prozent aller Bilder entwickelt.

Was danach nützlich wird

  • Entrauschen (Profil) – die Rauschminderung, mit Profilen für die meisten Kameras
  • Schärfe oder besser Kontrastausgleich für lokale Kontraste
  • Maskieren mit gezeichneten und parametrischen Masken – hier ist Darktable Lightroom deutlich überlegen
  • Farbzonen für gezielte Farbkorrekturen
  • Nachbelichten und Abwedeln über eine Instanz des Belichtungsmoduls mit Maske

Die Masken sind der eigentliche Grund, warum viele bei Darktable bleiben: Jedes Modul lässt sich mit einer Maske versehen, gezeichnet oder nach Helligkeit und Farbe. Das ist eine Freiheit, die kommerzielle Programme so nicht bieten.

Der Arbeitsablauf

Darktable hat zwei Hauptansichten:

Leuchttisch – Verwalten, Sichten, Bewerten, Exportieren.

Dunkelkammer – die Entwicklung eines Bildes.

Der Ablauf ist derselbe wie überall:

  1. Ordner importieren (Darktable kopiert nichts – es verweist auf die Dateien)
  2. Am Leuchttisch sichten und mit Sternen bewerten
  3. In der Dunkelkammer entwickeln
  4. Einstellungen mit Strg+C und Strg+V auf andere Bilder übertragen
  5. Exportieren über das Modul rechts unten am Leuchttisch

Alle Änderungen stehen in einer Datenbank und in einer XMP-Datei neben dem Bild. Die Originaldatei bleibt unverändert.

Was fehlt und was stört

Die Einarbeitung. Rechnet mit ein paar Abenden. Das ist der ehrliche Preis für die Ersparnis.

Die Geschwindigkeit. Ohne brauchbare Grafikkarte mit OpenCL wird es zäh – bei jedem Regler wartet man auf die Vorschau. Mit Grafikkarte ist es flott.

Kein Gesichtserkennung, keine Panoramafunktion, kein HDR-Zusammenfügen. Für Panoramen nimmt man Hugin, für HDR ebenfalls Hugin oder Luminance HDR.

Die Benennungen. Viele Module heißen anders als das, was man sucht. Die Suchzeile über der Modulliste hilft.

Wann es die richtige Wahl ist

Ja, wenn ihr kein Abonnement wollt, unter Linux arbeitet, gern mit Masken arbeitet oder verstehen wollt, was ein Entwickler tut.

Eher nein, wenn ihr täglich mehrere hundert Bilder durchsehen und schnell liefern müsst – dort ist Lightroom im Arbeitsfluss noch immer schneller – oder wenn ihr eine große bestehende Lightroom-Sammlung habt.

Andere kostenlose Wege stehen unter Kostenlose Bildbearbeitung.

Übung

Nehmt eine RAW-Datei und entwickelt sie nur mit den fünf genannten Modulen. Alles andere lasst ihr zu.

Dann öffnet dieselbe Datei ein zweites Mal und versucht bewusst, mit dem alten Modul „Tonwertkurve“ zu arbeiten.

Der Unterschied in den Lichtern zeigt in einem Bild, warum es den szenenbezogenen Arbeitsablauf gibt – und warum man ihn nicht umgehen sollte.

Vitali Skidan – Hochzeitsfotograf aus Bamberg

Seit über fünfzehn Jahren Hochzeiten und Reportagen in Franken, deutschlandweit unterwegs. Die Bilder in diesem Blog sind meine eigenen – aus Aufträgen und von unterwegs, mit den Aufnahmedaten darunter.

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